# taz.de -- Wahltermin im Kongo genannt: Kabila wird Weihnachtsmann
       
       > Kongos seit einem Jahr überfällige Neuwahlen sollen nun am 23. Dezember
       > 2018 stattfinden. Oppositionelle rufen zu Protesten auf.
       
 (IMG) Bild: US-Diplomatin Nikki Haley verhandelt mit Kongos Wahlkommission, 27. Oktober
       
       Berlin taz | Nächstes Jahr kommt der Weihnachtsmann: Am 23. Dezember 2018,
       so hat es Kongos Unabhängige Nationale Wahlkommission (Ceni) in der
       Hauptstadt Kinshasa am Sonntag verkündet, sollen ein neuer Präsident, ein
       neues Parlament sowie 26 neue Provinzparlamente gewählt werden.
       
       Eigentlich liefen die Amtszeiten von Präsident Joseph Kabila und dem
       Parlament im Dezember 2016 ab, die Provinzparlamente sind schon viele Jahre
       länger überfällig. Aber die Wahlkommission war 2016 nicht zu rechtzeitigen
       Neuwahlen in der Lage. Kabila blieb im Amt – und nach blutig
       niedergeschlagenen Protesten stimmte die Opposition unter Vermittlung der
       katholischen Kirche Wahlen Ende 2017 zu.
       
       Jetzt wird daraus Ende 2018 – mindestens. Denn die Ceni hat das perfekte
       Mittel gefunden, um mit der Wahlvorbereitung nie fertig zu werden: eine
       ewige Neuregistrierung aller Wähler. Das aktuelle Wahlregister aus dem Jahr
       2006 ist hoffnungslos veraltet.
       
       Aber wenn die Wahlkommissare mit ihren biometrischen Registrierungsgeräten
       von einer Provinz zur anderen ziehen, dauert das in dem
       80-Millionen-Einwohner-Land ohne funktionierende Infrastruktur mehrere
       Jahre und am Ende ist das Register schon wieder überholt.
       
       Die Neuregistrierung begann im August 2016. Bis heute ist sie laut Ceni
       erst in 13 der 26 Provinzen abgeschlossen, in elf weiteren „geht sie dem
       Ende zu“ und in zweien läuft sie noch – den Bürgerkriegsprovinzen Kasai und
       Kasai-Central. Dort ging es erst am 12. September dieses Jahres überhaupt
       los.
       
       ## Wahlkommission will Geld aus dem Ausland
       
       Dass die Ceni Wahlen frühestens Ende 2018 anpeilt, war schon die ganze Zeit
       klar, denn ins Wahlregister kommt jeder Kongolese, der bis Ende 2000
       geboren ist, also Ende 2018 volljährig wird. Noch im Oktober hatte die
       Kommission mitgeteilt, nach Ende der Registrierung werde sie 504 Tage bis
       zum Wahltermin benötigen – das klang nach irgendwann 2019, wenn nicht
       später.
       
       Dass daraus jetzt doch Ende 2018 wird, ist internationalem Druck zu
       verdanken. Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, erklärte vorletzte
       Woche in Kinshasa, die Wahlen müssten 2018 stattfinden, sonst werde man sie
       nicht unterstützen. Nun dreht die Ceni den Spieß um: Wenn 2018 gewählt
       werden soll, muss die internationale Gemeinschaft zahlen.
       
       Ceni-Chef Corneille Nangaa warnte am Sonntag, sein Zeitplan sei nur zu
       halten, wenn keine juristischen, logistischen, finanziellen oder
       politischen Probleme auftauchten. Da es im Kongo immer juristische,
       logistische, finanzielle oder politische Probleme gibt, sind nun zahlreiche
       Beobachter davon überzeugt, dass der 23. Dezember 2018 nicht wirklich ernst
       gemeint ist.
       
       Die erste Probe steht sofort an: Bis Ende November soll das Parlament ein
       neues Wahlgesetz verabschieden und die Regierung mit den Geberländern die
       Finanzierung der Wahlen klären. Das erscheint sehr ambitioniert.
       
       Die Wählerregistrierung endet laut Zeitplan Ende Januar 2018, und nach
       Veröffentlichung des überprüften Wahlregisters am 6. April werden innerhalb
       von zwei Wochen die Wahlkreise neu zugeschnitten – eine sehr kurze Frist.
       Und wenn alles fertig ist, werden zwischen Juli und September alle
       „Auslandskongolesen“ registriert – eine neue Streitquelle.
       
       ## Opposition ist sich uneins
       
       Aus Sicht der Opposition bewegt sich all das längst außerhalb der
       Legalität: Kabilas Amtszeit sei längst abgelaufen, er sei nur noch
       geschäftsführend bis zu Wahlen 2017 im Amt, sagt die größte
       Oppositionsallianz „Rassemblement“ und ruft zu Protesten auf.
       
       Doch ihre Forderung nach einem Abtritt Kabilas noch 2017 zugunsten einer
       Übergangsregierung wird von anderen Parteien nicht mitgetragen. Auch sind
       sie sich nicht einig darüber, ob sie weiter in der Wahlkommission
       mitarbeiten sollen. Eine für Montag vormittag angesetzte gemeinsame
       Proessekonferenz wurde daher kurzfristig abgesagt.
       
       Die radikale Jugendgruppe Lucha (Kampf für den Wandel) nennt den
       Wahlkalender eine „Kriegserklärung an das Volk“ und fordert einen Aufstand,
       dem sich das Militär anschließen solle. Für den 15. November ruft sie zu
       landesweiten Demonstrationen auf, für den 28. November – Jahrestag der
       letzten Wahlen im Jahr 2011 – zum Beginn landesweiter Blockadeaktionen, die
       Kabila aus dem Amt drängen sollen.
       
       Am Montag blieben zahlreiche Geschäfte in Kinshasa aus Angst vor Unruhen
       geschlossen.
       
       6 Nov 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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