# taz.de -- Linken-Chef Klaus Ernst über Wahlziele: "Die Linkspartei wackelt nicht"
> Nur das entschlossene Nein zu Hartz IV, der Rente mit 67 und dem
> Afghanistankrieg garantiert den Erfolg der Linken, sagt Parteichef Klaus
> Ernst. Bewegungsunfähig sei seine Partei nicht.
(IMG) Bild: Klaus Ernst: "Wir zeigen eben klare Kante."
taz: Herr Ernst, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow sagen, dass die Führung
der Linkspartei blockiert ist. Stimmt das?
Klaus Ernst: Nein.
Das Argument lautet: Die Partei ist komplett quotiert: nach Strömungen,
Mann-Frau, Ost-West - und bewegungsunfähig.
Quatsch. Wir haben ein gemeinsames Strategiepapier erarbeitet, wir haben
einen erfolgreichen Programmkonvent hinter uns. Wir setzen vier
Schwerpunkte. Verteilungsgerechtigkeit, einen gerechten und effizienten
Sozialstaat, Demokratie und Frieden. Wir sind die einzige Partei, die nie
für Hartz IV, die Rente mit 67 und den Afghanistankrieg gestimmt hat.
Neu ist das aber nicht.
Wir bleiben bei unseren Kernthemen. Wir wackeln da nicht, nur weil
rechnerisch Koalitionen möglich wären. Damit haben wir Erfolg gehabt, so
machen wir weiter. Auch deswegen haben wir eine stabile Wählerschaft.
Nur 20 Prozent können sich überhaupt vorstellen, je Linkspartei zu wählen.
Wollen Sie das nicht ändern?
Vorsicht. Die Grünen haben diese guten Umfragewerte, weil sie nach allen
Seiten offen sind. Sie sind beliebig. Die Grünen haben bei Hartz IV, der
Rente mit 67 und dem Afghanistankrieg gewackelt wie ein Kuhschwanz. Wir
nicht.
Also bleibt die Linkspartei für das Gros unwählbar?
Dass sich 20 Prozent vorstellen können, eine Partei links von der SPD zu
wählen, ist doch beachtlich. Damit hätte 2005 niemand gerechnet. Wir zeigen
eben klare Kante. Wir sind für die Regulierung der Finanzmärkte, für mehr
Demokratie auch im Betrieb, für andere Eigentumsverhältnisse. Es gibt eben
Menschen, die noch Zeit brauchen, um sich damit anzufreunden.
Reicht es, den Kurs bloß beizubehalten?
Wir sind in 13 Landtagen, wir haben 6.000 Kommunalpolitiker. Die
Linkspartei ist ein Erfolgsmodell.
Im Westen ist die Partei instabil. In Baden-Württemberg ist der Einzug in
den Landtag unsicher, in Rheinland-Pfalz, mit einem chaotischen
Landesverband, sowieso.
In Rheinland-Pfalz hat sich der Landesverband geeinigt. Der Landesverband
in Baden-Württemberg ist top aufgestellt. Auch bei Stuttgart 21 wird unsere
Stimme mittlerweile gehört.
2011 gibt es sieben Landtagswahlen. Welche ist wichtig?
Die sind alle wichtig.
Welche Ziele hat die Linke?
In Hamburg das Ergebnis halten, in Stuttgart und Mainz ins Parlament
kommen, in Sachen-Anhalt stärkste Partei werden.
In Bremen und Hannover sind Funktionäre zur SPD übergetreten, unter anderem
weil sie nicht mehr als Rechtsabweichler diffamiert werden wollen. Macht
Ihnen das Sorgen?
Es sorgt mich immer, wenn uns jemand verlässt. Das ist nicht schön, hält
sich aber in Grenzen. Solche Übertritte sind bei jungen Parteien normal.
Zeigt das nicht, dass es in der Partei zwei Konzepte gibt - hier ein linker
Pragmatismus, dort Opposition für immer?
Diesen Konflikt gibt es nicht. Niemand sagt: Wir bleiben prinzipiell in der
Opposition. Selbstverständlich wollen wir regieren.
Die rot-rot-grüne Regierung, die auch Sahra Wagenknecht will, möchte ich
sehen.
In der letzten Legislatur haben wir Kurt Beck angeboten, ihn zum Kanzler zu
wählen - wenn er einen Mindestlohn einführt, die Rente mit 65, Hartz IV
abschafft und die Bundeswehr aus Afghanistan abzieht. Das hat auch Sahra
Wagenknecht unterstützt. Das Angebot war ernst gemeint. Wir werden nicht,
nur um zu regieren, unsere Inhalte aufgeben.
Das Verhältnis zur SPD ist noch immer ziemlich verspannt. Was tun Sie, um
es zu verbessern?
Das Verhältnis wird sich erst verbessern, wenn die SPD ihre Vergangenheit
aufarbeitet.
Die Frage war, was die Linkspartei tut, um das Verhältnis zur SPD zu
entkrampfen.
Wir reden mit Sozialdemokraten. Und es gibt manche, die vieles genauso
sehen wie wir.
Die SPD hat unter Gabriel Teile der Agenda-Politik revidiert. Trotzdem
attackiert die Linkspartei die SPD. Warum?
Gabriel bezieht nur halbherzig Position. Und sogar das ist in der SPD
umstritten. Das Sagen haben noch immer die Hardliner.
7 Dec 2010
## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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