# taz.de -- Streik im Krankenhaus: Scharfe Töne bei Vivantes
       
       > Im Arbeitskampf der Vivantes Service GmbH verhärten sich die Fronten.
       > Verdi sagt, es sei den Streikenden sogar mit der Polizei gedroht worden.
       
 (IMG) Bild: Solidarität mit Leidtragenden: VSGler beim Besuch bei protestierenden Feuerwehrleuten (April 2018) vor dem Roten Rathaus
       
       Seit über sechs Wochen streiken die Mitarbeitenden der Vivantes Service
       GmbH (VSG), nun wird der Ton schärfer. Verdi sei beim Klinikum Spandau mit
       Hausverbot und Polizei gedroht worden, berichtet Janine Balder, die
       zuständige Gewerkschaftssekretärin. Holger Steinmetz von der Streikleitung
       sagt, sie hätten dem Arbeitgeber ein Angebot gemacht, der reagiere aber
       überhaupt nicht mehr. „Wir werden von der Geschäftsführung vorsätzlich
       ignoriert.“
       
       Der Klinikkonzern Vivantes, zu dem die VSG gehört, weist diese Vorwürfe
       zurück. In Spandau habe es massive Lärmbeschwerden von Patienten gegeben,
       Verdi sei der Aufforderung, das Gelände zu verlassen, nicht nachgekommen,
       so Sprecherin Kristina Tschenett. „Vivantes hat letztlich jedoch darauf
       verzichtet, das Hausrecht auszuüben.“
       
       Die Vivantes Service GmbH kümmert sich in den Vivantes-Kliniken um
       nichtmedizinische Aufgaben wie Patiententransporte oder die Sterilisation
       von Geräten. Die Firma entstand zu Zeiten der Sparpolitik unter Rot-Rot:
       Landeseigene Unternehmen gründeten damals Tochtergesellschaften, um
       Personalkosten zu sparen – für deren Beschäftigte gilt der Tarifvertrag für
       den öffentlichen Dienst nicht mehr. Für die 340 MitarbeiterInnen der VSG
       heißt das: Sie machen zwar die gleiche Arbeit wie rund 600 KollegInnen, die
       direkt bei Vivantes angestellt sind, aber zu deutlich schlechteren
       Bedingungen. Laut Verdi beträgt der Gehaltsunterschied bis zu 800 Euro
       netto pro Monat.
       
       Das will die Gewerkschaft ändern – und fordert von der Geschäftsführung
       einen Haustarifvertrag, der schrittweise zu einer Angleichung an das Niveau
       des öffentlichen Dienstes führen soll. Die Arbeitgeberseite hat ein Angebot
       vorgelegt mit jährlichen Gehaltssteigerungen, allerdings nicht orientiert
       am öffentlichen Dienst, sondern an niedrigeren, branchenüblichen
       Servicetarifen.
       
       ## Was macht der Senat?
       
       Verdi will sich damit nicht zufrieden geben. Die Gewerkschaft beharrt auf
       einer Angleichung an die Löhne der Vivantes-Beschäftigten und weiß dabei –
       zumindest theoretisch – den Senat hinter sich. Im Koalitionsvertrag steht,
       dass sich Rot-Rot-Grün für eine Angleichung der Bedingungen in
       Landesunternehmen und ihren Tochterunternehmen einsetzen will.
       
       Das versicherte vergangene Woche auch der Regierende Bürgermeister Michael
       Müller (SPD); er sprach dabei von „Übergangszeiten“. Er wirke auf neue
       Gespräche hin, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD),
       Aufsichtsratsvorsitzender von Vivantes. Und fügte hinzu: Es sei die
       Gewerkschaft gewesen, die die Gespräche abgebrochen habe, nicht die Klinik.
       
       Das stimme nicht, sagt Streikleiter Steinmetz. „Lippenbekenntnisse vom
       Senat hatten die Streikenden in den letzten Monaten genug. Jetzt müssen
       Taten folgen!“, fordert Janine Balder von Verdi. Laut der Gewerkschaft ist
       der derzeitige Streik der längste, den es bei Vivantes bisher gab. In der
       Hoffnung, die Geschäftsführung doch noch zum Einlenken bewegen zu können,
       demonstrierten die VSG-Mitarbeitenden am Mittwoch vor der Finanzverwaltung
       und vor dem Roten Rathaus. Am heutigen Donnerstag geht es weiter am
       Klinikum im Friedrichshain.
       
       24 May 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Antje Lang-Lendorff
 (DIR) Susanne Memarnia
       
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