# taz.de -- Nachfolgedebatte: Stelle im Angebot
       
       > Dass Renate Jürgens-Pieper droht, die Ämter trotz Rücktritts
       > kommissarisch fortzuführen, erhöht den Zeitdruck auf die SPD erst recht.
       > Vier Lösungsvorschläge.
       
 (IMG) Bild: Ob sie als Nachfolgerin aus der Deckung geht? SPD-Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz
       
       Niemand war gefasst auf Renate Jürgens-Piepers montäglichen Rücktritt
       infolge von Beschlüssen, an denen sie selbst Sonntagnacht mitgewirkt hatte:
       Sie galt als Frau mit entschiedenen Nehmerqualitäten. Nach einer
       Nachfolgerin hatte entsprechend niemand Ausschau gehalten bei der SPD.
       Deren Schlamassel ist jetzt so groß, wie die Personaldecke dünn. Also sehr.
       Denn einerseits ist die SPD an der Mehrheit der Länderregierungen
       beteiligt, andererseits gibt’s kommendes Jahr Aussichten auf Jobs sowohl in
       der Niedersachsen-Regierung als auch im Kabinett Merkel III.
       
       Ein Bremer Senatssitz ist dagegen eher Kotzpastille als Leckerli. Und drei
       unterfinanzierte Ressorts zu übernehmen, von denen zwei skandalträchtig
       sind … ach nö, lass man gut sein. Aber für jedes Problem gibt’s Lösungen.
       Die taz.bremen sagt, wo Senatspräsident Jens Böhrnsen und Parteichef
       Andreas Bovenschulte anklopfen dürften – und wie ihre Chancen auf eine
       Zusage stehen.
       
       ## Frank Pietrzok
       
       Allgemein: Sollte nach dem alten SPD-Motto „Treue zahlt sich aus“ schon
       ewig was werden, ist mit 48 im richtigen Alter, eine große Karriere wird
       dem so langjährigen wie unauffälligen Bürgerschaftsfraktionsgeschäftsführer
       höchstens noch eine Freimarktszigeunerin gegen Gebühr aus der Hand lesen.
       
       Fachlich: Ist bei der SPD-Vorfeldorganisation SJD Die Falken
       Jugendbildungsreferent und jetzt für den Posten des Bürgerschaftsdirektors
       nicht qualifiziert genug gewesen.
       
       Besondere Merkmale: Lenkbar, still und blass.
       
       Zusagewahrscheinlichkeit: 99,98 Prozent.
       
       Nachteil: Ein SPD-Kabinett ganz ohne SPD-Frau – das geht sogar in Bremen
       nicht mehr.
       
       ## Aydan Özoğuz
       
       Allgemein: Die integrationspolitische Sprecherin der Bundestags-SPD ist
       gebürtige Hamburgerin und bekennende Hanseatin, studierte Personalwirtin,
       mit 45 Jahren genau im richtigen Alter, polyglott, rhetorisch stark und
       wird garantiert Ministerin, wenn die SPD 2013 in Berlin mitregieren darf.
       
       Fachlich: War bei der Körber-Stiftung für Jugend- und Wissenschaftsprojekte
       zuständig, kann Personal organisieren, hat Expertise in den
       bildungspolitischen Schlüsselfragen Integration und digitale Gesellschaft.
       
       Besondere Merkmale: Zwei Nummern zu gut.
       
       Zusagewahrscheinlichkeit: 1,15 Prozent.
       
       Nachteil: Wird nicht zusagen.
       
       ## Gitta Trauernicht
       
       Allgemein: Verwaltungserfahrung kann der Ex-Sozialministerin von
       Niedersachsen (2000-2003) und von Schleswig-Holstein (2004-2009) und
       ehemaligen Hamburger Staatsrätin keiner absprechen. Mit 61 Jahren ist die
       Emderin genau im richtigen Alter: Zu jung für den Ruhestand, zu alt für
       ehrgeizige Pläne.
       
       Fachlich: Ist zwar als Sozialpolitikerin bekannt, aber für Bremens
       Sozialsenatorin gilt ja umgekehrt das Gleiche. Außerdem war sie in Hamburg
       Schulstaatsrätin und hat, als gelernte Medizintechnikerin, sogar Bezüge zum
       Gesundheitswesen.
       
       Besondere Merkmale: Allzweckwaffe.
       
       Zusagewahrscheinlichkeit: 78,79 Prozent.
       
       Nachteil: Trauernicht gilt in der SPD als eine Art schlechtes Omen. Noch
       jede Regierung, an der sie beteiligt war, wurde umgehend abgewählt
       (Voscherau 1997, Gabriel 2003, Simonis 2005, Carstensen 2009).
       
       ## Carmen Emigholz
       
       Allgemein: Die Kulturstaatsrätin ist in Bremen geboren, mit 50 genau im
       richtigen Alter, genießt das besondere Vertrauen von Jens Böhrnsen und
       gehört in der SPD zum ökologisch interessierten Flügel (Tierschutzverein,
       Hundebesitz, etc.): Von daher verträgt sie sich mit Karo Linnert und deren
       Grünen sicher so gut wie die Ex-Grüne Renate Jürgens-Pieper.
       
       Fachlich: War sogar mal Referentin für Erwachsenenbildung, hat die
       Kulturverwaltung reorganisiert, ist mehr als die Hälfte ihres Lebens
       SPD-Mitglied und außerdem Juristin.
       
       Besonderheiten: Emigholz wird Senatorin für den klassischen Dreiklang aus
       Kultur, Wissenschaft und Bildung, Gesundheit wandert zu Soziales oder
       Wirtschaft.
       
       Zusagewahrscheinlichkeit: Nicht unter 100 Prozent.
       
       Nachteil: Die Pietät gebietet, die Ernennung nicht schon gestern bekannt
       gegeben zu haben.
       
       27 Nov 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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