# taz.de -- Kommentar: Illusionen in Nahost
       
       > De internationale Diplomatie läuft auf Hochtouren. Doch eine Einigung mit
       > Abbas allein führt nicht weiter - ohne die Hamas wird es keinen Frieden
       > geben.
       
       Israels Nachbarn treffen sich auf dem Nahostgipfel in Scharm al-Scheich,
       das Nahostquartett tritt in Jerusalem zusammen. Die internationale
       Diplomatie läuft wieder auf Hochtouren. Gerade eine Woche ist vergangen,
       seitdem die Hamas als Sieger aus der blutigen Schlacht im Gazastreifen
       hervorging, da gibt es wieder Hoffnung auf einen Frieden. Doch die Euphorie
       ist verfrüht. Möglich wurden die Initiativen, weil Palästinenserpräsident
       Mahmud Abbas, die Verfassung ignorierend, eine Notstandsregierung
       vereidigte und das Parlament außer Gefecht setzte. Demokratisch war das
       nicht.
       
       Nun sind Abbas und seine Leute erneut für den Frieden zuständig, wie zu
       Zeiten vor der letzten Parlamentswahl. Bald fließen wieder Gelder in die
       Autonomiebehörde, um von den Funktionären der Fatah gerecht unter sich
       aufgeteilt zu werden. Auch wenn es den Menschen im Westjordanland zunächst
       besser gehen mag, um ihre letzte Wahlentscheidung werden sie doch betrogen.
       
       Die Wahlen hatte die Hamas gewonnen. Die Vorstellung, ohne diese
       islamistische Bewegung einen Friedensprozess durchsetzen zu können, ist
       nicht nur illusorisch. Sie zeugt auch von einer Fortsetzung der Blindheit,
       mit der Abbas und die Fatah seit eineinhalb Jahren die eigene Niederlage
       nicht erkennen wollten. Ähnlich illusorisch ist die Hoffnung, dass die
       neuen Waffen, mit denen Israel die Fatah rüsten will, gegen die Hamas zum
       Einsatz kommen werden. Abbas hat sich von jeher schwer mit dem Kommando zum
       Angriff getan, vor allem gegen Volksgenossen.
       
       Die einzige Veränderung, die die nahöstlichen Friedensperspektiven wirklich
       erhellen könnte, müsste von der Hamas selbst ausgehen. Nach dem eineinhalb
       Jahre dauernden internationalen Boykott wollen die Islamisten noch
       hartnäckiger ihren Gottesstaat errichten. Trotz der wirtschaftlichen Not,
       die die politische Wende für die Palästinenser bedeutete, ist die Hamas
       heute nicht weniger populär als Anfang 2006. Solange die Islamisten nicht
       von der Zweistaatenlösung zu überzeugen sind, gibt es weder mit noch ohne
       Hamas Frieden im Nahen Osten.
       
       27 Jun 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Knaul
       
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