# taz.de -- Kolumne Ich meld' mich: Ein arabischer (Alb-)Traum
       
       > Sanaa, die Hauptstadt des Jemens, war schon immer eine Reise wert. Ein
       > arabisches Gesamtkunstwerk. Was nur wird nach dem Bombenkrieg
       > übrigblieben?
       
 (IMG) Bild: Die Altstadt von Sanaa (Archivbild von 2007).
       
       Sanaa ist schön. Die Häuser, so braun wie Lebkuchen, verziert mit weißem
       Zuckerguss, erinnern an die Gebäude in bayerischen Weihnachtskrippen.
       Zickzack-Ornamente und Holzgitter schmücken die Fassaden. An den Türen aus
       Christusdornholz verrenken sich die Termiten seit Jahrhunderten die Kiefer.
       Keine Plakatwand, kein Bankautomat, keine Glasfassade stören den Eindruck.
       Minarette ragen hoch, Satellitenschüsseln sind das einzige optische
       Zugeständnis an die Gegenwart.
       
       Über den Suk Bab al-Jemen schieben sich tief verschleierte Frauen.
       Kupfertöpfe glitzern in der Sonne, und der Schmied hämmert ein weiß
       glühendes Stück Eisen zu einer Hacke. Kinder steuern Schubkarren voller
       Brote durch die Menge.
       
       Männer mit Krummdolchen kauern zwischen braungoldenen Dattelblöcken und
       lassen Sago, Hirse und Sesam durch die Finger rinnen. Andere bummeln Hand
       in Hand. Sie legen sich die Arme über die Schultern, plaudern, lachen und
       bauen sich auch mal zornig voreinander auf.
       
       Nicht nur Waren werden hier getauscht, auch Gefühle: Jeder hat seine
       Freunde, jeder gehört irgendwo dazu. Und immer scheint in einer der 150
       Moscheen ein Imam zu beten, singt ein Muezzin, murmeln Gläubige.
       
       Wer sich nach einem langen Bummel auf ein gemütliches Mittagessen in einem
       der Straßenrestaurants freut, wird sich wundern. Essen ist im Jemen ein
       erbitterter Kampf mit Fingern und Fladenbrotfetzen gegen Bohnenpüree, Eier
       mit Tomaten - und die Zeit.
       
       Die Gaskocher fauchen, ein alter Mann schlägt wütend mit seinem Stock auf
       den Blechtisch und schreit nach seiner Mahlzeit, der Koch klappert wie der
       große Zampano mit seinen Kesseln und die Kellner drängen laut rufend mit
       glühend heißem Tongeschirr durch die Menge – eilig schlingt jeder Gast den
       Eintopf mit Bockshornklee hinunter und verschwindet.
       
       Sanaa war schön.
       
       26 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franz Lerchenmüller
       
       ## TAGS
       
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