# taz.de -- Protest gegen schwarz-gelbes Sparpaket: Böller sprengt Demo
       
       > Demonstranten zünden einen Sprengsatz, der zwei Polizisten schwer
       > verletzt. Voraussichtlich Dienstag können sie das Krankenhaus wieder
       > verlassen.
       
 (IMG) Bild: Die einen wollen es durchdrücken, die anderen wollen es streichen: Demonstration gegen das Sparpaket.
       
       BERLIN taz/dpa | Bei einer Demonstration gegen die Sparpolitik der
       Bundesregierung sind am Samstag zwei Polizisten von einem Sprengsatz
       getroffen worden. Nach Polizeiangaben wurden die Beamten schwer verletzt
       und mussten im Krankenhaus operiert werden. Das Landeskriminalamt habe die
       Ermittlungen wegen versuchten Totschlags aufgenommen.
       
       Zu der Demonstration hatte das Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise"
       aufgerufen. Die nach Angaben des Veranstalters 20.000 Teilnehmer
       demonstrierten ansonsten friedlich gegen soziale Kürzungen im Zusammenhang
       mit der Wirtschaftskrise und gegen den Kapitalismus. Redner aus
       Betriebsräten und Bündnissen kritisierten die Sparpläne der Bundesregierung
       und appellierten an die Macht der Straße: "Dieses Kürzungspaket ist auch
       ein Test dafür, wie weit sie noch gehen können", sagte Janek Niggemann vom
       Bündnis der Demo-Organisatoren. Auf Transparenten wurden unter anderem
       "anständig bezahlte Arbeitsplätze" gefordert, und es hieß: "Die Wirtschaft
       ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Wirtschaft."
       
       Nach Polizeiangaben wurden auf der Torstraße Polizisten aus einem Block
       vermummter Demonstranten heraus mit Flaschen und Steinen beworfen. Darüber
       hinaus habe ein Sprengsatz zwei Beamte so stark verletzt, dass sie im
       Krankenhaus sofort operiert werden mussten. Die Gewerkschaft der Polizei
       (GdP) berichtet von "mehrere Zentimeter breiten offenen Fleischwunden an
       den Beinen". In der Mitteilung bezeichnet die Gewerkschaft den Vorfall als
       "Mordversuch".
       
       Teilnehmer, die sich in der Zeit vor der Explosion in der Nähe aufgehalten
       hatten, berichteten, dass die Polizei zuvor an einer verhältnismäßig engen
       Stelle in der Torstraße versucht habe, sich zwischen Demonstranten und
       parkende Autos zu drängen, wodurch Teilnehmer gegen einen Bauzaun gedrückt
       worden seien. Das zeigt auch ein im Internet veröffentlichtes Foto eines
       Teilnehmers. Andere berichten, dass versucht worden sei, ein Transparent zu
       beschlagnahmen. Ein Sprecher der Polizei konnte dazu am Sonntag keine
       Stellung nehmen. Auch über die Art des Sprengkörpers gebe es noch keine
       Erkenntnisse. Laut GdP handelte es sich um einen "offenbar selbst
       hergestellten und mit noch unbekanntem Material gefüllten Sprengsatz". Drei
       Verdächtige wurden zunächst festgenommen, sind aber mittlerweile wieder auf
       freiem Fuß.
       
       Michael Prütz vom Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise" kritisierte:
       "Wer auch immer die Tat begangen hat, schadet dem Anliegen der Demo und des
       Bündnisses aufs heftigste." Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) sprach
       von einem "kriminellen Akt, der mit dem Grundrecht auf
       Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun hat", ein Sprecher der
       FDP-Fraktion von einem "feigen und hinterhältigen Anschlag". Sollte sich
       herausstellen, dass es sich tatsächlich um einen Sprengstoffanschlag
       gehandelt habe, sei das eine neue Form der Gewalt, die auch neue politische
       Reaktionen erfordere.
       
       Auch Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sieht den
       Vorfall kritisch: "Es gibt keinen Grund, mit Böllern oder Ähnlichem auf
       eine Demonstration zu gehen." In der nun folgenden Debatte gehe nicht nur
       das legitime Anliegen der Demonstranten unter, sondern auch das manchmal
       fragwürdige Verhalten von Polizisten, die Demonstrationen begleiten. "Jetzt
       sind automatisch die Polizisten die Opfer und der schwarze Block die Bösen.
       
       Auf der Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz ging die Polizei dann
       rigoros gegen Demonstranten vor. Nachdem zunächst einige Teilnehmer nicht
       auf den Platz gelassen wurden, stürmten Beamte durch die Menschenmenge und
       nahmen einzelne Demonstranten fest. Nach Angaben der Veranstalter wurden
       insgesamt sieben Teilnehmer verletzt.
       
       Die beiden verletzten Polizeibeamten können voraussichtlich an diesem
       Dienstag das Krankenhaus verlassen. Das teilte Polizeipräsident Dieter
       Glietsch am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit.
       
       14 Jun 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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