# taz.de -- Putsch in Burundi: Armee übernimmt die Macht
       
       > Der Präsident im ärmsten Land Afrikas ist abgesetzt. Der Generalmajor
       > Niyombare hat die Macht übernommen. In Burundis Hauptstadt fallen
       > Schüsse.
       
 (IMG) Bild: Ausschreitungen in Bujumbura: Die Polizei geht gegen Demonstraten vor, die gegen Präsident Nkurunziza protestierten.
       
       BERLIN taz | Kaum ist der umstrittene Präsident außer Landes, übernimmt die
       Armee in Burundi die Macht: Am Mittwoch ereignete sich ein hausgemachter
       Putsch in dem kleinsten und ärmsten Land Afrikas.
       
       Präsident Pierre Nkurunziza war am Morgen nach Tansania geflogen. Dort
       treffen sich am heutigen Mittwoch die Staatschefs der Region, um die
       politische Krise in Burundi beizulegen – so die Hoffnung. Doch jetzt
       scheint Nkurunzizas Besuch in der tansanischen Hauptstadt den Konflikt zu
       Hause weiter anzuheizen.
       
       Generalmajor Godefroid Niyombare erklärte Journalisten in Burundis
       Hauptstadt Bujumbura, der Präsident sei abgesetzt und er selbst würde jetzt
       übergangsweise die Macht übernehmen. „Ich nehme das Schicksal des Landes in
       die Hand“, sagte er. Niyombare war einst Stabschef der Armee, dann wurde er
       nach einer Säuberungswelle durch Nkurunziza Chef des Geheimdienstes. Im
       Februar wurde er wieder abgesetzt, scheinbar war er dem Präsidenten nicht
       loyal genug.
       
       ## 
       
       Kurz nach der Putscherklärung am Mittag hallten Schüsse durch die Gassen
       von Bujumbura. Quellen sagen, Polizei und Armeeeinheiten würden sich
       gegenseitig bekämpfen. Die Polizei zeigte sich in den vergangenen Wochen
       der Proteste als loyal zu Präsident Nkurunziza, die Armee hatte erklärt,
       sie würde die Verfassung verteidigen – und machte damit von Anfang an klar,
       dass sie nicht auf der Seite des Machthabers steht.
       
       [1][Seit zwei Wochen demonstrieren schon die Menschen in Burundis
       Hauptstadt Bujumbura gegen Präsident Nkurunziza.] Er hatte sich beim
       Parteikongress seiner Regierungspartei CNDD-FDD Ende April [2][erneut zum
       Präsidentschaftskandidaten aufstellen lassen]. Doch dies ist umstritten. In
       der Verfassung ist die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Mal fünf Jahre
       begrenzt. Das Verfassungsgericht ließ seine Ernennung durchgehen. Vor zehn
       Jahren sei er als Präsident der Übergangsregierung ernannt, nicht direkt
       gewählt worden, so die Begründung.
       
       Am 26. Mai stehen in Burundi Parlamentswahlen an, Ende Juni folgen dann
       Präsidentschaftswahlen – so zumindest der Plan. Ob es jetzt überhaupt zu
       Wahlen kommen wird, ist fraglich. Die ganze Region hält den Atem an, was
       als nächstes geschehen wird.
       
       13 May 2015
       
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 (DIR) Simone Schlindwein
       
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