# taz.de -- Burundis Ex-Armeechef getötet: Möglicherweise ein Racheakt
       
       > Der frühere Generalstabschef Jean Bikomagu wird vor seinem Haus in
       > Bujumbura erschossen. Der Mord ist möglicherweise ein Racheakt voller
       > Symbolik.
       
 (IMG) Bild: Seit der Präsidentenwahl kommt das Land nicht zur Ruhe (Archivbild vom 23. Juli 2015).
       
       BERLIN taz | Die Serie politischer Morde in Burundi setzt sich fort. Am
       Samstag wurde der ehemalige Generalstabschef, Oberst Jean Bikomagu, vor
       seinem Haus in der Hauptstadt Bujumbura erschossen. Zwei Männer auf einem
       Motorrad erwarteten ihn, als er gegen Mittag mit seiner Tochter von einer
       Kirche zurückkehrte, und eröffneten das Feuer, hieß es in lokalen
       Berichten. Der alte General war sofort tot, seine Tochter kam schwer
       verletzt in ein Krankenhaus.
       
       Bikomagu war früher lange Zeit Chef der burundischen Armee gewesen, als
       diese noch hauptsächlich aus Tutsi bestand und sich als natürliche
       Regierungselite Burundis sah. Er war ein Drahtzieher des Militärputsches
       von Oktober 1993 gegen Burundis ersten freigewählten Präsidenten Melchior
       Ndadaye, ein Hutu, dessen Ermordung damals den Bürgerkrieg lostrat, der in
       zehn Jahren über 300.000 Tote fordern sollte.
       
       Die Hutu-Rebellen gingen aus diesem Krieg als Sieger hervor und übernahmen
       2005 unter dem heutigen Präsidenten Pierre Nkurunziza die Macht im Rahmen
       eines Machtteilungsabkommens, das ihnen die Loyalität der Tutsi-Generäle
       sicherte. Aber diese Loyalität ist brüchig, seit Nkurunziza sich vor einem
       Monat zu einer verfassungswidrigen dritten Amtszeit wiederwählen ließ und
       Burundi damit in eine schwere politische Krise stürzte.
       
       Der Mord an Bikomagu wird in Burundi weithin als Rache für den Mord an
       Nkurunzizas rechter Hand Adolphe Nshimirimana gesehen, gefürchteter
       Ex-Geheimdienstchef und Organisator regierungstreuer Jugendmilizen, der vor
       zwei Wochen in Bujumbura erschossen wurde.Seine Jugendmilizen schwören seit
       dem Mord Rache und kamen auch am Sonntag wieder zu Tausenden zu einem
       Trauer- und Gebetsmarsch zusammen.
       
       Niemand behauptet, Bikomagu hätte Adolphe Nshimirimana töten lassen, aber
       er ist die passende Symbolfigur – im Bürgerkrieg der 1990er Jahre waren
       Bikomagu als Armeechef und Nshimirimana als Organisator des
       Hutu-Untergrunds in Bujumbura direkte Kontrahenten.
       
       So sind nun innerhalb kurzer Zeit zwei führende Figuren des burundischen
       Bürgerkrieges auf offener Straße in Bujumbura erschossen worden. In keinem
       Fall sind die Täter bekannt.
       
       Wenn die Regierung dafür verantwortlich ist, heißt das, dass die
       Staatsmacht eine Strategie des Terrors fährt. Wenn sie nicht verantwortlich
       ist, heißt das, dass sie die Hauptstadt Burundis nicht kontrolliert.
       
       16 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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