# taz.de -- Kommentar Boris-Palmer-Festspiele: Hinter dem Spektakel
       
       > Boris Palmer will bewaffnete Grenzer, der linke Flügel seiner Partei ist
       > empört. Das Schauspiel zeigt: Die Grünen sind heute eine tief gespaltene
       > Partei.
       
 (IMG) Bild: Liebe Linksgrüne, ihr müsst jetzt tapfer sein. Ja, es gibt echte Konservative in eurer Partei.
       
       Es sind mal wieder Boris-Palmer-Festspiele bei den Grünen. Tübingens
       Oberbürgermeister hat dem Spiegel erklärt, [1][wie er die Sache mit den
       Flüchtlingen regeln würde]. Es ist schwer zu sagen, was bei diesem Theater
       am meisten verblüfft. Wie gut der Trick, sich gegen die Parteilinie zu
       profilieren, immer wieder funktioniert. Warum das wichtigste
       Nachrichtenmagazin Deutschlands einem Lokalpolitiker [2][vier Seiten
       freiräumt]. Oder doch, wie zuverlässig linke Grüne aufkreischen, wenn sie
       den Namen Palmer lesen?
       
       Achtung, liebe Linksgrüne, ihr müsst jetzt tapfer sein. Ja, es gibt echte
       Konservative in eurer Partei. Ja, viele Grüne denken bei manchen Themen so
       ähnlich wie Christdemokraten, besonders die im Südwesten der Republik. Und
       nein, Palmer ist nicht allein.
       
       Was der Tübinger zu Protokoll gibt, wird ja nur deshalb zur Nachricht, weil
       er Grüner ist. Boris Palmer will die Flüchtlingszahlen deutlich reduzieren.
       Er plädiert dafür, die EU-Außengrenzen aufwändig zu sichern, bewaffnete
       Grenzer inklusive. Er möchte Kontingente für die Flüchtlinge, die am
       dringendsten Schutz brauchen – der Rest soll draußen bleiben.
       
       All das will Angela Merkel auch. Und relevante Teile der Grünen stehen
       hinter der CDU-Kanzlerin. Winfried Kretschmann, Baden-Württembergs
       Ministerpräsident, lässt abschieben wie ein Weltmeister, er baut seinen
       ganzen Landtagswahlkampf auf vorbehaltloser Merkel-Bewunderung auf.
       
       Jetzt empören sich alle Grünen über Palmer, man hat ja mit den Jahren
       einige Übung. Doch hinter diesem Schauspiel steckt eine echte Differenz.
       Zwischen den Kretschmann-Grünen, deren Denken Palmer überspitzt, und den
       Linksgrünen in Berlin, Bremen oder anderswo liegen Welten. Es geht nicht
       nur um habituelle Fragen, sondern um große inhaltliche Unterschiede, in der
       Flüchtlings-, Finanz- oder Sozialpolitik. Das Palmer-Spektakel zeigt: Die
       Grünen von heute, das sind zwei Parteien, die so weit auseinanderliegen wie
       CDU und CSU.
       
       15 Feb 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/buendnis-90-die-gruenen-boris-palmer-will-mehr-fluechtlinge-abweisen-a-1077108.html
 (DIR) [2] http://Neue%20Grenzerfahrungen%20mit%20Palmer
       
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 (DIR) Ulrich Schulte
       
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