# taz.de -- Tiktok-Blockade in den USA: Gnadenfrist in Aussicht
       
       > Der App droht in den USA das Aus, wenn sie bis Sonntag nicht den Besitzer
       > wechselt. Doch sowohl Biden als auch Trump scheinen das nicht zu wollen.
       
 (IMG) Bild: Kleinunternehmerin Callie Goodwin hält ein Schild zur Unterstützung von TikTok vor dem Obersten Gerichtshof in Washington
       
       Washington dpa | Für [1][Tiktok] zeichnet sich wenige Tage vor dem
       drohenden Aus in den USA ein Aufschub ab. Der künftige Präsident Donald
       Trump will sich laut einem Vertrauten mehr Zeit für einen Deal rund um die
       Video-App verschaffen. Zugleich signalisiert auch die Regierung des
       scheidenden Staatschefs Joe Biden, dass sie nicht am letzten Tag seiner
       Amtszeit eine Tiktok-Blockade umsetzen will.
       
       Bisher sah es danach aus, dass bei Tiktok am Sonntag mindestens für einen
       Tag die Lichter in den USA ausgehen könnten. Nach einem US-Gesetz zu
       ausländischer Kontrolle über Online-Plattformen läuft dann die Frist von
       270 Tagen für einen Eigentümerwechsel ab. Ist Tiktok dann noch im Besitz
       des in China ansässigen Bytedance-Konzerns, soll die App aus den
       amerikanischen Download-Plattformen von Apple und Google fliegen und den
       Zugang zur Infrastruktur verlieren.
       
       Damit würde Tiktok in den USA zumindest nach und nach unbrauchbar werden.
       Angesichts dieser Aussicht [2][planten die App-Betreiber] einem
       Medienbericht zufolge ein schnelles Ende: Sie stellten sich darauf ein, am
       Sonntag selbst den Stecker zu ziehen, berichtete vor wenigen Tagen die
       Website The Information.
       
       Doch wahrscheinlich wird das gar nicht nötig sein. „Amerikaner sollten sich
       nicht darauf einstellen, dass Tiktok am Sonntag plötzlich verboten wird“,
       sagte ein anonym gebliebener Regierungsvertreter dem TV-Sender NBC. Man
       prüfe Optionen für die entsprechende Umsetzung des Gesetzes. Beim Sender
       ABC war das Weiße Haus noch deutlicher: Die Frist laufe an einem Wochenende
       am Tag vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten ab – „und es wird der
       nächsten Regierung zufallen, das durchzusetzen“.
       
       ## Was kann der Präsident?
       
       Biden kann per Gesetz die Frist für Tiktok um drei Monate verlängern. Als
       Voraussetzung dafür wird allerdings genannt, dass es aussichtsreiche
       Verkaufsverhandlungen gibt – und Tiktok und Bytedance weigerten sich
       bisher, überhaupt über eine Trennung zu sprechen. Doch das Weiße Haus
       signalisiert, dass Tiktok-Schlagzeilen nicht Bidens letzte Tage im Amt
       überschatten sollen.
       
       Das mit Spannung erwartete Urteil des Obersten Gerichts der USA zum
       Tiktok-Gesetz könnte damit nun doch weniger entscheidend sein als
       angenommen.
       
       Trump, der in seiner ersten Amtszeit selbst vergeblich einen Verkauf von
       Tiktok mit einer Verbotsdrohung erzwingen wollte, hat inzwischen ein Herz
       für die Plattform entdeckt. Er sei auf Tiktok erfolgreich und habe im
       Rennen ums Weiße Haus dort viele junge Leute ansprechen können, betonte
       Trump. „Warum sollte ich Tiktok loswerden wollen?“
       
       Ein weiteres Zeichen dafür, wie hoch die Plattform inzwischen in der Gunst
       von Trump steht: Tiktok-Chef Shou Chew soll laut Medienberichten wie auch
       die Chefs der großen amerikanischen Tech-Konzerne auf der Tribüne bei
       Trumps Amtseinführung am Montag sitzen.
       
       ## Wie soll Tiktok weiter funktionieren?
       
       Auch der Präsident muss sich eigentlich dem Gesetz beugen – doch sein Lager
       lotet bereits den rechtlichen Spielraum aus. „Wir werden Maßnahmen
       ergreifen, die dafür sorgen, dass Tiktok nicht ausgeht“, sagte Trumps
       künftiger Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz dem Fernsehsender Fox
       News. Trump solle dadurch mehr Zeit bekommen, einen Deal einzufädeln.
       
       Waltz hatte im vergangenen Jahr als Kongressabgeordneter der Republikaner
       selbst für das Gesetz gestimmt. Noch vor einem Jahr hatte er gesagt, man
       müsse China den Zugang zu Millionen Amerikanern für Propaganda und
       Datensammlung nehmen.
       
       Jetzt versicherte Waltz immer noch, dass Trump die Daten der US-Nutzer
       schützen wolle. „Die Konservativen wollen ganz bestimmt nicht, dass
       chinesische Kommunisten ihre Passwörter und Daten bekommen und das
       amerikanische Volk beeinflussen können“, sagte er.
       
       In den USA wird davor gewarnt, dass die chinesische Regierung über Tiktok
       Zugang zu Daten von US-Nutzern bekommen und die Plattform für Propaganda
       missbrauchen könne. Tiktok und Bytedance weisen das zurück. Die
       Kongressmitglieder in Senat und Abgeordnetenhaus hatten vertrauliche
       Briefings zu den Risiken rund um Tiktok bekommen, öffentlich machte die
       US-Regierung die Belege für Vorwürfe gegen die App jedoch nicht.
       
       17 Jan 2025
       
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