# taz.de -- Petrobras-Skandal in Brasilien: Bedrohliche Lage für Rousseffs Partei
       
       > Brasiliens Staatschefin hat nach den Massenprotesten einen Dialog mit
       > ihren Gegnern angekündigt. Die Regierung steht wegen der
       > Korruptionsaffäre unter Druck.
       
 (IMG) Bild: Will nach eigenen Aussagen keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt haben: Dilma Rousseff.
       
       BRASILIA afp | Nach den Massenprotesten in Brasilien hat Staatschefin Dilma
       Rousseff einen Dialog mit ihren Gegnern angekündigt. Sie wolle ihren
       Kritikern in „Demut“ gegenübertreten, sagte sie am Montag in der Hauptstadt
       Brasília. Ihre regierende Arbeiterpartei geriet unterdessen im
       Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras immer stärker
       unter Druck. So wurde offiziell der Schatzmeister der Partei, João Vaccari,
       der Korruption und Geldwäsche beschuldigt.
       
       „Die Regierung hat die Pflicht, einen Dialog einzuleiten“, sagte Rousseff
       in ihrer Ansprache an die Adresse ihrer Gegner. Sie rief das Land zur
       Einheit auf und forderte von allen politischen Parteien, den wachsenden
       Unmut auf den Straßen Brasiliens ernstzunehmen. Sie selbst werde die
       Präsidentin „aller 200 Millionen Brasilianer“ sein, und zwar derjenigen,
       die sie gewählt hätten und derjenigen, die es nicht getan hätten.
       
       Rousseff kündigte außerdem „weitreichende politische Reformen“ an, die in
       den kommenden Tagen präsentiert würden. [1][Am Sonntag] waren in Brasilien
       mehr als 1,5 Millionen Menschen aus Protest gegen Rousseff auf die Straße
       gegangen und hatten den Rückzug der Staatspräsidentin gefordert. Am 12.
       April soll es erneut Massenproteste geben. Rousseff war erst im Oktober
       knapp wiedergewählt worden. Derzeit kämpft sie mit einer verschärften
       Wirtschaftskrise. Hinzu kam zuletzt der [2][Korruptionsskandal um
       Petrobras].
       
       Die Affäre wurde unterdessen für die Regierungspartei immer bedrohlicher.
       Schatzmeister Vaccari würden Korruption und Geldwäsche im Rahmen unlauterer
       Geschäfte zur Last gelegt, sagte Staatsanwalt Deltan Dallagnol im
       südbrasilianischen Curitiba. Aussagen anderer Verdächtiger zufolge
       veranlasste Vaccari die Auszahlung eines Teils der Bestechungsgelder als
       Wahlkampfspenden. Er soll demnach binnen anderthalb Jahren vier Millionen
       Real (knapp 1,2 Millionen Euro) angenommen haben. Vaccari habe gewusst,
       dass es sich um Bestechungsgeld gehandelt habe, sagte Dallagnol.
       
       Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zahlten rund zwei Dutzend Firmen,
       zumeist große Baukonzerne, an Petrobras Schmiergeld, um an lukrative
       Aufträge zu kommen. Der Ölkonzern soll zudem Auftragssummen durch illegale
       Aufschläge aufgebläht haben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen an
       andere Unternehmen weitergeleitet worden sein. Nachdem das Geld auf diese
       Weise gewaschen wurde, wurde es nach Angaben der Ermittler als
       Bestechungsgeld ausgezahlt.
       
       Die Justiz ermittelt derzeit unter anderem gegen knapp 50 Politiker,
       darunter gegen den Senatspräsidenten Renan Calheiros. Rousseff selbst saß
       dem Petrobras-Aufsichtsrat in den Jahren 2003 bis 2010 vor. Sie betont
       aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Insgesamt geht es
       in der Affäre um rund 3,8 Milliarden Dollar.
       
       17 Mar 2015
       
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