# taz.de -- Prozess gegen Top-Manager: Anklage wirft Bankern „Tatplan“ vor
       
       > Jürgen Fitschen und weitere Manager der Deutschen Bank sollen bei der
       > Kirch-Pleite die Justiz getäuscht haben. Nun stehen sie vor Gericht.
       
 (IMG) Bild: Jetzt hilft Jürgen Fitschen nur noch das Gebet.
       
       BERLIN taz | Es war der Beginn des spektakulärsten Wirtschaftsprozesses
       seit Langem: Auf 110 Seiten werfen die Ankläger im Münchner Landgericht dem
       Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, seinen beiden Vorgängern Josef
       Ackermann, Rolf Breuer und zwei weiteren Exmanagern vor, gemeinsam einen
       Tatplan verfolgt zu haben, um Richter zu täuschen und damit vor vier Jahren
       Schadenersatzforderungen des Medienunternehmers Leo Kirch für die Pleite
       seines Unternehmens abzuwehren.
       
       Wie die Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt am Dienstag darstellte, ist
       Fitschen nach ihrer Ansicht nicht so tief in die Betrugsversuche im
       Kirch-Prozess verstrickt wie seine vier Mitangeklagten. Doch Fitschen und
       seinen Kollegen könnten bis zu zehn Jahre Haft drohen, falls sich der
       Vorwurf versuchten schweren Betrugs erhärtet. Im Vorfeld des Prozesses
       hatte Fitschen erklärt, er halte sich für unschuldig.
       
       Die strittigen Vorgänge haben eine lang zurückliegende Vorgeschichte: 2002
       gab Vorstandsboss Breuer in den USA ein Fernsehinterview, indem er auf
       Probleme des inzwischen verstorbenen Filmhändlers Leo Kirch hinwies. Als
       Kirchs TV-Konzern zwei Monate später Insolvenz anmeldete, gab dieser Breuer
       die Schuld und klagte auf vier Milliarden Euro Schadenersatz. Es folgte ein
       Prozessmarathon.
       
       Nach Kirchs Tod führten seine Erben den Streit fort. Fitschen soll dabei
       mit Ackermann und Breuer sowie Ex-Personalchef Tessen von Heydebreck und
       Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig zusammengewirkt haben, um das Gericht
       durch falsche Angaben zu täuschen und Schadenersatzzahlungen zu vermeiden.
       Kurz vor einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes gab die Deutsche Bank
       2014 nach und zahlte freiwillig 925 Millionen Euro an die Kirch-Erben.
       
       ## Bewusst in den Ruin getrieben?
       
       Staatsanwältin Christiane Serini schilderte das Vorgehen der Banker als
       Verschwörung, mit der Kirch um seinen Schadenersatzanspruch habe betrogen
       werden sollen. „Die Angeklagten begannen damit gemeinsam, den vom
       Angeklagten Dr. Breuer bereits zuvor gefassten Tatplan fortzuführen.“
       Breuer, so der Verdacht, hätte Kirch mit seinem Interview bewusst in den
       Ruin treiben wollen. Dessen Kollegen hätten schließlich durch
       Falschaussagen den Eindruck gedeckt, Breuer habe sich zufällig versprochen.
       Die Angeklagten weisen ein solches Vorgehen zurück.
       
       Doch während Breuer, Ackermann, Börsig und Heydebreck gelogen hätten, habe
       Fitschen versucht, sich herauszuwinden. „Fitschen hielt sich nicht an die
       zumindest stillschweigend geschlossene Vereinbarung“, las Serini aus der
       Anklageschrift vor. Er habe versucht, Falschaussagen zu vermeiden, ohne
       dabei die Abwehrstrategie seiner Kollegen zu unterlaufen. Er sei jedoch
       auch an schriftlichen Erklärungen beteiligt gewesen und habe die
       Falschaussagen der Kollegen in Kauf genommen, ohne sie zu stoppen. Damit
       habe er sich des schweren Betrugs mitschuldig gemacht.
       
       Richter Peter Noll hat 16 Termine bis September angesetzt. Ob Fitschen bis
       dahin noch im Amt ist, wird sich auf der Hauptversammlung im Mai zeigen. Er
       kämpft derzeit mit milliardenschweren Strafzahlungen seiner Bank,
       Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in aller Welt und einer
       umstrittenen Konzernstrategie. Das Geldinstitut steht vor großen
       Veränderungen: Die Postbank soll verkauft werden, die Investmentbank
       schrumpfen. Viel zu tun – doch ihr Co-Chef Fitschen wird seine Dienstage
       zunächst im Münchner Gerichtssaal verbringen müssen. (mit dpa/rtr)
       
       28 Apr 2015
       
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 (DIR) Hermannus Pfeiffer
       
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