# taz.de -- Heizungsgesetz der Ampelkoalition: Kein Schnäppchen für jederman
       
       > 70 Prozent Rabatt ist ein tolles Angebot. Nur dumm, dass man für die neue
       > Heizung auch eine passende Immobilie braucht.
       
 (IMG) Bild: Motiv aus der Schnäppchenrepublik
       
       Die Minderjährige, die zu meiner Hausgemeinschaft gehört, schaut manchmal
       aus Versehen Nachrichten mit mir. Zum Beispiel, weil es gerade zu
       anstrengend ist, vom Sofa aufzustehen. Diese Woche also einen ausführlichen
       Bericht über [1][das neue Heizungsgesetz] beziehungsweise über den neusten
       Entwurf der neuen Version, auf die man sich in der alleroberneusten
       Koalitionsstreitschlichtung geeinigt hat.
       
       Während ich gerade überlege, ob ich nicht aus dem Journalismus aussteigen
       sollte, um mich nach intensivem, möglicherweise mehrjährigem
       Gesetzesstudium als Sachverständige für das neue Heizungsgesetz
       selbstständig zu machen, wird man hellhörig in der Sofaecke. Denn wer schon
       in den nächsten fünf Jahren eine [2][Wärmepumpe] in sein Haus einbaut,
       bekommt bis zu 70 Prozent dazu. 70 Prozent! Frühbucherrabatt! Diese Worte
       sind einfach elektrisierend in der Schnäppchenrepublik Deutschland.
       
       Auch die Minderjährige und ich würden sofort eine Wärmepumpe kaufen. Leider
       fehlt uns eine dazu passende Immobilie. Frühbucherrabatte sind
       zugegebenermaßen ohnehin nicht meine Stärke; es bleiben stets Zweifel, ob
       nicht vielleicht doch noch ein anderes, besseres Angebot daherkommt. Wie
       ungünstig sich eine frühe Entscheidung auswirken kann, ist schließlich
       gerade an der CDU zu beobachten.
       
       Die Christdemokraten waren überzeugt, mit [3][Friedrich Merz] als neuem
       Parteichef ein Schnäppchen gemacht zu haben. Wer früh bucht, kann seinen
       Kandidaten bis zum nächsten Wahlkampf wunderbar aufbauen und präsentieren.
       Die Menschen können ihn mit all seinen Stärken kennenlernen. Zum Beispiel
       seiner Fähigkeit, die AfD zu halbieren. Oder die CDU wieder dauerhaft auf
       über 30 Prozent zu bringen. Oder die Flügelkämpfe in seiner Partei zu
       beenden.
       
       Tja, und dann stellte sich heraus, dass Merz doch kein Schnäppchen war. Es
       ist, als hätte die CDU ein Hotelzimmer mit Blick auf den Parkplatz gebucht,
       auf dem gerade noch gebaut wird. Zum Meer fährt einmal am Tag ein Bus, und
       in der Lobby laufen den ganzen Tag „[4][Du hast den Farbfilm vergessen]“
       von Nina Hagen und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef –
       Angela Merkels Lieblingslieder.
       
       ## Bald Schnee von gestern
       
       Auch Heizungshabeck ist im Augenblick kein Freund früher Festlegungen mehr.
       Zuerst einmal soll Schnäppchendeutschland ganz viele zu 70 Prozent
       ermäßigte Wärmepumpen kaufen. Anschließend sollen die Menschen den ganzen
       Schlamassel rund um das Heizungsgesetz mal ganz schnell vergessen – hat bei
       [5][Annalena Baerbock und ihrem von Plagiaten] geschönten Lebenslauf sowie
       von üppigen Sonderzahlungen der Partei geprägten Wahlkampf schließlich auch
       ganz gut geklappt.
       
       Und dann soll die Partei in einer Urabstimmung über die nächste
       Kanzlerkandidatur 2025 entscheiden. Apropos Kanzler: Olaf Scholz ist ein
       viel beschäftigter Mann, dem oft vorgehalten wird, sich zu wenig in der
       Öffentlichkeit zu zeigen. Manche würden sagen: Danke, Herr Kanzler. Aber
       andere finden ihn tatsächlich gut und haben sich an das Scholzige gewöhnt,
       zumal man immer schon weiß, was er gleich sagen wird. Eine beruhigende
       Vorhersehbarkeit in einer beunruhigenden Welt.
       
       Bei [6][künstlicher Intelligenz] habe ich deshalb schon immer an Scholz
       gedacht: In Wahrheit spuckt bestimmt eine Maschine diese Scholz-Sätze aus.
       Der KI-Pionier Jürgen Schmidhuber hat mich diese Woche bei Markus Lanz
       allerdings eines Besseren belehrt. Bei KI geht es darum, Maschinen zu
       schaffen, die lernfähig sind und intelligenter als der Mensch. Kurzum: Olaf
       Scholz ist definitiv Olaf Scholz.
       
       Die Minderjährige würde eine solche KI-Maschine gerne schon jetzt früh
       buchen. Nie wieder Hausaufgaben, Referate oder sich durch lange Texte
       quälen. Und ein niedlicher Roboter, der das Katzenklo sauber macht, den
       Hund ausführt und die Klamotten vom Boden aufliest, braucht sie natürlich
       auch. Schön wäre, wenn dieses KI-Gerät im Duktus und mit der Stimme ihrer
       Mutter spräche. Auf diese Weise bräuchte sie sich gar nicht erst
       umzugewöhnen.
       
       1 Jul 2023
       
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