# taz.de -- Kommentar Guantanamo-Häftlinge: Späte Geste aus Berlin
       
       > Schon seit Jahren wird über einen deutschen Beitrag zur Auflösung des
       > Lagers diskutiert. Kaum zu glauben, welch quälend langwierige Debatte
       > über eine Handvoll Menschen geführt wird.
       
       Die Bundesregierung erwägt, endlich Guantánamo-Häftlinge nach Deutschland
       zu holen. Ist das schon eine gute Nachricht? Die Vorbereitungen dafür
       klingen schon einigermaßen konkret. Doch freuen darf man sich erst, wenn
       Deutschland tatsächlich die Aufnahme einiger vermutlich unschuldig
       inhaftierter Gefangener beschlossen hat.
       
       So oder so kommt die Geste viel zu spät. Schon seit Jahren wird über einen
       deutschen Beitrag zur Auflösung des Lagers diskutiert. Kaum zu glauben,
       welch quälend langwierige Debatte über die Aufnahme von nur einer Handvoll
       Menschen hier geführt wird. Groß war Deutschland bisher nur beim Finden
       neuer Ausflüchte.
       
       Zwar ist es legitim, sich vor einer Aufnahme von Gefangenen über mögliche
       Risiken Gedanken zu machen. Doch nicht jeder, der Kontakte zu Islamisten
       hatte und in Afghanistan festgenommen wurde, ist ein potenzieller
       Terrorist. Wer so denkt, bewegt sich letztlich nur in der unseligen Logik
       von Guantánamo.
       
       Natürlich sind für die Aufnahme solcher Häftlinge vor allem die USA und die
       jeweiligen Heimatländer zuständig. Aber der US-Kongress ist noch
       mehrheitlich in der Autosuggestion gefangen, dass Guantánamo-Gefangene in
       den USA nichts zu suchen hätten. Und despotische Herkunftsländer wie Syrien
       und Tunesien sind für Ex-Guantánamo-Häftlinge höchstwahrscheinlich auch
       kein allzu sicherer Ort. Deshalb kann Barack Obama das Lager nicht ohne
       europäische Hilfe auflösen.
       
       Wenigstens ist nicht mehr die Rede davon, dass diese Guantánamo-Insassen
       einen "Bezug zu Deutschland" haben müssen. Einen Schiffbrüchigen würde man
       schließlich auch nicht nach seinem Bezug zu Deutschland fragen - sondern
       ihn einfach retten.
       
       28 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rath
       
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