# taz.de -- Wissenschaft des Schwärmens: Mein lieber Schwarm
       
       > Schwärmen gilt als Teeniekram, Mädchen bereiten sich damit angeblich auf
       > Beziehungen vor. Doch aktuelle Studien sagen etwas anderes.
       
 (IMG) Bild: Teenie-Schwarm Orlando Bloom: Fan in Doebeln, 2006
       
       Haben Sie sich schon mal vorgestellt, wie Sie und eine Kollegin sich auf
       der Betriebsfeier näherkommen? Oder Instagram-Beiträge einer alten
       Jugendliebe betrachtet und sich dabei ein Wiedersehen ausgemalt? Nicht?
       Dann kennen Sie vielleicht Tagträume von Sex mit einem Film- oder Popstar?
       Auch nicht? [1][Sie haben noch nie geschwärmt?] Wie schade.
       
       Schwärmen, das definiert die kanadische Wissenschaftlerin Charlene Belu wie
       folgt: „Sie fühlen sich von einer Person angezogen, mit der Sie vielleicht
       geflirtet haben, aber Sie haben noch nie versucht, eine romantische oder
       sexuelle Beziehung mit ihr einzugehen.“ Belu ist eine promovierte
       Psychologin an der Dalhousie University in Nova Scotia, die über das
       Schwärmen geforscht hat. Der englische Begriff dafür ist „have a crush on
       someone“. Er bezieht sich ausschließlich auf Personen. Nur darum soll es in
       diesem Artikel gehen. Und nicht um eine Vorliebe oder Begeisterung für
       einen Gegenstand, Ort oder eine Person. Sondern eben ums Schwärmen.
       
       Und das ist weit verbreitet, wie Charlene Belu herausgefunden hat: Nach
       aktuellem wissenschaftlichen Stand hat die Mehrheit sowohl der Jugendlichen
       als auch der Erwachsenen [2][hin und wieder oder dauerhaft einen Schwarm],
       manche auch mehrere gleichzeitig und das unabhängig von Geschlecht oder
       sexueller Orientierung. Auch der Beziehungsstatus und die Zufriedenheit mit
       der Partnerschaft scheinen keine Rolle zu spielen.
       
       Das widerspricht der auch über Medien verbreiteten Vorstellung, Schwärmen
       sei ein Zeichen seelischer Unreife, kompensiere einen Mangel oder diene
       lediglich der Vorbereitung auf echte Beziehungen, wie es unter anderem der
       Saarbrücker Klinikmanager [3][Martin Huppert in zahlreichen Interviews
       behauptet] hat.
       
       Immer wieder – zuletzt im WDR Anfang dieses Jahres – wird Huppert dazu
       befragt, weil er vor 17 Jahren eine Doktorarbeit über die
       Fan-Star-Beziehung veröffentlicht hat. Darin geht es allerdings nur am
       Rande ums Schwärmen, und seine Definition stützt sich auf eine
       [4][waghalsig hergeleitete Theorie aus dem Jahr 1922]. Kritisch
       hinterfragt haben Journalist:innen seine These – die sich zudem nur auf
       Mädchen bezieht, obwohl seine Befragung von Jugendlichen etwas anderes
       ergeben hatte – jedoch nie.
       
       Der Grund dafür, dass sich solche irrigen Annahmen so lange halten, liegt
       auch daran, dass es kaum Forschung zum Thema gibt. Gerade einmal vier
       Forschungsteams haben sich gezielt empirisch mit dem Schwärmen beschäftigt,
       alle in den USA und Kanada beheimatet. Eine Arbeit ist 1934 veröffentlicht
       worden, die nächsten dann erst wieder im vergangenen Jahrzehnt. Am tiefsten
       eingestiegen ist Charlene Belu in Kanada, die sich als Einzige mit
       schwärmenden Männern und Frauen in Beziehungen beschäftigt hat. Von ihr
       stammt auch [5][die jüngste Publikation zum Thema]. Eine andere
       Wissenschaftlerin hatte zuvor ausschließlich schwärmende Frauen befragt,
       die anderen beiden Studien handeln nur von Jugendlichen.
       
       Auch Belu hatte Vorannahmen, die sie durch ihre eigenen Untersuchung fast
       alle revidieren musste. [6][Für eine 2019 veröffentliche Arbeit] hatte sie
       in einer Vorstudie 176 Personen befragt und fand keine Bestätigung ihrer
       Hypothese, dass mehr Frauen als Männer von Schwärm-Erfahrungen berichten
       würden. Die Hauptstudie – 247 Frauen und Männer – räumte dann mit ihrer
       Vermutung auf, dass Menschen in unglücklichen Beziehungen eher dazu neigen,
       von alternativen Partner:innen zu träumen. Allerdings gab es eine
       Minderheit – 17 Prozent – die aussagte, dass sie ihren Partner oder ihre
       Partnerin für den Schwarm verlassen würden. Und diese Personen berichteten
       überdurchschnittlich oft, weniger zufrieden mit der Beziehungsqualität zu
       sein.
       
       Belus Hauptaugenmerk gilt der Frage, inwiefern Schwärmereien eine Vorstufe
       von Beziehungen und damit eine Bedrohung für exklusive Partnerschaften
       darstellen. Ergebnisse von drei weitergehenden Untersuchungen dazu hat sie
       im August veröffentlicht. Dabei kam heraus, dass Singles im Durchschnitt
       seltener mit ihrem Schwarm flirteten als Menschen in Beziehungen und ihre
       Gefühle auch eher geheim hielten als diese. Zudem fand Belu weitere Belege
       dafür, dass zumindest diejenigen in Beziehungen keine Absicht hatten, ihre
       Fantasien in die Tat umzusetzen. Es sei wohl „eine Form absichtlich
       unerfüllter Sehnsucht“, schreibt sie. Und dass die meisten ihre
       Schwärmereien genießen könnten, als „unterhaltsame Abwechslung im Alltag“.
       Nur 24 Teilnehmer:innen wünschten sich, dass die Attraktion
       verschwinden werde.
       
       Die Wissenschaftlerin schließt aus all dem, dass es beim Schwärmen offenbar
       nicht darum gehe, der oder dem Angebeteten näher zu kommen. „Stattdessen
       scheinen Schwärmereien andere psychosoziale Ziele zu verfolgen, vielleicht
       in einem Kontext, in dem man alternative Partner:innen betrachten,
       überprüfen und abgleichen kann.“
       
       Doch in dieser Aussage zeigt sich die Beschränktheit einer Forschung, die
       Schwärmereien nur im Kontext „verliebt, verheiratet, geschieden“
       betrachtet. Will man die bisher unklare Funktion des Schwärmens verstehen,
       lohnt es sich, auch Schwärmereien für Stars näher zu betrachten. Denn
       tatsächlich schwärmen viele Erwachsene von Prominenten, fast genauso häufig
       wie von Kolleg:innen oder Freund:innen, das hatte Belus aktuelle Studie
       ergeben. In der vorangegangenen von 2019 hatte diese Kategorie noch
       gefehlt. Nun waren [7][Schwärmereien für Stars] zwar abgefragt worden,
       werden aber als „Fantasieschwarm“ bezeichnet, in der Annahme, die
       Wahrscheinlichkeit, dass sich mehr aus dem Schwarm entwickle, sei weniger
       „real“ als bei anderen Schwarmobjekten.
       
       Das ist eine künstliche Differenz, denn zum einen hat Belus Forschung
       ergeben, dass es gar nicht unbedingt darum geht, tatsächlich in Kontakt zu
       kommen, und zum anderen sind Stars und Sternchen in Zeiten von Social Media
       nicht unerreichbarer als etwa Personen, die jemand über eine Dating App
       kennen gelernt und noch nie getroffen hat. Oder ehemalige Sexpartner:innen,
       mit denen jetzt nur noch ein virtueller Kontakt besteht.
       
       Auch die Begriffsgeschichte legt nahe, dass das Schwärmen per definitionem
       aus der Ferne geschieht und immer etwas mit Fantasie zu tun hat. Laut
       Kluges etymologischem Wörterbuch der Deutschen Sprache bedeutet Schwärmen,
       „sich auf wirklichkeitsferne Weise für etwas begeistern, im heutigen Sinn
       etwa seit dem 18. Jahrhundert“. Noch jünger ist laut Wörterbuch die
       Übertragung dieses Zustands auf Personen („schwärmerisch verehren“). Seine
       Wurzeln aber hat das Wirklichkeitsferne im Religiösen: Als „Schwärmer“ und
       „Schwarmgeyster“ hatte Martin Luther seine innerreformatorischen
       Gegenspieler bezeichnet, die sich vom Heiligen Geist erfüllt wähnten und
       jede kirchliche Ordnung ablehnten. Weil sie häufig als Ketzer verfolgt
       wurden, zogen sie ohne festen Wohnsitz durch die Lande, oft mit einem
       Gefolge von Anhänger:innen, daher vermutlich die Bezeichnung als
       (Umher-)Schwärmende.
       
       Der lateinische Begriff für diese Leute ist „fanaticus“ („von Gott
       ergriffen“) von dem sich das Wort „Fan“ ableitet, das aber auch eine
       weitere Wurzel in „fancy“ haben könnte. Fancy heißt im Britischen Englisch
       schwärmen und geht auf „fantasy“ zurück. Es gibt noch einen weiteren
       Begriff, der eine Verbindung zwischen Schwärmen, religiöser Verehrung und
       Fantum herstellt. Das britische Pendant zur deutschen Schwärmerei ist der
       „Enthusiasm“, was aus dem Griechischen kommt und „in Gott sein“ bedeutet.
       Als „enthusiastisch“ wiederum bezeichneten Zeitungskommentatoren seit
       Mitte des 19. Jahrhunderts [8][das begeisterte Publikum von Musikkonzerten]
       – bevor sich ein paar Jahrzehnte später der Begriff „Fan“ etablierte,
       zunächst im Sport.
       
       Doch auch die Fan Studies, eine relativ junge interdisziplinär arbeitende
       Wissenschaftsdisziplin, haben nichts über das Schwärmen zu sagen. Das mag
       daran liegen, dass diese angetreten sind, um das sich bis heute haltende
       Negativimage von Fans aufzupolieren und zu zeigen, wie kreativ und aktiv
       diese sind. Dem Schwärmen hingegen haftet der Ruch des Passiven an, wie
       [9][ein Zitat aus dem Jugendmagazin Jetzt] zeigt: „Nur leise von Weitem an
       sie hinschwärmen, wäre uns zu wenig, das kommt uns schwach und hilflos
       vor“, sagt der Autor – Männer würden deshalb nicht schwärmen.
       
       Das lässt sich auch anders sehen. Vorausgesetzt, dass Schwärmen damit
       einhergeht, sich romantische oder sexuelle Handlungen mit dem Schwarm
       auszumalen und sich damit ziemlich aktiv gute Gefühle zu verschaffen. So
       gibt es in der Fanforschung, etwa von [10][Tonya Anderson] oder Cornel
       Sandvoss, Hinweise darauf, dass Fans ihre Schwärmereien für den Erhalt
       ihrer psychischen Gesundheit einsetzen. Weitere Beispiele liefert das 1985
       erschienene Buch von Fred Vermorel „Starlust“ über „die geheimen Fantasien
       von Fans“, eine Sammlung von persönlichen Berichten. Eine im Rahmen des
       Buchprojekts interviewte Frau nennt darin Tagträumen „eine Kunst“ und setzt
       das Gefühl sogar gleich mit dem einer Meditation.
       
       Doch wahr ist auch, dass sich viele Schwärmende für ihre Fantasien schämen
       und sogar Schuldgefühle entwickeln. Hinweise darauf finden sich in allen
       genannten Forschungsarbeiten der Psychologie und der Fan Studies.
       Vielleicht wäre das anders, wenn das Schwärmen nicht mehr so abgewertet
       würde.
       
       ***
       
       ## Wunderbar unerreichbar: Taiwo Awoniyi!
       
       „Seit vergangenem Sommer schwärme ich für Taiwo Awoniyi, einen Fußballer
       aus Nigeria, der für den 1. FC Union in Berlin spielt. Ein
       supersympathischer, supergut aussehender Mann. Er vermittelt ein Gefühl,
       dass man Kraft aus einer Gemeinschaft ziehen kann, das mag ich an ihm. Und
       obwohl er ein wahnsinnig guter Fußballer ist, tritt er ganz bescheiden auf
       und würdigt immer die Teamleistung.
       
       Ich habe schon immer geschwärmt, manchmal über Jahrzehnte. Mein erster
       riesengroßer Schwarm war Björn Engholm, der SPD-Politiker aus
       Schleswig-Holstein, der 1993 auch mal Kanzlerkandidat war. Als Teenager
       fand ich ihn total toll, weil er als Politiker ganz anders aufgetreten ist
       als andere.
       
       Ich fand auch mal den dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen toll, und
       einmal habe ich auch für einen Chef von mir geschwärmt. Ich glaube, was
       alle verbindet, ist das gute Aussehen und dass sie nicht arrogant sind,
       obwohl sie so viel zu bieten haben. Und dass sie zugewandt sind und …
       nahbar.
       
       Für mich ist es wichtig, zu meinem Schwarm in Kontakt zu treten, ihn
       jedenfalls theoretisch kennen lernen zu können, obwohl uns Welten trennen.
       Björn Engholm habe ich damals einen Brief geschrieben, und daraufhin hat er
       mich eingeladen, ihn auf einer SPD-Sommertour zu begleiten. Und Taiwo
       Awoniyi bin ich mal beim Einkaufen über den Weg gelaufen, da habe ich ihn
       auf das Spiel vom Vorabend angesprochen.
       
       Leider hatte ich nichts dabei, mit dem ich mir ein Autogramm hätte geben
       lassen können, und ein Foto, das wollte ich irgendwie nicht. Aber wir haben
       uns so coronamäßig Faust an Faust die Hand geschüttelt. Danach bin ich ein
       paar Wochen auf Wolken geschwebt.
       
       Das Autogramm habe ich mir später besorgt, das steht jetzt eingerahmt im
       Wohnzimmer. Ich habe ihn auch einmal über Twitter kontaktiert. Darauf hat
       er reagiert, aber schon sehr, sehr sparsam. Ich war davon nicht enttäuscht,
       ich freue mich, wenn überhaupt etwas zurückkommt. Für mich gehört, glaube
       ich, zum Schwärmen dazu, dass mein Schwarm eine Distanz wahrt, die
       klarmacht, dass meine Fantasien nicht real werden. Also zu einer
       gemeinsamen Nacht hätte ich immer ja gesagt, aber ich will keine Beziehung
       – auch wenn ich mir die in Tagträumen vielleicht manchmal ausmale. Dazu
       sind die Lebensumstände doch zu krass anders.
       
       Schwärmen gibt mir das Gefühl, dass das Leben viele Möglichkeiten birgt.
       Dass man so wie ich damals mit dem Brief an Engholm etwas Bereicherndes
       erlebt, von dem man lange zehrt, sich aus der Realität so ein bisschen
       rausziehen und ein Glücksgefühl schaffen kann mit ganz wenigen Mitteln. Ich
       muss mir nur Fotos angucken oder etwas über meinen Schwarm lesen, und schon
       fühle ich mich besser.
       
       Ich setze das manchmal gezielt in langweiligen oder blöden Situationen
       ein. Dann denke ich an denjenigen und überlege, wie es wäre, ihm
       nahezukommen, wobei das eher Knutschen wäre als Sex. Schwärmen kann schon
       lebensverändernd sein, und das Gute ist: Es birgt kein Risiko.“
       
       Eine Berlinerin Ende 40, protokolliert von Eiken Bruhn 
       
       ## Über den Tod hinaus: Marlene Dietrich!
       
       Frühe neunziger Jahre: Meine Kumpels schwärmten von Madonna oder der
       Tennisspielerin Gabriela Sabatini, ich aber von Marlene Dietrich.
       Irgendwann hatte ich im Stern eine lange Geschichte über eine alternde
       Filmdiva gelesen, die ihre Wohnung nicht mehr verließ und mit dem Telefon
       den Kontakt zur Außenwelt hielt. Eine zweifellos traurige Geschichte, aber
       die Fotos hauten mich um: Dieser Schlafzimmerblick! Diese Ausstrahlung!
       
       Egal aus welchem Jahrzehnt die Bilder stammten: Mit Strapsen auf dem Fass
       sitzend im Film „Der blaue Engel“, in US-Uniform, mit Frack und Zylinder,
       im Hosenanzug. Irgendwann mal waren bei Frauen weite, lange Hosen Mode,
       etwas verniedlichend Marlene-Hosen genannt – fand ich natürlich gut. Ich
       las über sie, guckte ihre Filme.
       
       In meiner unbescheidenen Fantasie malte ich mir aus, wie ich in ihrer Zeit
       lebte und ihre Liebhaber Joseph Kennedy, Erich Maria Remarque und Ernest
       Hemingway beiseite schiebe. Einer echten Diva angemessen fand ich, wie sie
       mit ihren zahllosen Verehrern (und Verehrerinnen) umging. Gequälte Ausreden
       wie „Wir können aber Freunde sein“ oder „Ich lebe in einer festen
       Beziehung“ wären Dietrich nie über die Lippen gekommen, viel zu
       kleinbürgerlich. Sie hätte ehrlich gesagt: Du bist nicht genug für mich.
       Oder sich ihn oder sie genommen.
       
       Ich schrieb mal einer Frau, in die ich verliebt war, die mir aber einen
       Korb gab, und zitierte leicht abgewandelt einen Dietrich-Songtext: „Männer
       umschwirr’n Dich / Wie Motten das Licht / Und wenn sie verbrennen / Ja
       dafür kannst Du nichts.“ Ich hörte nichts mehr von ihr, sie fand es wohl
       peinlich, zu Recht.
       
       Ich wohne übrigens ziemlich genau zwischen Marlene Dietrichs Elternhaus und
       dem Friedhof, auf dem sie begraben liegt. Das kann kein Zufall sein.
       
       Gunnar Hinck 
       
       ## Aber bitte nur ohne Tränen: Frauen!
       
       Homos wie ich verlieben sich nicht in Frauen, sie himmeln sie auch nicht
       an, sondern: schwärmen für sie. Worauf es bei der klitzekleinen und
       gewichtigen Ultraadoration ankommt, ist, dass diese Frauen (ohne Sternchen)
       von größter Smartness sind. Kühl bis kalt, und bitte keine Tränen.
       
       Maria Schell war eine Horrorschnalle, dauernd wimmernd und leidend. Und die
       Liebende selbst, viel zu passiv. No way. Oder die ewig aufgetriedelte
       Shirley McLaine – ach nee, viel zu muttihaft auf die alternative Weise.
       Mehr so Weiber im charakterlich schmutzigen Sinne, da wird die Schwärmerei
       ernsthaft. Etwa Désirée Nosbusch in „Bad Banks“, in dieser Serie das
       menschliche Eis selbst.
       
       Natürlich muss auch Uma Thurman genannt werden, „Kill Bill“ (I & II), eine
       Rachegöttin allergrößter Vorsätzlichkeit, erbarmungsarm und rücksichtsvoll
       zugleich (Kinder bleiben am Leben, klar). Last but not und never least:
       Helen Mirren. Nicht die in ihren resilienzförderlichen und woken
       Caffe-Latte-Wohlfühlfilmen („Die Frau in Gold“, „The Queen“ etc.), sondern
       als Inspector Jane Tennison in „Heißer Verdacht“ – allein, wie sie sich den
       Job als leitende Ermittlerin gegen die Cis-weiß-heteronormative
       Männermannschaft besorgt, ist von größter Resolutheit, absolut ohne alle
       Charme- oder Lächelzutaten. Nebenbei: dauerrauchend.
       
       Jan Feddersen 
       
       ## Für immer in der Playlist: Tobias Regner!
       
       Ich war 13, als Tobias Regner 2006 die dritte Staffel von „Deutschland
       sucht den Superstar“ gewann. Er hatte helle, mittellange Haare, eine raue
       Stimme, war Anfang 20, kräftig gebaut und trug bedruckte Shirts. Er ist der
       einzige Popstar, von dem ich jemals ein Poster aufgehängt habe. Für ihn
       habe ich sogar gegenüber meiner Mama – zu Recht bekennende Bohlen-Hasserin
       – zugegeben, DSDS zu schauen. Damit ich ihn ausnahmslos jeden Samstag Songs
       von Nickelback, U2 oder Bon Jovi singen hören konnte.
       
       Am Morgen nach seinem Sieg fiel ich meiner Mitschwärmerin und
       Handballfreundin Maja in die Arme. Wir sprangen herum, als hätten wir das
       anstehende Punktspiel schon gewonnen. Sobald es ging, kaufte ich mir sein
       Album, hörte es rauf und runter, überspielte es sogar auf Kassette – damit
       ich es mit meinem Walkman überall hin mitnehmen konnte. Ich wusste genau,
       wie weit ich spulen muss, um zu meinem Lieblingslied zu skippen. Wenn es
       lief, dachte ich: Wow, so klingt echte Rockmusik.
       
       Als ich heute bei TV Spielfilm lese, dass er zwischenzeitlich Eddie in „The
       Rocky Horror Show“ verkörpert hat, wird mir ein bisschen warm ums Herz. Ich
       höre den Song von damals und schiebe ihn in die „Old shit“-Playlist.
       
       Alina Götz 
       
       ## Auf ein Wiedersehen: Jörg Draeger!
       
       Wenn meine Eltern im Jahr 1995 – da wurde ich drei – für mich den Fernseher
       einschalten mussten, dann nicht wegen der Maus, dem Elefanten, der
       Tigerente oder der Gummibärenbande. Es war wegen Jörg. Jörg Draeger. Genau,
       der mit dem Schnurrbart, Gastgeber der Gameshow „Geh aufs Ganze“, die in
       den Neunzigern von montags bis samstags im Sat.1-Vorabendprogramm lief und
       von bunten Umschlägen, Kisten, Toren, Traumreisen und einer rot-schwarzen
       Stoffratte handelte. Zumindest sind das die Fragmente, an die ich mich
       erinnere, wie gesagt, ich war nicht mal drei.
       
       Die Regeln habe ich nicht kapiert, der Zonk ließ mich kalt. Es war einzig
       Jörg, dem meine Aufmerksamkeit galt. Sobald er die Showtreppe
       hinunterschritt, war ich von den Haarwurzeln bis in die Zehenspitzen
       entzückt. Ich schaute die Sendung nie neben meinen Eltern auf dem Sofa, ich
       musste stehen, kerzengerade und so nah, wie ich durfte, am Fernseher. Ich
       fand Jörg wahnsinnig witzig. Und charismatisch. Und so adrett. Das ist
       sicher nicht, was mir damals durch den Kopf ging, aber wenn ich mich ganz
       doll anstrenge, meine frühkindlichen Synapsen reaktiviere und parallel das
       Youtube-Video einer alten Sendung anschaue, dann war’s vielleicht das.
       
       Für Sommer 1995 schreibt meine Mutter in eines dieser Bücher, in denen man
       die „Meilensteine“ des Kindes notiert: „Leonie schwärmt für Jörg Draeger
       von ‚Geh aufs Ganze‘. Den kann sie nachmachen: ‚Tor 1, was Sie nicht haben,
       bitte auf!‘ und ‚Wir sehen uns wieder‘, dann verbeugt sie sich.“ Jetzt lese
       ich, dass seine Show neu aufgelegt wurde. Immer freitags auf Sat.1. Jörg,
       wir sehen uns wieder.
       
       Leonie Gubela
       
       2 May 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /A-ha-auf-Tour-in-Deutschland/!5639804
 (DIR) [2] https://www.psychologie-heute.de/beziehung/artikel-detailansicht/41326-geliebtes-schwaermen.html
 (DIR) [3] https://www.dasmili.eu/art/warum-sind-teenies-verrueckt-nach-pop-stars/
 (DIR) [4] https://ixtheo.de/Record/111769528X
 (DIR) [5] https://www.researchgate.net/publication/354101667_Loving_you_from_afar_Attraction_to_others_crushes_among_adults_in_exclusive_relationships_communication_perceived_outcomes_and_expectations_of_future_intimate_involvement
 (DIR) [6] https://www.cambridge.org/core/journals/journal-of-relationships-research/article/abs/roving-eyes-predictors-of-crushes-in-ongoing-romantic-relationships-and-implications-for-relationship-quality/88974FBF6FEB62C39DD30222DE571E33
 (DIR) [7] https://journal.transformativeworks.org/index.php/twc/article/view/2059
 (DIR) [8] https://www.jstor.org/stable/10.5325/reception.6.1.0052
 (DIR) [9] https://www.jetzt.de/maedchenfrage/jungs-wie-schwaermt-ihr-wenn-ihr-schwaermt-488829
 (DIR) [10] https://www.participations.org/Volume%209/Issue%202/15%20Tonya%20Anderson.pdf
       
       ## AUTOREN
       
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       geringste Respekt reicht aus, um sie zum Jubeln zu bringen. Das muss sich
       ändern.
       
 (DIR) Autorin über Leidenschaft: „Ich merke, wenn ich zu weit gehe“
       
       Mit 13 gründete Larissa Bendel den A-ha-Fanclub, ihr Roman über
       Online-Dating ist im Selbstverlag erschienen. Ein Gespräch über planvolles
       Handeln.
       
 (DIR) Verschwörung in der Popkultur: Wissen aus dem inneren Kreis
       
       Kaum jemand ist leichtgläubiger als der Fan. Denn Popmusik appeliert nicht
       an unseren Intellekt, sondern an unseren Arsch.
       
 (DIR) A-ha auf Tour in Deutschland: Mein Coming-out als Fan
       
       Schwärmereien für Stars sind peinlich, fand unsere Autorin mit zwölf.
       Jetzt, Mitte 40, hat sie sich ihre Leidenschaft für A-ha eingestanden.