# taz.de -- Reaktionen auf Trumps Nato-Aussage: Übers Stöckchen gesprungen
       
       > Die Aufregung über die Warnung des ehemaligen US-Präsidenten Trump an
       > Nato-Mitglieder ist fehl am Platz. Der Nuklearschirm der USA wird nicht
       > angetastet.
       
 (IMG) Bild: Hier lagern Atombomben: ein Bundeswehr-Tornado auf der Startbahn des Fliegerhorsts Büchel in der Eifel
       
       Was ist nur in die europäischen Politiker gefahren? Da wirft ihnen Donald
       Trump ein Stöckchen hin, und alle springen drüber. Dabei ist das Stöckchen
       schon einige Jahre alt. Was Trump bei seinem Wahlkampfauftritt in South
       Carolina über die Nato und die angeblich säumigen Europäer erzählt hat, war
       keine Ankündigung, sondern eine schmutzige Anekdote aus seiner ersten
       Amtszeit. Mit Atomwaffen hatte diese dumme Erzählung nichts, aber auch gar
       nichts zu tun.
       
       Vielmehr ging es um Trumps Obsession von einer imaginären „Rechnung“, die
       die Europäer zahlen müssten („pay the bill“) – ein altes, irreführendes und
       mittlerweile erledigtes Thema, wie die jüngsten Zahlen der Nato zeigen.
       [1][Deutschland hat massiv aufgerüstet], die meisten anderen Alliierten
       auch. Dennoch fantasieren Politiker und Politikerinnen eine katastrophale
       Lage herbei, in der sich Europa mit eigenen Atomwaffen vor Russland
       schützen muss, weil der Nuklearschirm der USA nicht hält.
       
       Geht’s noch? Von der atomaren Abschreckung hat Trump überhaupt nicht
       geredet, und die sogenannte nukleare Teilhabe der Europäer in der Nato
       steht auch nicht infrage. Zudem gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass
       die Abschreckung nicht funktioniert. Was allerdings nicht funktioniert, ist
       die Strategie des Westens in der Ukraine, wie die gescheiterte
       Gegenoffensive im vergangenen Jahr gezeigt hat. Die [2][aktuellen
       Nato-Beratungen] konzentrieren sich denn auch auf die Ukraine.
       
       Trump und die Nuklearstrategie sind nur lästige Nebenkriegsschauplätze. Was
       also treibt Manfred Weber, Katarina Barley und [3][Christian Lindner] dazu,
       jetzt über eine europäische Atombombe zu reden? Ist es der Versuch, von den
       wachsenden Problemen in der Ukraine abzulenken? Oder geht es doch irgendwie
       um Trump und die Angst vor einem unberechenbaren Amerika? Klar ist nur,
       dass die betroffenen Politiker und Politikerinnen weder sich selbst noch
       der Sache einen Gefallen tun.
       
       ## Fehlende Strategie für die Ukraine
       
       Deutschland hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, die SPD hat bei
       ihrer Wahl atomare Abrüstung in Europa versprochen. Wer jetzt über eine
       deutsche oder europäische Bombe schwadroniert, bricht das Recht und
       verspielt Vertrauen. Seriöse Sicherheitspolitiker sollten nicht über Trumps
       Stöckchen springen oder Endzeitfantasien entwickeln – sondern sagen, wie es
       weitergeht.
       
       Doch dazu schweigen sich die Verantwortlichen aus. Deutschland und die EU
       haben keine Strategie für den zunehmend hoffnungslosen Krieg in der Ukraine
       und keinen Plan für den Umgang mit der wankenden Weltmacht USA. Das sollte
       uns mehr Sorgen machen als irgendwelche Wahlkampfsprüche von Donald Trump.
       
       14 Feb 2024
       
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