# taz.de -- Protest gegen Pegida geplant: Dresden muss sich entscheiden
       
       > Pegida wird wieder größer. Kurz vor dem ersten Jahrestag der
       > fremdenfeindlichen Bewegung formiert sich in Dresden neuer Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Ende September organisierte „Dresden Nazifrei“ eine Soli-Demo für Flüchtlinge. Nun soll Pegida wieder direkt konfrontiert werden
       
       DRESDEN taz | Nach Monaten der Flaute verzeichnet Pegida zumindest in
       Dresden wieder steigende Teilnehmerzahlen bei den montäglichen
       „Abendspaziergängen“. Die Polizei veröffentlicht keine Zahlen mehr, aber
       eine [1][Studentengruppe namens „Durchgezählt“] erfasste am Montag etwa
       9.000 Demonstranten auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.
       
       Dabei verschärft sich der Ton gegenüber Flüchtlingen. In einem
       10-Punkte-Programm fordert Pegida einen sofortigen Aufnahmestopp und ein
       Asyl-Notstandsgesetz. Nach den Aufmärschen kommt es an verschiedenen
       Notunterkünften in der Stadt zu Mahnwachen und kleineren Rempeleien.
       
       Am Rande einer Pegida-Demonstration wurden jüngst Schüler angepöbelt, die
       aus einer Vorstellung eines Schultheaterfestivals kamen. In der Vorwoche
       wurden [2][zwei Journalisten angegriffen] und verletzt, woraufhin der MDR
       und der Deutsche Journalistenverband einen besseren Schutz verlangten. Die
       Landesregierung müsse diesem „Spuk“ endlich offensiv entgegentreten.
       
       Als prominentes Mitglied dieser Regierung wurde kürzlich der
       SPD-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister Martin Dulig Opfer des
       subtilen Terrors: Sein Abgeordnetenbüro wurde verwüstet. In Freital kommt
       es beinahe wöchentlich zu [3][Anschlägen auf das Büro der Linken] und deren
       [4][Stadtrat Michael Richter], der sich für das örtliche Asylbewerberheim
       eingesetzt.
       
       ## Rechte Menschenkette in Sebnitz
       
       Von den Pegida-Aufmärschen geht immer mehr solche gewalttätige
       Stimmungsmache aus. Der rechtsintellektuelle Verleger Götz Kubitschek
       forderte zu Blockaden von Plätzen und Grenzübergängen auf. An einer solchen
       von Tatjana Festerling, ehemals Pegida-Kandidatin für das Dresdner
       Oberbürgermeisteramt, organisierten symbolischen Grenzschließung
       beteiligten sich am Sonntag in Sebnitz etwa 3.000 Bürger.
       
       Die Demonstration von 5.000 Asylgegnern der Initiative „Wir sind
       Deutschland“ im vogtländischen Plauen hingegen distanzierte sich von
       Pegida. Auch in Leipzig bringt der Ableger „Legida“ regelmäßig nur wenige
       hundert Teilnehmer auf die Straße.
       
       In Dresden zeigte sich Pegida-Führer Lutz Bachmann unbeeindruckt von der
       gegen ihn erhobenen Anklage und sprach von einer „Schmutzkampagne“. Die
       Staatsanwaltschaft Dresden wirft ihm Volksverhetzung vor, weil er im
       September 2014 auf seiner Facebook-Seite Flüchtlinge als „Gelumpe“ und
       „Viehzeug“ bezeichnet hatte. Bachmann ist wegen krimineller Delikte bereits
       vorbestraft.
       
       Für den Jahrestag des ersten Pegida-Aufmarschs wird am 19. Oktober eine
       größere Demonstration in Dresden mit überregionaler Beteiligung erwartet.
       Reden soll dort ein weiteres Mal der Rechtsradikale Ignaz Bearth, der mit
       einer Schweizer Pegida unlängst scheiterte.
       
       ## Zivilgesellschaft gegen Pegida
       
       Gegen diesen Auflauf werden Proteste des Bündnisses Dresden Nazifrei und
       anderer Verteidiger der Menschenrechte vorbereitet. Bereits an diesem
       Montag gab es erstmals wieder eine kleine Gegendemonstration von rund 300
       Radfahrern. Die Initiative „Gepida“ steht für „Genervte Einwohner
       Protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter“ und protestierte mit
       einem „Klingelkonzert der Volksfahrräder“. Mit einiger Mühe konnte die
       Polizei die beiden Gruppen im Stadtzentrum trennen.
       
       Zum Pegida-Jahrestag organisieren Gegner nun größeren Protest. Das
       [5][Bündnis „Dresden Nazifrei“] kündigt für den 19. Oktober „Widerstand“
       gegen den Aufzug und eine noch unbekannte „Aktion“ an. „Alle
       zivilgesellschaftlichen Gruppen sind willkommen“, sagt Sprecher Silvio
       Lang. Im Anschluss will sich eine Strategiekonferenz des Bündnisses mit dem
       Dauerphänomen Pegida befassen.
       
       Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass anders als etwa in Leipzig eine
       Mobilisierung nur selten gelungen sei, so Lang. Die Dresdner Bevölkerung
       müsse sich bekennen, ob sie weiter „das Bild einer rechtsoffenen Stadt
       abgeben“ oder für eine Willkommensgesellschaft eintreten wolle.
       
       6 Oct 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://twitter.com/durchgezaehlt/status/651110005014437892
 (DIR) [2] /Angriffe-auf-Journalisten-bei-Pegida/!5236580
 (DIR) [3] /Anschlaege-in-Freital/!5234323
 (DIR) [4] /Anschlag-auf-Auto-von-Linkspolitiker/!5217861
 (DIR) [5] http://www.dresden-nazifrei.com/index.php/presse/719-pm0915
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Bartsch
       
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