# taz.de -- Politische Krise in Burundi: Roter Teppich für Nkurunziza
       
       > Eine Woche früher als geplant wird der umstrittene Präsident für seine
       > dritte Amtszeit vereidigt. Die Opposition erkennt das nicht an.
       
 (IMG) Bild: Burundis Präsident Pierre Nkurunziza auf dem Weg zur Vereidigung.
       
       Kampala taz | Es war eine Überraschungsparty, die Burundis
       Präsidialverwaltung am Donnerstagvormittag veranstaltete. Eine Woche vor
       dem ursprünglich erklärten Termin am 26. August wurde vor dem
       Parlamentsgebäude der rote Teppich ausgerollt, Soldaten der
       Präsidentengarde stationiert. Pierre Nkurunziza hebt die rechte Hand zum
       Eid. Damit beginnt offiziell seine dritte Amtszeit. Er hatte die
       umstrittene Präsidentschaftswahl am 21. Juli mit 69 Prozent gewonnen.
       
       „Dies ist der Beweis, dass niemand der Sonne sagen kann, sie soll aufhören
       zu scheinen“, sagt er nach seinem Eid laut BBC. Dann wird ihm der höchste
       Orden des Landes umgehängt.
       
       Wochenlang hatten im April und Mai in den Stadtvierteln von Burundis
       Hauptstadt Bujumbura die Menschen gegen eine dritte Amtszeit protestiert.
       Laut Verfassung darf er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Doch das
       Verfassungsgericht hatte sein O. K. gegeben, er sei für seine erste
       Amtszeit „ernannt“ und nicht vom Volk gewählt worden.
       
       Die Opposition wollte dies nicht gelten lassen. Es kam am 13. Mai zu einem
       Putschversuch durch Teile der Armee. Der Putsch und die Massenproteste
       wurden niedergeschlagen. Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 100
       Toten seit Beginn der Proteste.
       
       ## Jede Nacht wird geschossen
       
       Scheinbar aus Rache wurde Anfang August Nkurunzizas „rechte Hand“,
       Exgeheimdienstchef Adolphe Nshimirimana von unbekannten Uniformierten
       getötet. Seitdem hallen jede Nacht Schüsse durch die Gassen.
       
       Allein in der Nacht vor der Amtsvereidigung wurden vier Tote in Bujumbura
       gemeldet, einer davon war ein Soldat. Seine Hände waren auf dem Rücken
       gefesselt, wie bei vielen Leichen, die bei Sonnenaufgang von Anwohnern auf
       der Straße gefunden werden. Wer die Morde begeht, ist nicht bekannt. Es
       herrscht eine Stimmung der Angst und des Schweigens.
       
       Doch immerhin, nach seinem Eid hält Nkurunziza eine Schweigeminute ab – für
       all jene, die gestorben seien. In den vergangenen Tagen waren zunehmend
       mehr Nkurunziza-treue Funktionäre und Militärs ermordet worden.
       
       Die Sitzplätze in dem kleinen Auditorium des Parlaments sind voll besetzt.
       Darunter ist jedoch kein einziger europäischer Botschafter, auch nicht die
       US-Botschafterin. Vertreter von Ägypten, Russland, China, Kenia und
       Südafrika sitzen in der ersten Reihe.
       
       ## Koalition gegen Nkurunziza
       
       Um Nkurunziza ist es einsam geworden. Die meisten westlichen Partnerländer
       haben ihre Hilfsgelder eingefroren oder leiten die direkte Budgethilfe
       jetzt an burundische und internationale Nichtregierungsorganisationen um.
       Dabei ist Burundis Staatshaushalt enorm von westlichen Geldern abhängig.
       
       Die meisten Oppositionsparteien sowie die Arusha-Protestbewegung haben
       erklärt, Nkurunziza nicht als Präsidenten anzuerkennen. In der äthiopischen
       Hauptstadt Addis Abeba haben sie eine Koalition gegründet, um sich gegen
       Nkurunziza zusammenzuschließen.
       
       Nur Oppositionsführer Agathon Rwasa gratuliert Nkurunziza. Er hatte bei den
       Präsidentenwahlen den zweiten Platz belegt und wurde zum Vize-Sprecher des
       Parlaments ernannt – ein mächtiger Posten. Er gilt als machtbesessener
       Stratege, der Nkurunzizas Nachfolger werden will.
       
       Jenseits der öffentlichen Feierlichkeiten ist Nkrunzizas Präsidentengarde
       in der Hauptstadt versucht für Sicherheit zu sorgen. Beobachter fürchten
       einen erneuten Bürgerkrieg. Auch die Afrikanische Union warnte jüngst vor
       eine Katastrophe.
       
       20 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
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