# taz.de -- Kommentar Mehdorn tritt zurück: Endlich!
       
       > Der Rücktritt Mehdorns war überfällig. Die Kunden der Bahn können
       > aufatmen. Wie kein anderer hat Mehdorn den Typus des bösen Managers
       > verkörpert.
       
 (IMG) Bild: Airbus-Chef Thomas Enders soll Merkels Kandidat gewesen sein. Regierungssprecher Wilhelm dementierte das.
       
       Nur in den seltensten Fällen gibt es ein Ereignis, bei dem die Bevölkerung
       des ganzen Landes quasi kollektiv zustimmen wird. Am Montagmittag aber gab
       es einen dieser raren Momente. Bahnchef Hartmut Mehdorn warf das Handtuch.
       
       Ein zutiefst erleichtertes "Endlich!" dürfte auf Bahnsteigen und
       Güterbahnhöfen erschallt sein, auch in den Fußgängerzonen und Wohnzimmern.
       Der Rücktritt war überfällig. Der Mann galt nicht nur unter Bahnfahrern und
       Bahnangestellten als Hassfigur. Mehdorn stand stellvertretend für viele
       andere als die Verkörperung des bösen Managers.
       
       Nun zählt es nicht zu den Arbeitsplatzanforderungen eines Managers,
       besonders beliebt zu sein. Und schließlich muss man Mehdorn zugute halten,
       dass er gewiss nicht persönlich für jede einzelne Verspätung verantwortlich
       war.
       
       Aber Hartmut Mehdorn hat eine schier unglaubliche Kette von Fehlern
       begangen: Unsinnige Fahrpreisgestaltungen und eine gerade noch verhinderte
       Servicegebühr sind das, woran sich vor allem die Kunden erinnern werden.
       
       Lokführer werden von zutiefst ungerechten Lohnvorstellungen erzählen. Auch
       die Zerstörung eines Großteils der Bahn-Infrastruktur geht auf Mehdorns
       Konto. Die Krönung war die Bespitzelung sämtlicher Bahnmitarbeiter, um zu
       prüfen, ob diese etwa mit Journalisten in Verbindung stünden.
       
       Gescheitert allerdings ist Mehdorn an keinem dieser Skandale. Seinen Job
       ist Mehdorn losgeworden, weil die Politik ihm die Unterstützung bei der
       Bahn-Privatisierung entzog. Und das wiederum war nicht Folge innerer
       Einsicht, sondern der Wirtschaftskrise.
       
       Eine Privatisierung der Deutschen Bahn - Mehdorns Lieblingsidee - ist kurz
       vor einer Bundestagswahl und angesichts der Krise weder der Bevölkerung
       vermittelbar, noch würde diese eine adäquate Geldsumme in die öffentlichen
       Kassen spülen. Also wurde sie abgesagt. Und deshalb konnte die Politik
       dieses Mal auf Mehdorn verzichten.
       
       Für die Zukunft entscheidend wird sein, ob sich Politiker und Manager
       besinnen, die Bahn wieder als ein Teil des öffentlichen Guts zu begreifen.
       Eines, das nicht Profitinteressen unterliegen darf.
       
       Möglich aber wäre, dass die Politik über kurz oder lang wieder die
       Privatisierungspläne aus der Schublade ziehen wird. Dann bliebe der Abgang
       Mehdorns nur eine Personalie.
       
       30 Mar 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Hillenbrand
       
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