# taz.de -- Wechsel bei Rosa-Luxemburg-Stiftung: Neuer Job für Ex-Linken-Chef Bernd Riexinger
       
       > Die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung tauscht fast ihre komplette
       > Führungsspitze aus. Bei der Neuwahl geht es ungewohnt turbulent zu.
       
 (IMG) Bild: Bernd Riexinger ist neuer Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS)
       
       Wie sie die Ergebnisse der Mitgliederversammlung der
       Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) vom Wochenende bewertet? Die Antwort von Ines
       Schwerdtner fiel wenig redselig aus. „Ich freue mich über alle, die gewählt
       wurden“, sagte die Linken-Vorsitzende knapp am Montag in der Berliner
       Parteizentrale. Die Aufgaben seien „sehr, sehr groß, die die
       Rosa-Luxemburg-Stiftung da vor sich hat“. Insofern wünsche sie der neuen
       RLS-Spitze „alles Gute dabei“.
       
       Dass Schwerdtner nicht mehr zu dem kleinen Erdbeben zu sagen hatte, das
       sich am Samstag bei der parteinahen Stiftung ereignet hat, ist
       bemerkenswert. Denn bisher waren Wechsel an der Spitze der RLS immer
       geräuschlos schiedlich-friedlich über die Bühne gegangen. Das war diesmal
       anders.
       
       Bei einer turbulenten Mitgliederversammlung wurden sowohl der Vorsitzende
       als auch fast die gesamte weitere Führung der Stiftung ausgetauscht. Neuer
       Vorsitzender ist [1][der frühere Linken-Chef Bernd Riexinger], neue
       Geschäftsführerin Heike Werner, bis zum vergangenen Jahr Ministerin für
       Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie in Thüringen.
       
       Riexinger löst den bisherigen Stiftungsvorsitzenden Heinz Bierbaum ab.
       Eigentlich hätte der 78-jährige Ex-Präsident der Europäischen Linken, der
       seit 2022 der RLS vorstand, gern weitergemacht. Um seine Chancen gegen
       Riexinger zu verbessern, hatte Bierbaum im Tandem mit [2][der
       Ex-Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch] antreten wollen.
       
       ## Keine Doppelspitze mit Gesine Lötzsch
       
       Doch in geheimer Abstimmung entschied sich die Versammlung gegen eine
       Doppelspitze. Nach einer 15-minütigen Auszeit erklärten Bierbaum und
       Lötzsch daraufhin ihren Kandidaturverzicht. Stattdessen stieg der
       Ex-Bundestagsabgeordnete Jan Korte in den Ring, bislang einer der
       stellvertretenden RLS-Vorsitzenden.
       
       Aber Korte verlor mit 51 zu 58 Stimmen gegen Riexinger. Noch deutlicher
       musste sich die bisherige Geschäftsführerin Daniela Trochowski ihrer
       Gegenkandidatin Werner geschlagen geben. Wiedergewählt wurde nur die
       Thüringer Landtagsabgeordnete Lena Saniye Güngör als stellvertretende
       Vorsitzende.
       
       Die ebenfalls in diese Funktion neugewählte Ex-Bundestagsabgeordnete
       Barbara Höll erklärte nach der Niederlage Trochowskis, nun doch nicht mehr
       zur Verfügung zu stehen. Hier steht damit im kommenden Jahr eine Nachwahl
       an.
       
       Hintergrund des Personalwechsels ist zum einen eine tiefe Verunsicherung
       innerhalb der RLS-Belegschaft, die aus der finanziellen Krise resultiert,
       in die die Stiftung aufgrund gesunkener öffentlicher Mittel gerutscht war –
       eine Folge der [3][vormals schlechten Wahlergebnisse] für die Linkspartei.
       
       ## Unzufriedenheit mit der bisherigen Führung
       
       Der Umgang mit dieser Krise, in der zwischenzeitlich sogar betriebsbedingte
       Kündigungen in einem größeren Ausmaß nicht ausgeschlossen waren, hat zu
       einer großen Unzufriedenheit mit der bisherigen Führung geführt. Zum
       anderen gab es Kritik an der zu engen traditionslinken Ausrichtung des
       bisherigen Vorsitzenden Bierbaum.
       
       „Mein Anliegen ist, die Rosa-Luxemburg-Stiftung zu einem wichtigen
       Anziehungspunkt für Gewerkschafter:innen, Aktive in linken sozialen
       Bewegungen und Organisationen sowie linke Intellektuelle auszubauen“, sagte
       der neue Vorsitzende Bernd Riexinger nach seiner Wahl. „Gerade jetzt, wo
       die Regierung Merz einen Generalangriff auf den Sozialstaat fährt, brauchen
       wir eine Stiftung, die Strategien und Konzepte für soziale und
       gesellschaftliche Alternativen liefert.“
       
       Die Stiftung werde nun, so Riexinger weiter, eine Bildungsoffensive starten
       und Debattenräume für linksorientierte und gerade auch junge Menschen
       schaffen und ausbauen.
       
       1 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Linken-Parteichef-Bernd-Riexinger-hoert-auf/!5710599
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 (DIR) [3] /Wahlkatastrophe-fuer-die-Linke/!6038019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
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