# taz.de -- Aus fürs Bombodrom: Die Heide setzt auf Aufschwung
> Nach Jungs Entscheidung gegen den Luft-Boden-Schießplatz in Brandenburg
> rechnet die lokale Wirtschaft mit einem Investitionsschub.
(IMG) Bild: Keine Flieger, dafür Kohle? Demo auf der Kyritz-Ruppiner Heide 2007.
BERLIN taz | Nach dem endgültigen Aus für den geplanten Truppenübungsplatz
"Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide
(Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern) hofft die Region auf wirtschaftlichen
Aufschwung. Zwar hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bei der
Verkündung der Entscheidung noch davon gesprochen, dass nun "Investitionen
und Infrastrukturmaßnahmen" nicht durchgeführt würden. Doch davon lassen
sich die Anwohner nicht beeindrucken.
"Mir ist nicht bekannt, dass irgendwelche Investitionen geplant waren,
außer dem Bau einer Kaserne in Wittstock. Und selbst dazu gab es nie einen
richtigen Beschluss", sagt Jens-Peter Golde, Bürgermeister von Neuruppin
und Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Pro Heide. Auch der Sprecher des
Landkreises Ostprignitz-Ruppin, in dem das Gebiet des geplanten
Truppenübungplatzes liegt, weiß abgesehen von der Kaserne für 800 Soldaten
nichts von geplanten Investitionen.
300 Arbeitsplätze wollte die Bundeswehr nach Angabe der Bürgerinitiativen
dadurch schaffen. Doch Golde bleibt skeptisch: "So eine Bundeswehrkaserne
hat ein Catering drin, da geht auch keiner abends draußen ein Bier
trinken." Im Gegenteil: Auf Grundlage einer Studie der Industrie- und
Handelskammer (IHK) Potsdam, die für den Fall der Inbetriebnahme des
Bombodroms Umsatzverluste in der regionalen Tourismusbranche in Höhe von 5
bis 10 Prozent annahm, befürchteten die Gegner den Abbau von rund 15.000
Arbeitsplätzen,weil derartige Verluste in vielen Fällen direkt zur
Insolvenz geführt hätten.
Detlef Gottschling, Sprecher der IHK Potsdam, stützt die These, dass die
Entscheidung gegen das Bombodrom die Region nun wirtschaftlich stärken
werde: "Die unklare Situation hat dazu geführt, dass nie jemand richtig in
die Investitionskasse gegriffen hat", erklärt er. Immer wieder hätten
Unternehmen angekündigt, investieren zu wollen - wenn denn feststünde, dass
der Luft-Boden-Schießplatz nicht käme. Die IHK-Studie sieht ein
zusätzliches Umsatzpotenzial der Tourismusbranche in der Region von 50
Millionen Euro pro Jahr.
Dennoch könnte die Bundeswehr zumindest kurzfristig Arbeitsplätze schaffen.
"Das Gelände soll noch in diesem Jahr an die Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben übergeben werden", weiß Golde. Damit bleibe der Bund für
die Dekontaminierung verantwortlich. Die brandenburgische Linksfraktion
forderte die Bundesregierung daher auf, für Munitionsbeseitigung
vorgesehene Mittel in Höhe von 210 Millionen Euro freizugeben. Das
Verteidigungsministerium war jedoch nicht für eine Stellungnahme zu
erreichen.
10 Jul 2009
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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