# taz.de -- Kritik an der Parteienfinanzierung: Spenden ohne Grenzen
       
       > Die deutsche Politik ignoriert die Kritik des Europarates an ihrer
       > Parteienfinanzierung. Am Freitag sollten die Parteien vorlegen, was
       > verbessert wurde. Doch da gibt es nichts.
       
 (IMG) Bild: Gehe über Los, ziehe 4.000 Mark ein, und keiner erfährt es. Der Europarat kritisiert die Transparenz bei der Parteienfinanzierung.
       
       BERLIN taz | Deutschland hält sich nicht an die Hinweise der Staatengruppe
       gegen Korruption (Greco) des Europarates. Die Gruppe, der Deutschland seit
       1999 angehört, will gemeinsam die Strukturen für Korruption ausmachen und
       bekämpfen. Greco hatte vor anderthalb Jahren in einem umfassenden
       [1][Bericht] diverse Defizite bei der Regelung für die Parteienfinanzierung
       kritisiert.
       
       Das betrifft unter anderem die Abgeordnetenspenden, die stark verzögerte
       Veröffentlichung von Spenden unter 50.000 Euro und die unzureichende
       Prüfung der Spenden. Eine gute Übersicht hat Lobbycontrol
       [2][zusammengestellt]. Am Freitag läuft die Frist ab, zu der Deutschland
       Fortschritte vorweisen sollte. Doch die Parteien haben es nicht geschafft,
       einen Bericht vorzulegen.
       
       Am Donnerstag stand das Thema erstmals auf der [3][Tagesordnung] des
       Innenausschusses - einen Tag vor Ablauf der Frist -, um dann nur wieder
       verschoben zu werden. "Es soll nun eine gemeinsame Stellungnahme aller
       Parteien geben - darum wurde das Thema verschoben", sagte Stefan Ruppert,
       der für die FDP im Innenausschuss sitzt, der taz. Warum es nicht viel
       früher thematisiert wurde, das lässt er offen.
       
       Ob und wann es einen Umsetzungsbericht geben wird, konnte Ruppert nicht
       sagen. Selbst wenn der vorliegt, dürften die Ergebnisse sehr dünn
       ausfallen. Denn das [4][Parteiengesetz], das die Spenden regelt, wurde seit
       2004 nicht angefasst. Doch das sollten die Parteien laut Greco dringend
       tun.
       
       Nachholbedarf sieht die Gruppe bei der Transparenz. Der Öffentlichkeit
       werde der Geldfluss an die Parteien erst viel zu spät transparent gemacht -
       anderthalb Jahre nach der Spende. Vor allem in Wahlkampfzeiten sei es aber
       notwendig, die Spenden offenzulegen. Technisch wäre das kein Problem.
       
       ## Niemand weiß, wieviele Spenden Abgeordnete erhalten
       
       Gefordert wurde auch, die Abgeordnetenspenden zu untersagen. Im Moment kann
       man an Abgeordnete direkt Spenden, bar und in beliebiger Höhe. Bleibt diese
       Spende unter 10.000 Euro, erfährt die Öffentlichkeit nichts davon. So ist
       völlig unklar, wieviel Geld auf diese Weise bei Abgeordneten ankommt. Die
       Bundestagsverwaltung machte auf Nachfrage gegenüber der taz keine Angaben
       dazu.
       
       Greco monierte zudem, auf welche Weise die Spenden geprüft werden. Im
       Moment kümmert sich nur ein Wirtschaftsprüfer pro Partei darum, der unter
       bestimmten Bedingungen sogar Parteimitglied sein kann. Er kontrolliert aber
       gerade einmal die Spenden aus zehn Ortsverbänden - doch allein die CDU hat
       tausendmal so viele [5][Ortsverbände]. Greco forderte, mindestens einen
       weiteren Kontrolleur einzusetzen.
       
       Michael Koß, der Leiter der Arbeitsgruppe Korruption bei [6][Transparency]
       Deutschland, kritisierte den Umgang mit der Parteienfinanzierung: "Seit dem
       Bericht wurden die Regelungen praktisch nicht weiterentwickelt. Trotz
       zahlreicher Empfehlungen scheint sich der Bundestag nicht veranlasst zu
       fühlen, Reformen einzuleiten", sagte der Politikwissenschaftler.
       
       ## Die Diskussion ist eingeschlafen
       
       Die letzte größere Diskussion um die Parteienfinanzierung ist schon über
       ein Jahr her. Die Parteien diskutierten damals die [7][Millionenspende] an
       die FDP von der Substantia AG. Grüne und Linkspartei brachten damals
       [8][mehrere] [9][Änderungsanträge] ein. Seitdem ist nichts passiert.
       
       Am Mittwoch wurden die alten Anträge erneut ins Spiel gebracht. Darin
       [10][fordern] die Grünen eine Deckelung der Parteispenden pro Jahr und
       Spender bei 100.000 Euro. Außerdem sollten Spenden von mehr als 25.000 Euro
       sofort veröffentlicht werden. Im Moment liegt die Grenze doppelt so hoch.
       Die [11][Linke will] Firmenspenden ganz verbieten. Im Gegensatz zu den
       Grünen bekommt sie keine Spenden von Unternehmen. Die anderen Parteien
       haben keine Anträge eingebracht.
       
       1 Jul 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/greco/evaluations/round3/GrecoEval3(2009)3_Germany_Two_DE.pdf
 (DIR) [2] http://lobbypedia.de/index.php/GRECO
 (DIR) [3] http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a04/tagesordnungen/TO_046__Sitzung_am_29__Juni_2011_-_Ergaenzung.pdf
 (DIR) [4] http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/pg_pdf.pdf
 (DIR) [5] http://www.cdu.de/partei/15_197.htm
 (DIR) [6] http://www.transparency.de/2011-06-29-GRECO-Bundestag-Par.1926.0.html
 (DIR) [7] /1/politik/deutschland/artikel/1/offensichtlich-kaeuflich/
 (DIR) [8] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/008/1700892.pdf
 (DIR) [9] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/011/1701169.pdf
 (DIR) [10] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/005/1700547.pdf
 (DIR) [11] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/006/1700651.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Rank
       
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       Eigentlich hätte die Bundesregierung am Freitag einen Bericht abgeben
       müssen. Darin festgehalten: Fortschritte über den Umgang mit Parteispenden.
       Eigentlich.
       
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