# taz.de -- Kommentar Berliner Demo-Knall: Politischer Brandbeschleuniger
> Politisch ging der Demo-Sprengsatz nach hinten los: Er gibt der Debatte
> um angeblich neue Stufen linker Gewalt neues Futter und funktioniert als
> politischer Brandbeschleuniger.
Rund 40.000 Menschen gingen am Wochenende in ganz Deutschland gegen die
Sparpläne der Regierung auf die Straße. Doch weil in Berlin auch ein
Sprengsatz explodierte, der zwei Polizisten schwer verletzte, kennen
interessierte Politiker und Medien nur noch ein Thema: die angebliche
Zunahme linksextremer Gewalt.
Sollte es tatsächlich eine selbst gebaute Splitterbombe gewesen sein, die
da am Samstag detonierte, dann ist diese Gewalt scharf zu verurteilen.
Vorsicht bei der Bewertung solcher Verlautbarungen ist aber angebracht, das
weiß man spätestens seit den G-8-Protesten von Heiligendamm: Damals warnte
die Polizei tagelang vor "Säureattacken" auf ihre Beamte, was sich später
als das Seifenblasenwasser der Clownsarmee herausstellte.
Diesmal sprechen viele Anzeichen dafür, dass der wie auch immer geartete
Sprengsatz - ob nun Böller oder Bombe - kein verspäteter Silvesterscherz
war. Und wer auch immer für diesen Demo-Knall gesorgt hat: Es war
unverantwortlich und dumm. Nicht nur, weil dabei Menschen gefährdet wurden.
Sondern auch, weil der dumpfe Knall vielen anderen die Stimme geraubt hat,
die Wichtiges zu sagen hatten. Politisch ging der Sprengsatz ohnehin nach
hinten los: Er gibt der - längst überhitzten - Debatte um angeblich neue
Stufen linker Gewalt neues Futter und funktioniert als politischer
Brandbeschleuniger.
Für Verschwörungstheoretiker ist die Sache klar - in ihren Augen kann nur
der Staat selbst ein Interesse daran haben, mit fingierten Aktionen eigene
Zwecke zu verfolgen. Andere sagen, man sollte nichts mit
Verschwörungsdenken erklären, was sich nicht auch mit Dummheit erklären
lässt. Vieles deutet darauf hin, dass die Sprengsatzattacke vom Wochenende
auf Letzteres zurückgeht.
14 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Martin Kaul
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