# taz.de -- Griechische Finanzkrise: In der Zwickmühle
       
       > Die Regierung in Athen bemüht sich, die Staatsfinanzen in den Griff zu
       > bekommen. Und würgt mit ihrem rigiden Sparkurs gleichzeitig die
       > Konjunktur im Land ab.
       
 (IMG) Bild: Die These "Konsolidierter Haushalt dank Wachstum" trifft auf Griechenland nicht mehr zu.
       
       ATHEN/BERLIN rtr/taz | Um vergleichsweise moderate zwei Prozent ist die
       Wirtschaftsleistung in Griechenland 2009 geschrumpft. Aber während die
       Konjunktur nun beinahe überall wieder anzieht, ist in dem Mittelmeerland
       von Aufschwung keine Rede. Der Einkaufsmanagerindex, der als ein wichtiger
       Frühindikator gilt, fiel im Februar auf den tiefsten Stand seit zehn
       Monaten. "Der Abschwung in Griechenland hat sich besorgniserregend
       beschleunigt", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt des Markit-Instituts,
       das den Index monatlich ermittelt.
       
       Damit wird es für Athen immer schwieriger, das Land aus der Schuldenfalle
       zu manövrieren. "Der schmerzloseste Weg der Haushaltskonsolidierung - mehr
       Einnahmen durch Wachstum - fällt weg", sagte Andreas Scheuerle, Analyst bei
       der DekaBank. Stattdessen sei der Staat gezwungen, Ausgaben zu kürzen und
       Steuern zu erhöhen, um die Forderungen der Euro-Gruppe zu erfüllen und die
       Verschuldung zu senken. "Beides kostet Wachstum."
       
       Als Grund für die anhaltende Schwäche gilt die mangelnde
       Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen. In Deutschland haben
       niedrige Tarifabschlüsse und die immer geringere Tarifbindung die
       Lohnstückkosten in den letzten 20 Jahren um 13,5 Prozent gedrückt. In
       Griechenland dagegen stiegen sie um 15 Prozent. Um bei den Lohnstückkosten
       auf das deutsche Niveau zu kommen, müssten die Griechen die Löhne nun um 25
       Prozent reduzieren.
       
       Der Blick in andere Länder zeigt allerdings, dass nicht Griechenland der
       Ausreißer ist - auch Portugal, Spanien und Italien verzeichnen ähnlich hohe
       Lohnstückkosten -, sondern Deutschland. Dieses hat damit nach Ansicht
       vieler Ökonomen zumindest eine Mitschuld an der Misere.
       Unctad-Chefvolkswirt Heiner Flassbeck plädiert dafür, diese
       Ungleichgewichte in der Eurozone zu bekämpfen. Eurogruppen-Chef Jean-Claude
       Juncker will die "Wettbewerbsdivergenzen" nun beim nächsten Treffen im März
       auf die Agenda setzen.
       
       EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn, der am Montag nach Athen reiste,
       forderte Griechenland dagegen zu weiterem Sparen auf. Es sei wichtig, die
       Defizitziele zu respektieren, die die EU als Obergrenze vorgebe.
       
       2 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) 
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Finanzkrise in Griechenland: Sparprogramm im "Kriegszustand"
       
       Griechenland ist gelähmt: Ministerpräsident Giorgos Papandreou will der
       Finanzkrise mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen bekommen.
       
 (DIR) Griechenland braucht Garantien: Erinnerung an deutsche Schulden
       
       Athen ist unter Druck. Bis Anfang Mai muss die Regierung neue
       Staatsanleihen von 22 Milliarden Euro platzieren. Gleichzeitig hat ein
       Focus-Titelblatt einen heftigen Streit entfacht.
       
 (DIR) Debatte Neoliberalismus: Griechenland als Menetekel
       
       Die gegenwärtige Wirtschaftskrise wird sich noch vertiefen. Dagegen hilft
       nur eine gemeinsame Anstrengung: ein "New Deal" für Europa
       
 (DIR) Debatte Zorn auf die Griechen: Der verkannte Hellene
       
       Ganz Europa ist über die Griechen erzürnt und übersieht darüber: Niemand
       leidet mehr unter dem maroden Staatsapparat als diese selbst.