# taz.de -- Flüchtlinge in Australien: Unruhen in Lager auf Weihnachtsinsel
       
       > Australien fährt eine harte Flüchtlingspolitik. In einem Haftlager kommt
       > es zu Tumulten. Alles in Ordnung, versucht das zuständige Ministerium zu
       > beschwichtigen.
       
 (IMG) Bild: Das Lager auf der Weihnachtsinsel auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2009.
       
       Sydney ap/dpa | In einem abgelegenen australischen Internierungslager für
       Asylsuchende ist es zu Unruhen gekommen. Insassen hatten die Einrichtung
       zerstört und Zäune niedergetrampelt sowie einige Brände gelegt, heiß es
       nach australischen Medienberichten vom Montag.
       
       Das Einwanderungsministerium in Canberra bestätigte am Montag, dass es eine
       „größere Störung“ in dem Zentrum auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean
       gegeben habe. Das Personal habe sich aus Sicherheitsgründen zurückgezogen.
       Das Ministerium dementierte jedoch, dass es sich um einen „Aufruhr“ in
       großem Umfang“ gehandelt habe. Man arbeite daran, die Lage einzudämmen. Es
       gebe Berichte über Schäden, verletzt worden sei aber niemand. Die Insel ist
       ein Außengebiet Australiens im Indischen Ozean.
       
       Zu den Unruhen war es nach dem Tod eines Häftlings am Sonntag gekommen, der
       aus dem Lager ausgebrochen war. Es soll sich um einen Kurden aus dem Iran
       handeln, der seit 2010 dort festgehalten wurde. Laut Augenzeugen war er am
       Samstag außerhalb des Grenzzauns eine Klippe hinabgestürzt. Die
       Todesursache ist unklar.
       
       Dem Einwanderungsministerium zufolge demonstrierte zunächst eine kleine
       Gruppe iranischer Häftlinge friedlich gegen den Tod des Asylsuchenden.
       Andere Insassen hätten dann begonnen, Dinge zu beschädigen. Sie hätten
       dabei auch mehrere kleine Feuer gelegt. Weiter hieß es, die führenden
       Aufständischen seien offenbar keine Asylsuchenden, sondern Personen, deren
       Visa annulliert worden seien.
       
       ## „Sie haben Löcher in die Wände geschlagen“
       
       Der neuseeländische Abgeordnete Kelvin Davis, der die Weihnachtsinsel vor
       kurzem besucht hatte, sagte, ein in dem Lager einsitzender Neuseeländer
       habe ihm berichtet, dass Asylsuchende das Zentrum übernommen hätten und die
       Wachmänner zurückgewichen seien.
       
       „Sie haben Löcher in die Wände geschlagen, so dass sie nicht wirklich
       eingesperrt werden können, wenn sie umzingelt und zurück in ihre Zellen
       gesteckt werden“, sagte Davis dem Sender ABC.
       
       Australien hat in den vergangenen Jahren eine harte Einwanderungspolitik
       verfolgt. Asylsuchende, die aus Indonesien mit Hilfe von Schmugglern
       illegal an den Küsten ankommen, werden auf der Weihnachtsinsel und in
       anderen abgelegenen Lagern in Nauru und Papua-Neuguinea inhaftiert. Selbst
       bei Anerkennung als Flüchtling sollen sie nur dort – nicht aber in
       Australien – ein Aufenthaltsrecht erhalten.
       
       9 Nov 2015
       
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