# taz.de -- Ex-CIA-Agent Mowatt-Larssen: "Terroristen kommen an Atombomben"
> Die Deutschen irren sich, wenn sie meinen, al-Qaida käme nicht an
> Atombomben, glaubt Ex-CIA-Agent Rolf Mowatt-Larssen. Das größte Risiko
> befände sich in den USA und in Russland.
(IMG) Bild: "Wenn Terroristen eine Stadt angreifen ist das jedermanns Angelegenheit."
taz: Herr Mowatt-Larssen, wo sehen Sie Gefahren für die nukleare
Sicherheit?
Rolf Mowatt-Larssen: In jedem Land, das das Material hat. Natürlich in den
neun Ländern mit Atomwaffen.
Wo ist das Risiko am größten?
Das größte Risiko befindet sich dort, wo 95 Prozent dieses Materials sind:
in den USA und Russland. Aber auch Pakistan und Indien sowie Israel sind
sehr riskant. Darüber hinaus gibt es Länder wie Frankreich und Belgien,
Deutschland und Japan, die Material aus der Energiegewinnung haben, das für
Terroristen nützlich sein könnte. Und Länder können auch als Schwarzmarkt
eine Rolle spielen.
Minister Schäuble sagt al-Qaida kann keine Atombombe bauen. Was antworten
Sie?
Herr Schäuble irrt. Eine terroristische Gruppe kann das Material nicht
selbst herstellen. Aber sie kann es stehlen oder kaufen: Bei
Forschungsreaktoren, bei Atomkraftwerken oder bei
Nuklearwaffeneinrichtungen.
Dennoch sehen vor allem die USA ein Problem.
Wir befinden uns in einer vernetzten Welt. Und dieser Gipfel ist eine
Gelegenheit, jenseits von Aufbauscherei und Angst darüber zu sprechen. Wenn
irgendwo eine Atombombe explodiert, werden die Leute in der betroffenen
Gegend sterben. Aber es hätte überall Auswirkungen.
Was erwarten Sie von der deutschen Regierung?
Dass sie sich nicht länger darauf beschränkt, von der Gefahr einer
schmutzigen Bombe zu reden. Es gibt auch eine nukleare Drohung. Deutschland
kann eine größere Rolle in globalen Sicherheitsfragen spielen. Bei der
Verhinderung von nuklearem Terrorismus und Cyberattacken zum Beispiel. Im
Augenblick reden wir über den militanten Islam. Aber das kann sich ändern.
Gibt es bestimmte Weltgegenden, in denen Deutschland Initiativen ergreifen
sollte?
Die wichtigsten Länder sind der Iran, wo Deutschland eine wichtige Rolle
spielt, und Nordkorea. Diese beiden Länder können die Situation weiter
destabilisieren. Und natürlich der Mittlere Osten - Afghanistan, Irak und
Pakistan. Diese Region - insbesondere Pakistan - ist beunruhigend wegen der
Gefahr, dass Material in die Hände von Terroristen fällt.
War es sinnvoll, den Iran und Nordkorea nicht einzuladen?
Iran und Nordkorea fordern die Welt heraus. Sie entwickeln Atomwaffen und
sind repressive Regime.
Ist die Absage von Netanjahu ein Problem für den Gipfel?
Es ist sehr schade. Aber der Gipfel sollte nicht für Bühnenreden gegen
bestimmte Länder benutzt werden. Sein Ziel ist es, Terroristen daran zu
hindern, Nuklearwaffen zu bekommen. Nicht: einzelne Länder herauszuheben.
Warum ist es schwierig zu sagen, dass Israel Atombomben hat?
Anders als die übrigen acht Atomwaffenstaaten sagt Israel es nicht
öffentlich. Die Nachbarn sollen sich nicht bedroht fühlen. Aber es ist ein
schlecht gehütetes Geheimnis. Und natürlich entwickelt der Iran
Nuklearwaffen, weil Israel welche hat.
Sie wollen mit der Konferenz "Bewusstsein" für die Risiken erzeugen. Wäre
das allein ausreichend, um von einem "Erfolg" zu sprechen?
Nach 36-jähriger Tätigkeit für verschiedene Regierungen messe ich Erfolg
nicht mehr in Deklarationen. In dieser Frage können wir nicht aus Fehlern
lernen. Wenn Terroristen dem globalen System den Krieg erklären und eine
Stadt angreifen - Bombay oder Washington oder auch eine deutsche Stadt -
ist das jedermanns Angelegenheit. Wenn die Verantwortlichen diese Gefahr
als real empfinden und größere Mittel bereitstellen - dann war der Gipfel
ein Erfolg.
Ein Ziel ist, dass nukleares Material weggeschlossen wird.
Eines der praktischen Ziele ist es, dass alle Länder ihre nuklearen
Materialien absichern. Ich halte vier Jahre für zu ehrgeizig. Die IAEO ist
sehr wichtig. Wir müssen das Thema internationalisieren. Eines der Merkmale
der Obama-Administration ist ihr Multilateralismus. Die USA wollen nicht
diktieren. Sondern einen Anstoß geben.
12 Apr 2010
## AUTOREN
(DIR) Dorothea Hahn
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