# taz.de -- Bomben auf Krankenhaus in Kundus: Afghanen forderten Luftangriff an
       
       > Der US-Befehlshaber in Afghanistan ändert jetzt die offizielle Version
       > für den fatalen Luftangriff auf die Klinik von Ärzte ohne Grenzen.
       
 (IMG) Bild: Das zerstörte Krankenhaus in Kundus
       
       BERLIN taz | Nach der Bombardierung einer Klinik in Kundus Samstag früh
       versucht die US-Regierung, Schuldzuweisungen an ihre Adresse vorzubeugen.
       Am Montagabend erklärte US-General John F. Campbell in Washington, der
       US-Luftschlag sei von der afghanischen Seite angefordert worden.
       
       Campbell ist in Personalunion Befehlshaber der Nato-geführten Mission
       „Resolute Support“ (RS) und der davon teilweise unabhängig agierenden
       US-Truppen in Afghanistan. Die Zahl der Todesopfer des Angriffs stieg
       inzwischen auf 22, zehn Patienten und zwölf Mitarbeiter von Ärzte ohne
       Grenzen (MSF).
       
       Campbell sagte, der Angriff sei erfolgt, um eine Bedrohung afghanischer
       Truppen „durch Taliban zu eliminieren“. Er vermied zu sagen, welcher Ort
       genau angegriffen wurde.
       
       Provinzgouverneur Hamdullah Daneschi hatte behauptet, der Angriff sei „am
       Rand“ des Klinikgeländes mit einem großen Garten erfolgt, von wo aus
       Taliban-Kämpfer geschossen hätten.
       
       ## US-Befehlshaber spricht von „Versehen“
       
       Campbell zufolge sind die Zivilisten in der Klinik „versehentlich“ getötet
       worden. Auch gab er zu, dass sich seine Erläuterungen von der
       ursprünglichen Version unterschieden, wonach der Angriff erfolgt sei, um
       US-Truppen vor Ort zu schützen.
       
       Das hatte am Vortag Verteidigungsminister Ashton Carter vertreten. Campbell
       sagte nun, US-Truppen seien „in dem Gebiet“, um Afghanen „zu trainieren, zu
       beraten und zu unterstützen“. Sie seien „nicht direkt an den Kämpfen
       beteiligt“. Unklar ist, ob er mit „Gebiet“ Kundus allgemein oder die
       Umgebung der Klinik meinte.
       
       Laut MSF, der Betreiberorganisation der inzwischen geschlossenen Klinik,
       wurde nur das Hauptgebäude getroffen. Doch Kämpfer hätten sich auf dem
       gesamten, nachts abgeschlossenen Gelände nicht aufgehalten. MSF verlangt
       eine unabhängige Untersuchung und wird darin von der UNO unterstützt.
       
       ## Bisher keine unabhängige Untersuchung
       
       Bisher gibt es angeblich drei separate Untersuchungen: der US-Truppen, der
       Nato und der afghanischen Regierung. Doch alles sind Kriegsparteien. Doch
       dürfte der Zugang schwierig sein, denn die Klinik liegt in
       Taliban-kontrolliertem Gebiet.
       
       Größere Proteste gegen den Angriff auf die Klinik gab es in Afghanistan
       bisher nicht. Dabei waren alle Opfer Afghanen. Die Parlamentarierin Fauzia
       Kufi äußerte sogar Verständnis: Versteckten sich Aufständische an
       öffentlichen Orten unter Zivilisten, könne „so etwas passieren.“
       
       In Kundus wird noch weiter gekämpft. Afghanische Medien berichten von
       Taliban-Angriffen von Wohnhäusern und Motorrädern aus. Berichte der
       Regierung, Armee und Polizei kontrollierten wieder 90 Prozent der Stadt,
       sind stark übertrieben. Die Taliban erzielten seit Montag südlich des
       Zentrums Geländegewinne, unterbrachen eine weitere Ausfallstraße und drohen
       einen Keil zwischen die Regierungstruppen in der Stadt und am Flugplatz zu
       treiben. In vier Nachbarprovinzen nahmen sie weitere vier Distrikte ein.
       
       6 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Ruttig
       
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