# taz.de -- Atomgipfel in Washington: Risiko der nuklearen Attacken
       
       > US-Präsident Obama sieht den Gipfel als Erfolg an, obwohl die Runde aus
       > 47 Staaten nichts Verbindliches vereinbart hat. Nebenabkommen sollen den
       > Atomschmuggel eindämmen.
       
 (IMG) Bild: Auf der abschließende Pressekonferenz durften nur dem US-Präsidenten Obama bekannte Journalisten Fragen stellen
       
       WASHINGTON taz | Die Gefahr von "Konfrontationen zwischen den Nationen" sei
       heute zwar geringer als während des Kalten Krieges, erklärte Barack Obama
       abschließend auf dem Atom-Gipfel, doch steige das Risiko "nuklearer
       Attacken". Knapp zwei Tage analysierte der US-Präsident mit Teilnehmern aus
       47 Staaten in einem - natürlich weiträumig abgeschirmten - Kongresszentrum
       Washingtons aktuelle Bedrohungsszenarien.
       
       Der Atom-Gipfel war auch ohne den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin
       Netanjahu hochkarätig besetzt. Der Einladung Obamas folgten der russische,
       chinesische und der französische Präsident sowie weitere Staats- und
       Regierungschefs, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, um über eine
       verbesserte nukleare Sicherheit und der Vorbeugung terroristischer Gefahren
       zu diskutieren.
       
       Obama nennt den Gipfel einen "extrem produktiven" Tag und erklärt, die Welt
       sei sicherer geworden. Im Ergebnis wurde ein gemeinsames Kommuniqué und ein
       Arbeitsplan verabschiedet. Zudem will man sich 2012 in Süd-Korea wieder an
       einen Tisch setzen.
       
       Mittelpunkt des Atom-Gipfels waren der weltweite Vorrat an hoch
       angereichertem Uran (rund 1.500 Tonnen) und Plutonium (rund 600 Kilogramm)
       mit dem die Erde mehrfach gesprengt werden könnte. Dieses Rohmaterial für
       Atombomben soll künftig besser gegen Diebstahl und illegalen Handel
       gesichert werden. Es gehe darum zu verhindern, so Obama, dass dieses
       Material in terroristische Hände falle. Nach den Erkenntnissen der
       Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEO) interessiere sich besonders die
       Terrorgruppe Al Kaida dafür. In den kommenden Jahren wollen die Teilnehmer
       des Gipfels deshalb zumindest versuchen, dieses Uran und Plutonium zu
       erfassen und zu sichern.
       
       "Die Teilnehmer bemühen sich, die nukleare Sicherheit zu stärken und die
       Bedrohung des nuklearen Terrorismus zu verringern", heißt es im
       Abschlusstext. Freilich handelt es sich dabei nur um ein freiwilliges
       Engagement. Ohne verbindliche Mechanismen und Kontrollen. Deshalb konnten
       am Verhandlungstisch in Washington auch alle 47 Staaten dem Text zustimmen.
       Doch wird im Konfliktfall die vereinbarte Transparenz schnell an ihre
       Grenzen stoßen. Zum Beispiel zwischen den beiden rivalisierenden
       Atommächten Indien und Pakistan oder zwischen Israel, das als einziger der
       neun Atombombenstaaten ein Geheimnis aus seinem Bombenbesitzt macht, und
       seinen arabischen Nachbarn.
       
       In Washington haben auch zahlreiche kleine Abkommen die große Verhandlung
       begleitet. Mehrere Länder – darunter die Ukraine, Mexiko, Kanada -
       kündigten an, dass sie hoch angereichertes Uran an die USA abgeben wollen.
       Chile hat einen solchen Schritt schon zuvor getan. Ihre Begründung: In den
       USA sei das hochradioaktive Material besser bewacht und könne besser
       entsorgt werden. Zudem unterzeichneten die Außenminister der beiden größten
       Atommächte, der USA und Rußland, ein seit Jahren vorbereitetes Abkommen
       über 34 Tonnen Plutonium, dass unschädlich gemacht und für die
       Energieerzeugung genutzt werden soll. Das zu gleichen Teilen auf beide
       Länder verteilte Plutonium bietet genügend Rohstoff für die Herstellung von
       17.000 Atombomben.
       
       Weitere konkrete Gipfelergebnisse sind Abkommen mit mehreren Ländern,
       darunter auch Argentinien, die mit Radioaktivitäts-Kontrollen in Häfen und
       Flughäfen den Atomschmuggel verhindern wollen. Deutschland und Japan
       erinnerten daran, dass sie ihre finanziellen Beiträge zur IAEO aufgestockt
       haben. Und der französische Präsident Nicolas Sarkozy schlug vor, ein
       zusätzliches internationales Gericht zu gründen, das sich ausschließlich
       mit der Weitergabe von Strahlenmaterial an Terroristen befasst. Seine
       eigenen Atom-Bomben will Frankreich aber behalten: "Das ist die
       Sicherheitsgarantie meines Landes", so Sarkozy.
       
       In Stil und Form war der Gipfel ein typischer Obama-Gipfel. Stringent
       durchorganisiert und bestens vorbereitet. Jedes Teilnehmerland war
       aufgefordert, eigene Vorschläge mitzubringen und um Nachtverhandlungen zu
       vermeiden, hatten Obamas Fachleute sowie die Experten der Teilnehmerländer
       sämtliche Details der Abschlusspapiere schon vor Beginn der Konferenz
       geklärt. Dramen, wie zuletzt beim Klimagipfel in Kopenhagen, fielen so in
       Washington aus.
       
       Obama ist es gelungen, zahlreiche divergierende Interessen und verfeindete
       Nachbarn an einen Tisch zu bringen. Ihm gelang es auch, den Eindruck zu
       erzeugen, der Anti-Amerikanismus sei einer neuen und gemeinsamen
       Bedrohungsanalyse gewichen. Die Außendarstellung des Gipfelerfolges hat
       Obama auch fast allein gemacht. Bei seiner Abschlußpressekonferenz sitzen
       hunderte Journalisten aus aller Welt vor Obama. Doch er lässt nur ihm
       namentlich bekannte Journalisten, die für große angelsächsische Medien
       arbeiten, zu Wort kommen.
       
       Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nach dem Gipfel weiter nach Kalifornien
       gereist ist, spricht vorsichtig von einer "sehr erfolgreichen ersten
       Veranstaltung auf einem sicherlich sehr langen Weg". Eine erste
       Zwischenbilanz werden die Unterhändler ziehen. Sie treffen sich im
       kommenden Dezember.
       
       14 Apr 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dorothea Hahn
       
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