# taz.de -- Irak nach dem Tod von Soleimani: Angst vor dem Bürgerkrieg
       
       > Seit Wochen demonstrieren Menschen im Irak gegen die Regierung. Der Tod
       > des iranischen Generals Qasim Soleimani lässt sie jubeln – und fürchten.
       
 (IMG) Bild: Regierungskritische Demonstranten in Bagdad: „Warum mussten sie ihn hier umbringen?“
       
       Bern taz | „Wir stehen unter Schock“, sagt Ahmed al-Darajji am Telefon. Es
       ist Sonntagmittag, al-Darajji ist auf dem Rückweg nach Bagdad. Eben war er
       noch im Süden des Irak, wo es zur gleichen Zeit zu Zusammenstößen zwischen
       Anhängern des getöteten iranischen Generals [1][Qasim Soleimani] und
       [2][Demonstranten] kam, die seit Wochen auf dem zentralen Platz von
       Nasirija campieren. Nachdem die Demonstranten Soleimanis Anhänger nicht auf
       den Platz lassen wollten, hätten diese angefangen, auf die Protestierenden
       zu schießen, sagt al-Darajji.
       
       Seit die USA Soleimani in der Nähe des Flughafens Bagdad [3][umbrachten],
       seien die Iraker wie paralysiert, sagt al-Darajji. Viele hätten Angst, dass
       ihnen [4][ein neuer Krieg droht]. Ahmed al-Darajji gehört zu jenen Leuten,
       die seit Oktober gegen die aktuelle Regierung demonstrieren.
       
       Für sie ist klar, dass nicht nur die irakische Regierung mit allen Mitteln
       versucht, die Protestbewegung niederzuschlagen. Auch das iranische Regime
       sieht in ihr eine Gefahr für seinen Einfluss im Nachbarland. Über
       Soleimanis Tod sei er zwar glücklich, sagt al-Darajji. Schließlich sehen
       viele hier in ihm den Hauptverantwortlichen für Irans Einfluss im Irak:
       „Aber warum mussten sie ihn hier umbringen? Wir wollen keinen neuen Krieg.“
       
       An ihren Forderungen wollen die Demonstranten trotz allem festhalten:
       Neuwahlen und einen Premierminister, der unabhängig ist von den derzeit
       herrschenden Parteien.
       
       ## Die Bewegung kann zwischen die Fronten geraten
       
       Gleichzeitig machen sich die Folgen der Tötung Soleimanis bereits
       bemerkbar. „Die Drohungen der Milizen gegen uns haben massiv zugenommen“,
       sagt Bassam al-Rubaie, der seit Wochen fast jeden Tag auf dem Tahrir-Platz
       in Bagdad demonstriert. „Manche Leute erhalten fünf Anrufe pro Tag mit
       Todesdrohungen.“ Dies bestätigt auch al-Darajji. „Die Gefahr besteht, dass
       die proiranischen Kräfte im Irak uns jetzt als Allianz der Amerikaner
       sehen. Wir werden umso mehr zum Ziel von Angriffen werden.“
       
       Dabei hatte die Protestbewegung, die trotz massiver Repression mehrheitlich
       friedlich blieb, stets ihre Unabhängigkeit von jeglichen ausländischen
       Kräften betont. Doch mit der Tötung Soleimanis steigt die Gefahr, dass sich
       der Iran und seine Allianzen im Irak und die USA auf irakischem Boden mit
       gezielten Angriffen bekämpfen – und die Protestbewegung zwischen die
       Fronten gerät.
       
       Am Sonntag hat das irakische Parlament die Regierung in einer nicht
       bindenden Resolution aufgefordert, die Präsenz ausländischer Truppen im
       Irak zu beenden.
       
       Derzeit warten alle ab, was passiert. Doch selbst wenn viele Aktivisten
       froh sind, dass Soleimani tot ist – sie wissen, dass seine Tötung durch die
       USA für ihren Kampf kaum Gutes bringen wird. „Die Anspannung vor allem im
       Süden ist sehr hoch“, sagt al-Darajji. Fast jeder Haushalt besitze Waffen.
       Je mehr Menschen durch die Milizen umgebracht würden, desto höher das
       Risiko, dass Anhänger der Protestbewegung sich mit Waffen zur Wehr setzen.
       
       5 Jan 2020
       
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 (DIR) Meret Michel
       
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