# taz.de -- Nachruf auf Rap-Pionier Afrika Bambaataa: Der perfekte Beat und der defekte Mensch
       
       > US-HipHop-Pionier Afrika Bambaataa ist tot. Mit der Zulu Nation konnte er
       > Ganggewalt beenden. Später wurde er des sexuellen Missbrauchs überführt.
       
 (IMG) Bild: Afrika Bambaataa
       
       Der HipHop-Pionier Afrika Bambaataa ist tot. Er starb am 9. April 2026 an
       Krebs. Geboren wurde er als Lance Taylor, aufgewachsen ist er in der New
       Yorker Bronx.
       
       Bambaataa war nach eigenen Angaben zunächst ein Warlord der Straßengang
       Black Spades. 1973 hat er dann die Universal Zulu Nation gegründet. Die
       Zulu-Nation sei die Organisation gewesen, die HipHop-Kultur als Möglichkeit
       etablierte, um die scheinbar ausweglose Gewalt auf den Straßen der Bronx zu
       überwinden, soweit die offizielle Überlieferung. „Peace love unity and
       having fun“ heißt es in der Punchline des Songs „Unity“ den Bambaataa 1984
       zusammen mit seinem Helden James Brown aufgenommen hat.
       
       Es ist wohl zu großem Teil ihm und seiner Organisation zu verdanken, dass
       [1][HipHop als Kulturform] und nicht ausschließlich als Musik betrachtet
       wird. Die Universal Zulu Nation brachte die reine HipHop-Lehre in die Welt,
       aus fünf Elementen sollte die HipHop-Kultur bestehen: DJing, MCing,
       (DJ-Kunst und Sprechgesang, mal so direkt wie möglich ins Deutsche
       übertragen), Breakdancing, Graffiti (diese Begriffe dürfte man als bekannt
       voraussetzen) und Wissen (eh klar).
       
       Damit kam Organisation, Definition und Schlagkraft in die Sache, aber eben
       auch Beharrung und Dogmatik. Wie gut oder wie schlecht das für HipHop war,
       bleibt Ansichtssache. Nach Bambaataas Aussage war es die Universal Zulu
       Nation, die diesem „neuen Ding“ den Namen gab: HipHop. HipHop war bis dahin
       lediglich ein phonetisch-rhythmisches Klischee früher Rap-Reime gewesen.
       
       ## „L'État, c'est moi“
       
       Wie sehr das Verhältnis von Bambaataa zur Zulu Nation das eines „L'État,
       c'est moi“ war, lässt sich von außen nicht sagen. Bambaataa war klar
       erkennbar macht- und selbstbewusst. Er ließ sich auch von anderen
       „Godfather of HipHop“ oder auch „Amun-Ra of Universal HipHop Culture“
       nennen. Die Zulu Nation ist ein bisschen Staat und Kirche in einem.
       
       In einem Interview der HipHop-Plattform Vlad-TV sagte Bambaataa über sich
       selbst: „I'm just a humble brother, who's been doing it since the beginning
       of it, trying to teach and wake up the community.“ Er ist einer der ersten
       HipHop-DJs, aber nicht der erste, diese Ehre geht an Kool DJ Herc.
       Bambaataa habe Kool Herc in den frühen 1970ern auflegen hören und sei zu
       der Erkenntnis gelangt, dass auch er könne, was Kool Herc konnte, „ich war
       sogar noch besser als Herc“.
       
       Bambaataa brachte als DJ aber keine technische Innovation hervor wie die
       DJ-Pioniere Grand Wizard Theodore und Grandmaster Flash, aber an der
       Wertschätzung für das musikalisch Progressive und Ungewöhnliche, die in
       HipHop mitangelegt ist, hat Afrika Bambaataa unbestreitbar großen Anteil.
       Er konnte die rechtwinklige Elektronik von Kraftwerk mit dem Funk von James
       Brown zusammen denken.
       
       „Als Musikstil transportiert Dich HipHop überallhin, vom Weltraum hin zur
       Sphäre der Politik und weiter zur Stand-Up-Comedy.“ Bambaataa hatte eine
       Mission: „Looking for the perfect Beat“ hieß sinnigerweise eine seiner
       Singles. Musikalisch ist sein bekanntester Beitrag zum Genre der Track
       „Planet Rock“ von 1982
       
       ## Die kulturelle Superpower und die Verantwortungslosigkeit
       
       HipHop ist schon lange eine kulturelle Superpower, und wie man spätestens
       seit Spiderman weiß: „With great power comes great responsibility.“
       
       Afrika Bambaataa ist seiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Ronald
       Savage, 50, der während seiner Zeit bei der Universal Zulu Nation als Bee
       Stinger bekannt war, sagt, er sei 1980 als 15-Jähriger von Afrika Bambaataa
       sexuell missbraucht worden. Er bleibt nicht der einzige, der solche
       Vorwürfe erhoben hat. Verurteilt wurde Bambaataa nie, aber die Vorwürfe
       gegen ihn wiegen schwer und klingen legitim.
       
       Der New Yorker Rapper und Zeitzeuge Melle Mel (Mitglied von [2][Grandmaster
       Flash and the Furious Five]) sagte 2021 in einem Interview: „Es war sowas
       wie ein offenes HipHop-Geheimnis, (…) alle wussten es und die Tatsache
       stand die ganze Zeit im Raum: Bam hat sich schuldig gemacht.“ Was macht man
       jetzt damit?
       
       13 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausstellung-50-Jahre-HipHop-in-New-York/!5949715
 (DIR) [2] /Wissenschaftsbegruender/!654327
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Henrik von Holtum
       
       ## TAGS
       
 (DIR) HipHop
 (DIR) Nachruf
 (DIR) Pop
 (DIR) HipHop
 (DIR) Kraftwerk
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) HipHop-Ausstellung in Frankfurt: So progressiv, das alte Königreich
       
       Die Frankfurter Schirn Kunsthalle feiert in der Ausstellung „The Culture“
       HipHop-Musik als Antrieb für die Künste – und bleibt in den USA haften.
       
 (DIR) Nachruf auf Florian Schneider-Esleben: Fahr'n, fahr'n, fahr'n
       
       Florian Schneider-Esleben ist tot. Das Mastermind der Düsseldorfer
       Elektronikpopband Kraftwerk ist an einem Krebsleiden gestorben.
       
 (DIR) Interview mit Rapper Nas: "Reggae hat mich beeinflusst"
       
       Nas und Reggae-Musiker Damian Marley haben gemeinsam ein Album
       veröffentlicht: "Distant Relatives". Nas über seine musikalischen Wurzeln
       und jamaikanische Einflüsse im HipHop.