# taz.de -- Nachruf auf Rapper Sensational: Die Großen des Hip-Hops schätzten ihn sehr
       
       > Kompromisslos bis zum Schluss, war der Rapper Sensational ein genialer
       > Brückenbauer, der auch gern mit Elektronikproduzenten arbeitete. Ein
       > Nachruf.
       
 (IMG) Bild: Der Rapper Sensational (1974–2026) war ein unkonventioneller Künstler
       
       Hip-Hop hat einen seiner großen Charismatiker verloren, Sensational,
       bürgerlich Colin Julius Bopp, ist tot. Geboren wurde er am 18. Oktober 1974
       in New York. Sensational tauchte erstmals 1993 auf, als Featuregast für
       einen Track der Jungle Brothers, damals firmierte er noch unter dem Alias
       Torture.
       
       Der Künstler flog damals noch ziemlich unter dem Radar. Mehr Aufmerksamkeit
       bekam er Ende der 1990er für seine Alben auf dem New Yorker
       Avantgarde-Hip-Hop-Label WordSound. Sein Soloalbumdebüt „Loaded with Power“
       erschien 1997. Der Sound klingt nach einer Nacht in einem kleinen dunklen
       Zimmer, einem Vierspurtape und einem billigen Mikrofon direkt am Mund. Mit
       seiner LoFi-Ästhetik, fragmentierten Rhythmen und hingeworfenen und
       frickeligen Flows etabliert es Sensationals Stil. Ein Track darauf heißt
       passenderweise „Freakstyler“.
       
       In dem sehenswerten Dokumentarfilm „The Rise and Fall of Sensational“ wird
       der Künstler porträtiert. Laut dem umtriebigen Bassisten und Produzenten
       Bill Laswell, der den Jungle Brothers und Sensational Zugang zu seinem
       Studio und seiner Plattensammlung gab, hatte der Rapper einen radikalen
       Musikgeschmack: Free Jazz, alter Blues, alles, nur eben fast nichts von dem
       handelsüblichen Funk, aus dem der meiste frühe Hip-Hop seine Inspiration
       und Samples bezog.
       
       ## Ein gern gesehener Gast
       
       Sensational war Produzent und Rapper, als Rapper aber war er wahrnehmbarer;
       seine markante nasale Stimme machte ihn unverkennbar, seine radikale
       Offness fanden die einen genial, die anderen stümperhaft, aber viele der
       Großen des Hip-Hops wie zum Beispiel der [1][Produzent Prince Paul]
       schätzten Sensational gerade deshalb sehr und luden ihn immer wieder als
       Gast ein.
       
       Sensationals Fangemeinde reichte weit über die Hip-Hop-Szene hinaus,
       wahrscheinlich wegen seiner Unkonventionalität. Seine Stimme ist in den
       Zehnerjahren auf experimentellen Elektronik- und Dancefloorplatten zu
       hören. Unter anderem hat er mit dem Elektronikproduzenten Kid606 gearbeitet
       und dem japanischen Illustrator Kouhei Matsunaga. Auf dem wunderbaren Album
       „Sensational Meets Kouhei“ sind zwei Remixe des [2][britischen
       Elektronikduos Autechre] zu finden. Eine ganze Reihe von jungen
       Non-Hip-Hop-Produzenten konnten sich für ihn begeistern.
       
       Das viele Grasrauchen wird ihn sicher nicht stabiler gemacht haben, dann
       kam Crack, er flog aus seiner Wohnung, verkaufte sein Equipment, um Geld
       für Drogen zu bekommen. Er wurde wieder clean, blieb aber obdachlos. Trotz
       allem blieb Sensational immer ein Künstler, kompromisslos bis zum Schluss,
       mit allen existentiellen Härten, die so ein Lebensweg mit sich bringt.
       
       Sein Tod wurde am 11. August gemeldet. Manche meinen, Sensational sei auf
       dem Olymp gewesen, um dann in die Hölle abzustürzen. Sicher ist: Wenn es
       einen Hip-Hop-Himmel gibt, dann ist Sensational jetzt dort. Als Rapper hat
       er gezeigt, wie weit Hip-Hop reichen kann. You are sensational. Rest in
       peace.
       
       14 Aug 2026
       
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