# taz.de -- Neue Senatoren: Zwei für eine
> Die neuen Gesichter im Bremer Senat sind alte Bekannte. Bildungssenatorin
> Eva Quante-Brandt muss Probleme lösen, an denen ihre Amtsvorgängerin
> gescheitert ist.
(IMG) Bild: Böhrnsens Wunschkandidaten: Hermann Schulte-Sasse und Eva Quante-Brandt
BREMEN taz | Am 26. November hat die Bremer Bildungs- und
Gesundheitssenatorin ihren Rücktritt angekündigt, am 13. Dezember soll die
Bremische Bürgerschaft den Senat wieder komplett machen.
Am Freitagabend hat Bürgermeister Jens Böhrnsen seine Wunsch-KandidatInnen
dem SPD-Landesvorstand vorgestellt: Eva Quante-Brandt (52), bisher
Senatsmitglied und Bevollmächtigte für Berlin und für Europa, soll das
Bildungsressort übernehmen. Das Gesundheitsressort, das Renate
Jürgens-Pieper zu Beginn der Legislaturperiode zusätzlich auf Betreiben von
Böhrnsen aufgebürdet worden war, wird nun nach den Erfahrungen mit dem
Keim-Skandal in dem kommunalen Klinikverbund wieder abgetrennt. Neuer
Gesundheitssenator soll der parteilose frühere Gesundheitsstaatsrat Hermann
Schulte-Sasse (62) werden. Neu in den Senat soll auch Ulrike Hiller (47),
bisher Bürgerschaftsabgeordnete kommen, sie soll das Amt von Quante-Brandt
übernehmen.
Böhrnsen ist mit diesen Personalentscheidungen auf Nummer sicher gegangen.
Quante-Brandt sitzt seit über einem Jahr am Senatstisch, sie gehört wie
auch Hiller zum engeren SPD-Zirkel um den Bürgermeister. Die Nominierung
von Hiller für den Senat als Berlin-Beauftragte wirft Fragen ganz anderer
Art auf. Bisher war man davon ausgegangen, dass der SPD-Landesvorsitzende
Andreas Bovenschulte als möglicher neuer Bürgermeister und Nachfolger für
Jens Böhrnsen (63) bereit steht. Hiller ist dessen Ehefrau; dass sie aus
dem Senat ausscheiden muss, wenn ihr Mann hineinkäme, sähe zumindest
unschön aus.
Hermann Schulte-Sasse (62) war 2011 aus seinem Amt als Gesundheitsstaatsrat
ausgeschieden und wollte sich ins Privatleben zurückziehen. Mit ihm, der
von Beruf Arzt ist und in München für die Grünen und in Berlin für die
Linke vorher die Gesundheitsbehörde geleitet hat, kommt ein Fachmann zurück
in die Bremer Politik. Dabei ist der Klinik-Chef Friedhelm Hansen, mit dem
er sehr eng kooperiert hatte, inzwischen rausgeflogen und geht mit einem
Jahresgehalt von 226.000 Euro „spazieren“. Schulte-Sasse wird aber so
flexibel sein zu akzeptieren, dass nicht alles optimal war, was im
bremischen Klinikwesen in den letzten Jahren passiert ist.
Die schwierigste Aufgabe kommt sicherlich auf die neue Bildungssenatorin
zu. Quante-Brandt hat weder in der Leitung einer größeren politischen
Behörde noch in der Bildungspolitik besondere Erfahrung. Ihre
Amtsvorgängerin hat mit einer großen Schulreform das jahrzehntelang von der
SPD favorisierte horizontal gegliederte Schulsystem mit seinen riesigen
Schulzentren für die Mittel- und Oberstufe und für den berufsbildenden
Bereich zerschlagen und – im großen Konsens mit der CDU – ein neues
zweigliedriges Modell eingeführt. Gleichzeitig hat sie – mit bundesweiter
Vorreiterrolle – in Bremen die flächendeckende „Inklusion“ von Kindern
durchgesetzt, die bisher in Sondereinrichtungen betreut und beschult
wurden.
Das notwendige Geld für diese Reformschritte hat sie in konsequenter
Salami-Taktik immer wieder in „5 vor 12“-Aktionen eingefordert; die
Koalitionspartner fühlten sich erpresst und dauerhaft genervt von diesem
Politikstil und mutmaßten, dass es auch ressortintern eher chaotisch
zugehe. Die Nachfolgerin steht unter dem Druck, das alles besser zu machen
und möglichst ohne das zusätzliche Geld auszukommen, das Jürgens-Pieper
vergeblich forderte.
30 Nov 2012
## AUTOREN
(DIR) Klaus Wolschner
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