# taz.de -- Bestechungsaffäre in Uganda: Ein Schmierenstück der Extraklasse
       
       > Mit 100 Millionen Dollar soll eine britische Ölfirma drei Minister in
       > Uganda bestochen haben. Deren Kontoauszüge werden im Parlament
       > präsentiert. Und im TV.
       
 (IMG) Bild: Verliert aktuell wohl drei Favoriten auf seine Nachfolge: Ugandas Präsident Museveni, seit 26 Jahren im Amt.
       
       KAMPALA taz | Es war ein bisschen wie eine Schockstarre, in welcher die
       Ugander in den vergangenen Tagen in Straßencafés und Kneipen gebannt auf
       den Fernseher stierten. Was dort live vom staatlichen Fernsehsender
       übertragen wurde, war einfach ungeheuerlich: Ein junger unabhängiger
       Abgeordneter steht am Rednerpult des Parlaments und wedelt mit Dokumenten.
       
       Gerald Karuhanga, Jugendvertreter aus Westuganda - den bislang fast niemand
       kannte –, redet voller Selbstvertrauen und klagt drei der mächtigsten
       Männer des Landes der Korruption an. Rigoros verlangt er deren Rücktritt.
       Vor ihm sitzen eben diese gestandenen Minister: Außenminister Sam Kutesa,
       Premierminister Amama Mbabazi und Exenergieminister und jetziger
       Innenminister Hillary Onek – alle drei bislang unantastbare Schwergewichte,
       enge Vertraute von Präsident Yoweri Museveni und dessen aussichtsreichste
       potenzielle Nachfolger.
       
       Doch Kutesa schwitzt, als Karuhanga die Beweise auf den Tisch legt: Auszüge
       von Kutesas Konto bei der African Development Bank, an welcher dieser auch
       Anteile hält, vom Juni und Juli 2010. Die eingehenden Summen sind horrend:
       500.000 Euro am 4. Juni, 1,5 Millionen an 10. Juni, weitere 1,5 Millionen
       am 21. Juni, 5 Millionen Euro am 6. Juli, 3,5 Millionen Euro am 8. Juli.
       Die Aufzählung geht in einem fort.
       
       Insgesamt 17,5 Millionen Euro soll der Außenminister als Schmiergeld von
       der an der Londoner Börse gelisteten Ölfirma Tullow erhalten haben.
       Ex-Ölminister Onek sei mit 5,6 Millionen bestochen worden. Insgesamt, so
       die Anschuldigung, habe Tullow bis zu 100 Millionen Dollar Bestechung
       bezahlt, um im vergangenen Jahr die Erschließungslizenzen der kanadischen
       Firma Heritage zu übernehmen.
       
       ## Erste Hinweise auf Wikileaks
       
       Dass Ugandas Öldeals mit Zuwendungen in private Taschen abgewickelt wurden,
       das war fast jedem klar. Immerhin wurde um die Verträge jahrelang ein
       Geheimnis gemacht. Selbst die Abgeordneten im Energieausschuss hatten
       bislang keinen Einblick. Präsident Museveni hatte die Ölgeschäfte zur
       Chefsache erklärt. Doch bereits Wikileaks hatte im Dezember 2010 erste
       Hinweise auf Schmiergelder im Ölgeschäft an den damaligen Innenminister
       Mbabazi geliefert, der nach den Wahlen im Februar 2011 zum Premierminister
       aufstieg.
       
       Ugandas Ölvorkommen sind noch nicht ganz erschlossen. Seit 2006 finden im
       Albertinen-Graben an der Grenze zur DR Kongo Probebohrungen statt. Auf zwei
       Milliarden Barrel werden die Vorräte dort geschätzt. Damit würde Uganda
       unter die 50 ölproduzierenden Staaten aufsteigen. Die irische Firma Tullow
       hat seit der umstrittenen Lizenz-Übernahme von Heritage im
       Albertinen-Graben im vergangenen Jahr drei Blöcke für Probebohrungen zur
       Verfügung.
       
       Tullow äußert sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen. Mbabazi verlas
       jedoch zu seiner eigenen Verteidigung im Parlament einen Brief des
       Tullow-Chefs Aidan Heavey: "Die Anschuldigungen sind falsch und scheinen
       von einem Missverständnis herzurühren, wie die globale Öl- und Gasindustrie
       arbeitet." Tatsächlich zählte Tullow bislang eher zu den "Saubermännern" in
       der Ölbranche. Jetzt aber ermittelt Scotland Yard gegen Tullow.
       
       Tatsächlich stellt sich in Uganda die Frage, wie die erschütternden Beweise
       in die Hand eines jungen unabhängigen Abgeordneten gelangten, der bislang
       als Nobody galt. Die Gerüchteküche brodelt: Sind die Kontoauszüge
       gefälscht, um potenzielle Museveni-Nachfolger kaltzustellen? Sind sie
       original und wurden Karuhanga absichtlich von jemandem zugespielt? Wie auch
       immer dieser Skandal zutage kam, er ist ein Wendepunkt in Ugandas Politik
       und das politische Aus für gleich drei potenzielle Nachfolger von Museveni,
       der seit 26 Jahren regiert und sich aus diesem Skandal geschickt
       heraushält.
       
       Nach zwei Tagen hitziger Debatte beschloss Ugandas Parlament schließlich,
       alle anstehenden Verkaufsverhandlungen zwischen Tullow, Chinas CNOOC und
       Total auszusetzen, bis die Sache geklärt ist. Es dürfen keine neuen
       Geschäfte abgewickelt werden, bis das ausstehende Öl-Gesetz in Kraft ist.
       Ein Untersuchungsausschuss soll eingesetzt werden. Minister Onek hat seinen
       Rücktritt eingereicht. Ugandas Öl-Blase scheint erst einmal geplatzt. Aber
       immerhin, es war großartiges Reality-TV!
       
       12 Oct 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Journalismus
 (DIR) Uganda
       
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