# taz.de -- Schwarz-Gelbes Sparpaket: Sparen im Alleingang
> Schwarz-Gelb will sein 80-Milliarden-Euro-Sparpaket trotz massiven
> Widerstands durchsetzen. Der Bundesrat müsse den meisten Teilen nicht
> zustimmen, meint die FDP.
(IMG) Bild: Die einen wollen es durchdrücken, die anderen wollen es streichen: Demonstration gegen das Sparpaket.
Die Bundesregierung will ihr Sparpaket auch ohne eigene Mehrheit im
Bundesrat durchsetzen. Das Gesetz, das den Großteil der geplanten
Einsparungen von insgesamt 80 Milliarden Euro bis zum Jahr 2014 anstoßen
soll, will die Koalition ohne Beteiligung der Länderkammer beschließen. Nur
ein kleinerer Teil der Sparmaßnahmen bedarf aus Sicht der Regierung der
Zustimmung des Bundesrats. Damit verschärft sich der Konflikt mit der
Opposition, die große Teile des Sparpakets als unsozial verurteilt.
"Auf alle Fälle wollen wir, auch wegen der Entwicklung in
Nordrhein-Westfalen, das Sparpaket aufteilen", erklärte der
parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Otto Fricke. Die
schwarz-gelbe Minderheitsregierung in Düsseldorf wird im Juli
voraussichtlich die Geschäfte an eine rot-grüne Minderheitsregierung
abgeben müssen. Dadurch verlören Union und FDP ihre Stimmenmehrheit im
Bundesrat. Beide halten derzeit 37 der 69 Stimmen. Ohne NRW wären es nur 31
Stimmen. Eine Blockade ihrer Sparbeschlüsse in der Länderkammer will die
Bundesregierung verhindern.
Die FDP erwägt sogar noch weitergehende Einsparungen. "Das Sparpaket ist
beschlossen", sagte Fricke. "Wir sollten allerdings darüber nachdenken, ob
wir noch mehr sparen können. Die Schuldenbremse verbietet ja nicht, die
Schulden schneller abzubauen." In der Debatte über das Elterngeld
unterstützte der FDP-Politiker die Forderung aus seiner Partei, den
Höchstbetrag von derzeit 1.800 Euro zu senken. "Dann wird für die Bürger
noch deutlicher: Diese Koalition spart auch bei den Stärkeren", sagte
Fricke.
Die seit 2009 im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse zwingt die
Bundesregierung, bis zum Jahr 2016 die Neuverschuldung des Bundes
schrittweise auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Das
entspricht etwa 9 Milliarden Euro. In diesem Jahr muss der Bund
voraussichtlich rund 65 Milliarden Euro neuer Schulden aufnehmen. Im
Haushalt veranschlagt sind bislang rund 80 Milliarden Euro.
Die Oppositionsparteien, Kirchen, Gewerkschaften und selbst
Wirtschaftsverbände kritisieren, die geplanten Einsparungen richteten sich
einseitig gegen sozial Schwache. Für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes
plädieren sogar FDP-Politiker wie der Fraktionsvorsitzende im
schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki.
Aus Sicht der Grünen ist die neue Taktik der Regierung unverantwortlich.
Der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion, Alexander Bonde, erklärte: Statt
sich einer ehrlichen Debatte um die soziale Schieflage und die
Luftbuchungen zu stellen, ducke sich die Koalition weg. "Mit der Aufteilung
des Sparpakets setzt die schwarz-gelbe Koalition ihre Haushaltstaktik vom
Tricksen, Tarnen, Täuschen weiter fort."
Der Wirtschaftsexperte der Linken-Fraktion, Michael Schlecht, hält die
massiven Einsparungen für grundsätzlich verfehlt. "Das Sparpaket ist nicht
nur ungerecht, es ist auch ökonomischer Unsinn. US-Präsident Barack Obama
hat China, Japan und Deutschland aufgefordert, nicht in die Krise zu
sparen." Hingegen drohe der Bund mit seiner "unsozialen Kürzungsorgie" die
Binnenkonjunktur "nun restlos abzuwürgen".
21 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Matthias Lohre
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