# taz.de -- Kommentar Globale Konflikte: Jenseits der Friedensbewegung
       
       > Die traditionelle Friedensbewegung hat ihr Weltbild zu selten
       > aktualisiert. Wer sich in dem Feld engagiert, kann sie getrost
       > entschlafen lassen.
       
 (IMG) Bild: Das waren noch Zeiten für die Friedensbewegung. Ostermarsch in der Nähe von Wittstock, 1998
       
       Die meisten Kriege finden weit weg in Afrika statt. Dennoch verstärkt sich
       in Deutschland das Gefühl, dass das Leben erheblich unsicherer geworden
       ist. Das hat mit einem neuen Krieg in nächster Nähe, nämlich in der
       Ukraine, zu tun. Und mit den Millionen Menschen, die aus ihren Ländern
       flüchten müssen.
       
       Noch nie, so die Vereinten Nationen, gab es so viele Vertriebene. Und
       selten war die UNO so ratlos, wie sie angesichts eines von China oder
       Russland und gelegentlich auch den USA blockierten Sicherheitsrates auch
       nur etwas mehr Frieden in die Welt bringen könnte. Sind das nicht [1][beste
       Voraussetzungen für eine neue Friedensbewegung]?
       
       Offenbar nicht. Die unter dem Label [2][„Friedenswinter“ versuchte
       Wiederbelebung] ist kläglich gescheitert, [3][ihre Mahnwachen wurde
       spielend von rechts unterwandert]. Man muss kein Nostalgiker sein, um zu
       finden, dass die Bewegungen gegen die Stationierung US-amerikanischer
       Raketen oder den Irakkrieg diese schlecht informierten Enkel nicht verdient
       haben. Und trotzdem eine gewisse Verantwortung für sie tragen.
       
       Denn auch die zurechnungsfähigen Friedensbewegten, die heute in
       Friedensforschungsinstituten, in der Linkspartei oder bei den Grünen
       arbeiten, haben ihr Weltbild zu selten aktualisiert. Manche verdrängen
       beharrlich, dass das heutige Russland mit der Sowjetunion so wenig zu tun
       hat wie die USA mit den einstigen Deutschlanderziehern unter Truman und
       Eisenhower.
       
       Andere sind immer noch nicht in der multipolaren Welt angekommen; wieder
       andere haben die [4][Arabellion] glatt verpasst und die Strukturmerkmale
       der Postdemokratie nicht durchdrungen. Genau deshalb erscheint ihnen die
       vertraute Schablone des Kalten Krieges so attraktiv.
       
       Doch wie an den Debatten über die Ukraine prima zu sehen ist:
       Populistischer Historismus ist keine Lösung. Eine auf die Verteidigung von
       Menschenrechten basierte Flüchtlingspolitik indessen erlaubt Orientierung
       auf der Höhe der Zeit. Denn sie verbindet internationale Politik mit
       nationalen und lokalen Belangen, politische Theorie mit praktischem
       Engagement vor der Haustür, eine auf Friedenssicherung ausgerichtete
       Entwicklungspolitik mit einer zeitgemäßen Migrationspolitik.
       
       Wer sich in diesem Feld engagiert, kann die traditionelle Friedensbewegung
       getrost entschlafen lassen. Denn die braucht wirklich kein Mensch.
       
       13 Mar 2015
       
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