# taz.de -- Umweltzerstörung in Brasilien: Kampf gegen die Regenwaldmafia
       
       > Der größte illegale Abholzer des Regenwaldes in Brasilien sitzt in Haft.
       > Das Problem der inzwischen irreparablen Umweltzerstörung ist damit nicht
       > aus der Welt.
       
 (IMG) Bild: Abholzungen im brasilianischen Bundesstaat Pará: Immer wieder werden Flächen von der Größe einer Großstadt illegal gerodet.
       
       RIO DE JANEIRO taz | Ezequiel Antônio Castanha gilt als der „größte
       Abholzer“ im Amazonasgebiet. Die Umweltbehörde Ibama geht davon aus, dass
       er, seine Bande und Helfershelfer in den vergangenen Jahren für rund 20
       Prozent der Entwaldung verantwortlich waren. Am Wochenende wurde der
       Unternehmer im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens festgenommen – sechs
       Monate hatten Bundesstaatsanwaltschaft, Bundespolizei und Steuerbehörden
       ermittelt.
       
       Castanha droht jetzt eine langjährige Haftstrafe. Ihm wird vorgeworfen,
       illegal gerodet, eine kriminelle Bande gebildet, Dokumente gefälscht und
       Geld gewaschen zu haben. Allein 2014 soll er die Fläche einer mittleren
       Großstadt abgeholzt haben, insgesamt soll sein Treiben Umweltschäden in
       Höhe von umgerechnet knapp 250 Millionen US-Dollar verursacht haben.
       
       Castanha profitierte von der verbreiteten Korruption, unzureichender
       Kontrolle und einer untätigen Justiz in Pará, dem Bundesstaat Brasiliens,
       in dem seit Jahren am meisten abgeholzt wird. Zumeist bemächtigte er sich
       großer Flächen öffentlichen Landes, steckte es ab und begann, die Bäume zu
       fällen. Mit Hilfe von Maklern verkaufte er die Grundstücke an Landwirte aus
       der Region oder Großinvestoren aus dem reichen Südwesten Brasiliens.
       
       Oft agierte der windige Unternehmen entlang der Bundesstraße BR-163, die
       mitten durch teils unberührtes Waldgebiet geschlagen wurde, um die bis
       dahin schwer zugängliche Gegend wirtschaftlich zu erschließen.
       Umweltschützer weisen immer wieder darauf hin, dass der Bau solcher
       Landstraßen das wichtigste Einfallstor für Abholzungen ist. Den
       Baumaschinen folgen die Arbeiter, erste Ansiedlungen – und zwangsläufig
       werde das Land rechts und links der Straße irgendwann abgeholzt.
       
       ## Verstärkte Strafverfolgung
       
       Brasiliens Bundesregierung kämpft seit Jahren [1][gegen die Vernichtung des
       Walds] in der Amazonasregion. Zu Beginn des Jahrhunderts wurden im Amazônia
       Legal, einem Waldgebiet, das sich über neun Bundesstaaten erstreckt und
       fast 60 Prozent des brasilianischen Territoriums umfasst, mehr als 25.000
       Quadratkilometer jährlich abgeholzt, 2011 waren es immerhin nur noch 4.500
       Quadratkilometer.
       
       Dafür verantwortlich waren die stärkere strafrechtliche Verfolgung
       illegaler Einschläge und bessere Kontrollsysteme des Bunds. Zuletzt wurden
       im Oktober 2014 23 Mitglieder einer Holzfällerbande festgenommen und vor
       Gericht gestellt.
       
       Doch der erklärte Wille der Regierung, die Region in den ökonomischen
       Aufschwung Brasiliens zu integrieren, macht das Ziel einer Null-Abholzung
       unmöglich. Vor allem die extensive Landwirtschaft, aber auch die Förderung
       von Bodenschätzen und die Energiegewinnung durch Wasserkraft setzen dem
       Waldbestand immer wieder zu.
       
       Und inzwischen kippt der Waldschutz wieder. Am gestrigen Mittwoch erklärte
       das für die [2][Satellitenbeobachtung zuständige Imazon-Institut], dass die
       Abholzung im Januar 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 169 Prozent
       angestiegen sei. Bereits Ende 2014 informierte die Umweltbehörde Ibama,
       dass sich die Rodungen im Vergleich zu 2013 wieder verdoppelt hätten. Die
       Regierung hingegen legte andere Zahlen vor und sprach von einer weiteren
       Reduzierung der Abholzung.
       
       Die Meldungen über spektakuläre Festnahmen können so auch als
       Vernebelungstaktik dienen. Tatsächlich ist Brasilien dabei, seine
       Vorbildfunktion in Sachen Abholzung zu verlieren. Ökologen gehen davon aus,
       dass die Umweltschäden inzwischen nicht mehr revidierbar sind. Für
       Umweltforscher Antonio Donato Nobre reicht es nicht mehr, die Abholzung zu
       stoppen: „Es muss wieder aufgeforstet werden, sonst werden wir schon bald
       dramatische Klimaveränderungen zu spüren bekommen“, sagt Nobre voraus.
       
       25 Feb 2015
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Andreas Behn
       
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