# taz.de -- Petition gegen Internetsperren: Blogosphäre gegen "Guttenzwerg"
> Über 70.000 unterzeichnen eine Onlinepetition gegen Internetsperrungen.
> Wirtschaftsminister zu Guttenberg macht das "betroffen" - und bringt so
> Netzaktivisten gegen sich auf.
(IMG) Bild: Zwei Sätze genügten, um den Zorn der Blogosphäre auf sich zu ziehen: Minister zu Guttenberg
Schäublone und Zensursula waren gestern. Die Netzgemeinde hat einen neuen
Lieblingsgegner: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Der
hatte sich am Freitag in der [1]["Tagesschau"] negativ über die
Unterzeichner einer äußerst erfolgreichen Internetpetition geäußert, die
sich gegen das Sperren von Internetseiten zur Bekämpfung von
Kinderpornografie wendet. "Es macht mich schon sehr betroffen, wenn
pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich
gegen die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten sträuben", sagte er.
"Das ist wirklich eines der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht."
Dabei betont der Text der Petition, dass der Kampf gegen Kinderpornografie
"absolut nicht in Frage" gestellt werden soll. Die 70.000 Unterzeichner
wandten sich vielmehr gegen die Art und Weise, wie Internetseiten gesperrt
und indiziert werden sollen. Man befürchte eine "Gefährdung des
Grundrechtes auf Informationsfreiheit", heißt es in der Petition. Und
weiter: "Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen
nachweisbaren Einfluss auf die körperliche und seelische Unversehrtheit
missbrauchter Kinder."
Darum schäumen die Netzaktivisten über Guttenbergs Äußerung. Sie fühlen
sich verleumdet und überschütten den Minister in zahllosen Blog- und
Twitter-Einträgen mit Häme und Ärger. Es mache ihn betroffen, wenn
Politiker sich nicht zu schade seien, tausenden Bürgern die Unterstützung
von Kindesmissbrauch zu unterstellen, ätzte [2][Spreeblick-Blogger Johnny
Haeusler]. Bei Twitter etablierte sich innerhalb von wenigen Tagen der
Spitzname [3]["Guttenzwerg"]. Andere entwerfen im Stil der "Stasi
2.0"-Schäublone ein Scherenschnitt-Konterfei zu Guttenbergs mit der
Unterzeile [4]["ahnungslos, aber betroffen"].
Mit der Onlinepetition hat die sonst so diffuse deutsche Netzgemeinde es
geschafft, über Twitter, Blogs und soziale Netzwerke innerhalb von vier
Tagen die nötigen 50.000 Mitunterzeichner für ein gemeinsames Vorgehen
gegen das Gesetzesvorhaben von Familienministerin Ursula von der Leyen
(CDU) und zu Guttenberg zu mobilisieren. Ein großer Erfolg, der von der
Szene bejubelt wurde.
"Ich wollte, dass möglichst viele Leute verstehen, dass durch das Gesetz
Inhalte unkontrollierbar zensiert werden können", erklärte die Initiatorin
der Petition, die Berlinerin Franziska Heine (29). Die Angst vieler
Netzaktivisten ist, dass das Thema Kinderpornografie lediglich dazu benutzt
wird, ein Gesetz über Indexlisten und Netzsperren einzuführen, die nicht
kontrolliert werden können und die auf andere Bereichen ausgeweitet werden
können - so wie es eine Reihe von Politikern auch reflexartig gefordert
hatte.
Die Äußerung zu Guttenbergs zeigt, dass die Regierung kein offenes Ohr für
ihre Argumente hat. Und stärkt das Klischee vom "Internetausdrucker" -
Politiker, die über Netzpolitik entscheiden, aber kaum Ahnung davon haben.
Gerade im Wahlkampfjahr kein gutes Signal. Denn hier frustriert die
Koalition gerade die Leute, die man derzeit über einen Web 2.0-affinen
Wahlkampf à la Obama verzweifelt zu begeistern versucht. Ohne auch nur
annähernd dessen Glaubwürdigkeit zu erreichen.
12 May 2009
## LINKS
(DIR) [1] http://netzpolitik.org/2009/online-petition-in-der-tagesschau/
(DIR) [2] http://www.spreeblick.com/2009/05/08/herr-zu-guttenberg-ist-betroffen/
(DIR) [3] http://search.twitter.com/search?q=%23guttenzwerg
(DIR) [4] http://www.smichel.org/blog/2009/05/08/es-macht-mich-schon-sehr-betroffen/
## AUTOREN
(DIR) Meike Laaff
## TAGS
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