# taz.de -- Nahost-Gipfel: Israel will Fatah-Gefangene freilassen
       
       > Die Hamas hat angekündigte Freilassungen als "Manöver" zurückgewiesen.
       > Eine Bestätigung gab es indes für den neuen Nahost-Job Tony Blairs.
       
 (IMG) Bild: Planen wieder regeImäßige Treffen: Israels Regierungschef Olmert und Palästinenser-Präsident Abbas
       
       SCHARM EL SCHEICH taz/dpa Anderthalb Wochen nach der Machtübernahme der
       radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen haben der israelische
       Ministerpräsident Ehud Olmert, Jordaniens König Abdullah II. und der
       ägyptische Präsident Husni Mubarak Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
       demonstrativ den Rücken gestärkt. Bei einem israelisch-arabischen
       Vierer-Gipfel im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich kündigte Olmert am
       Montagabend die Freilassung von 250 zu Abbas Fatah-Organisation gehörenden
       Palästinensern aus israelischen Gefängnissen an. In Frage kämen aber nur
       Häftlinge, "an deren Händen kein Blut klebt". Konkrete Zusagen Olmerts im
       Hinblick auf Erleichterungen für das von Abbas kontrollierte Westjordanland
       bleiben jedoch aus.
       
       Einig waren sich die Gipfelteilnehmer in ihrer Ablehnung jeglicher
       Zugeständnisse an die Hamas. Olmert sprach sich auf einer gemeinsamen
       Pressekonferenz erneut für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Überwindung des
       israelisch-palästinensischen Konfliktes aus. "Wir wollen diese ehrlich,
       ernsthaft und mit Bestimmtheit erreichen", sagte er. Olmerts Kabinett hatte
       bereits am Vorabend beschlossen, Steuergelder für die Palästinenser, die
       nach dem Wahlsieg der Hamas vor eineinhalb Jahren eingefroren worden waren,
       teilweise wieder freizugeben.
       
       Konkrete Zusagen Olmerts zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses mit
       Abbas gab es bei dem Gipfeltreffen aber offenbar nicht. In einem
       Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte Olmert jedoch mit,
       dass er die Treffen im ursprünglich geplanten Intervall von zwei Wochen
       wieder aufnehmen möchte.
       
       Ein Hamas-Sprecher wies am Abend die Ankündigung Olmerts zur Freilassung
       palästinensischer Häftlinge als "politisches Manöver" zurück. Bei den in
       Frage kommenden Häftlingen handele es sich um Fatah-Mitglieder, die ohnehin
       nur zu kurzen Strafen verurteilt worden seien. "Dagegen hält die Hamas an
       ihrer Forderung nach Freilassung von palästinensischen Gefangenen aller
       Fraktionen fest; vor allem solcher, die schon lange Jahre in Gefangenschaft
       sind sowie Kinder, Frauen und Kranke", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri
       in Gaza.
       
       Fast zeitgleich mit dem Beginn des Gipfels war im Internet ein erstes
       Lebenszeichen des israelischen Soldaten Gilad Schalit aufgetaucht, den vor
       genau einem Jahr militante Palästinenser in den Gazastreifen verschleppt
       hatten. Auf einer Seite des militärischen Arms der Hamas-Bewegung war eine
       Mitteilung mit der Stimme Schalits zu hören, der die israelische Regierung
       dazu aufrief, die Bedingungen seiner Entführer zu erfüllen. "Ich bin seit
       einem Jahr im Gefängnis, und meine Gesundheit verschlechtert sich
       zusehends", sagte der entführte Soldat. Teil dieser Bedingungen sei eine
       substanzielle Freilassung von Palästinensern aus israelischen Gefängnissen.
       
       Inzwischen bestätigte sich, dass das Nahost-Quartett den scheidenden
       britischen Premierminister Tony Blair am Dienstag zu seinem Gesandten
       ernennen will. Vertreter des Quartetts, dem neben den USA die EU, Russland
       und die Vereinten Nationen angehören, hätten die Diskussionen diesbezüglich
       abgeschlossen, verlautete aus Kreisen der amerikanischen Regierung.
       Lediglich der Kreml habe Vorbehalte gegen Blair geäußert.
       
       Blair habe die Unterstützung der an Israel angrenzenden arabischen Staaten,
       hieß es weiter. Das Nahost-Quartett trifft sich am Dienstag in Jerusalem -
       zum ersten Mal, seit die Hamas die Kontrolle im Gazastreifen übernommen
       hat.
       
       26 Jun 2007
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nahost-Gesandter: Blair-Nominierung verärgert Berlin
       
       Außenminister Steinmeier ist über das Vorgehen bei der Aufstellung von Tony
       Blair als Nahost-Vermittler verstimmt. Blair habe zudem kaum Spielraum
       
 (DIR) Kommentar: Illusionen in Nahost
       
       De internationale Diplomatie läuft auf Hochtouren. Doch eine Einigung mit
       Abbas allein führt nicht weiter - ohne die Hamas wird es keinen Frieden
       geben.
       
 (DIR) Palästina: Hamas gegen Gipfel in Scharm al-Scheich
       
       Islamisten verurteilen Palästinenserpräsidenten. Erstes Lebenszeichen des
       entführten israelischen Soldaten Schalit
       
 (DIR) Friedensgespräche: Besorgte Nachbarn
       
       Jordanien, Israel, Ägypten: alle drei Staaten grenzen an Palästina an. In
       Scharm al-Scheich treffen sich nun die Staatschefs mit
       Palästinenserpräsident Abbas. Sie eint die Angst vor einem zunehmenden
       Einfluss der Hamas
       
 (DIR) Gaza: Geisel mit Sprengstoffgürtel gezeigt
       
       BBC-Reporter Johnston warnt in einer Videobotschaft seiner Entführer vor
       einer Befreiungsaktion. Der abgesetzte Premier Hanija verurteite die
       Entführung