# taz.de -- Gipfeltreffen in der Türkei: G-20-Staaten suchen Lösung für Syrien
       
       > In Antalya wird Putin zum umworbenen Mann. Die Staatschefs haben sich auf
       > engere Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung geeinigt.
       
 (IMG) Bild: Beim G-20-Gipfel in Belek bei Antalya kommt es zu mehreren multilateralen Gesprächsrunden
       
       ISTANBUL taz | Beim letzten G-20-Gipfel im australischen Brisbane war
       Russlands Präsident wegen der Annexion der Krim noch ein Paria der Runde.
       Am Montag im türkischen Antalya wollte jeder Gipfelgast mit ihm sprechen.
       Gleich am Sonntag setzten sich ungeplant US-Präsident Barak Obama und der
       russische Staatschef eine gute halbe Stunde zusammen, um sich über eine
       mögliche politische Lösung in Syrien auszutauschen.
       
       Am Samstag hatte die Syrien-Konferenz in Wien unter Teilnahme Russlands
       bereits so etwas wie einen Fahrplan zum Frieden entwickelt. Jetzt in
       Antalya wollte Obama wohl konkreter wissen, wie weit Putins Solidarität mit
       dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad noch geht.
       
       Kaum war am Sonntagabend das offizielle Abendessen beendet, in dessen
       Verlauf dann auch die „starken Beschlüsse“ gegen den Terrorismus im
       Allgemeinen und gegen den IS im Besonderen besprochen wurden, traf sich
       Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Putin, um das Gespräch über mögliche
       politische Lösungen in Syrien fortzusetzen.
       
       Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Putin trafen sich zum
       selben Thema. Der türkische Außenminister Feridun Sinirlioglu, der bei den
       Gesprächen in Wien anwesend war, sagte anschließend in Antalya, man habe
       sich auf das Ziel einer Übergangsregierung ohne Assad geeinigt. Jetzt ginge
       es um die Konkretisierung der Zeitpläne.
       
       ## Hoffnung für die Diplomatie
       
       Gerade nach den Terrorangriffen in Paris war allen Beteiligten in Antalya
       noch einmal deutlich vor Augen geführt worden, dass eine politische Lösung
       zur Beendigung des Krieges in Syrien das dringlichste Thema der Weltpolitik
       ist. Zwar verschärften Frankreich und die USA als Reaktion auf Paris ihre
       Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien, doch allen Beteiligten in Antalya
       schien klar zu sein, dass der syrische Bürgerkrieg zuerst gelöst werden
       muss, bevor der IS tatsächlich wirksam bekämpft werden kann. US-Präsident
       Obama sagte in seiner Abschlussrede in Antalya, es gebe Hoffnungen im
       diplomatischen Prozess. Den Einsatz von Bodentruppen schloss Obama weiter
       aus.
       
       Zur Bekämpfung des IS wollen alle G-20-Teilnehmer den Austausch von
       Geheimdienstinformationen intensivieren und die Geldflüsse des IS
       abschneiden. Ob Obama bei seinem Treffen mit Erdogan diesen noch einmal
       darauf hingewiesen hat, dass der IS das Öl, das die Terrororganisation in
       den von ihm besetzten Gebieten in Syrien und Irak erbeutet, vor allem über
       die Türkei verkauft und Erdogan dies stoppen muss, wurde zunächst nicht
       bekannt.
       
       In ihrer Abschlusserklärung widmeten sich die G-20-Staatenlenker auch der
       Flüchtlingskrise, die ja zum Teil auch das Ergebnis des Syrienkrieges ist.
       Sie erkannten an, dass die hohe Zahl von Flüchtlingen weltweit ein globales
       Problem ist, dem man sich gemeinsam stellen muss. Für Europa geht es dabei
       konkret erst einmal darum, einen Weg zu finden, damit die Flüchtlinge aus
       Syrien, die in der Türkei, im Libanon und in Jordanien Zuflucht gefunden
       haben, nicht weiterhin in großer Zahl über Griechenland und den Balkan
       „illegal“ nach Europa reisen.
       
       ## Kontingente von Flüchtlingen
       
       Merkel schlug deshalb vor, aus illegaler Einwanderung eine legale zu machen
       und Kontingente von Flüchtlingen festzulegen, die nach Europa einreisen
       dürfen. Bislang sträuben sich die meisten EU-Staaten noch dagegen, doch
       solange die EU der Türkei nicht anbieten kann, eine begrenzte legale
       Einreise von Flüchtlingen zu ermöglichen, wird Ankara sich schwertun, die
       Reise der Flüchtlinge nach Griechenland zu unterbinden. Wie eine solche
       Lösung praktisch aussehen könnte, soll noch in dieser Woche bei einem
       Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Ankara
       diskutiert werden.
       
       Die ursprünglichen Themen des Gipfels wie Wirtschaftswachstum, das Stopfen
       von Steuerschlupflöchern, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und das
       Weltklima gerieten angesichts von Terror und Krieg in den Hintergrund. Zwar
       wurde eine Vereinbarung zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung vereinbart,
       aber schon für eine intensive Klimadebatte reichte die Zeit nicht mehr. Das
       soll nun bei der Klimakonferenz in Paris in zwei Wochen nachgeholt werden.
       
       16 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
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