# taz.de -- Günstige Sitzplätze bei DB: Schafft die Bahnreservierungen einfach ganz ab!
       
       > Die Bahn gerät mit der Preiserhöhung bei Platzreservierungen ausgerechnet
       > für Familien in die Kritik. Nötig sind die sicheren Plätze nur für
       > wenige.
       
 (IMG) Bild: Null Toleranz: Manche Zugreisende ertragen Kinder nur, wenn diese schlafen (Symbolfoto)
       
       Nächste Woche darf ich allein Bahn fahren, ohne Kinder, ohne krächzende
       „Ihr Kinderwagen versperrt den Durchgang“-Durchsagen gefolgt von
       genervt-verzweifelten „Aber wo soll er denn hin?“-Antworten, ohne dumpfe
       Blicke und nett gemeinte Erziehungstipps.
       
       Beziehungsweise: All das werde ich wahrscheinlich erleben. Aber ich werde
       nicht als Protagonist dafür zuständig sein, sondern nur als jemand, der
       genießen kann und nicht drängeln muss, der in zugewandter, aber nicht
       übergriffiger Gleichgültigkeit sich eh irgendwann im Bordbistro
       niederlässt. Trotz [1][Andi Scheuer] und anderer CSU-Verkehrsminister ist
       Bahn fahren für erwachsene Alleinreisende nämlich immer noch das: eine
       Wohltat – zumindest im Vergleich zu zehn Minuten auf einer deutschen
       Autobahn.
       
       Eine italienische Mutter hat sich diese Woche [2][mit einem Brief an die
       Zeitung Corriere della sera gewandt] und eine Reise von Rom nach Mailand
       mit ihren Kindern beschrieben. Giacomo, 6, und Filippo, 7, schreibt sie,
       schlafen, spielen und lesen, aber sie stehen tatsächlich auch mal auf!
       Einmal streift Giacomo dabei mit seinem Fuß das Bein des vierten Passagiers
       am Tisch. Die Mutter entschuldigt sich sofort, aber aus dem Mitfahrer
       platzt es jetzt heraus, er habe drei Stunden lang das Unerträgliche
       ertragen, die Schuld liege nicht bei den Kindern, sondern bei den Eltern.
       
       Am Ende des Briefs schreibt die Mutter: „Wenn die Toleranzschwelle für die
       Anwesenheit von zwei oder mehr Kindern und für die entstehenden
       Unannehmlichkeiten so niedrig ist, dann verdienen wir vielleicht wirklich
       die Ausrottung.“ Na ja, es ist eher ein langsames Aussterben: 2024 wurden
       in Italien statistisch [3][1,18 Kinder pro Frau geboren, der niedrigste
       Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Es gibt inzwischen mehr über
       80-Jährige als Kinder unter zehn Jahren.]
       
       Ich denke bei der Sache an die hiesige Debatte über die Abschaffung der
       Familienreservierung und schlage vor: Reservierungen grundsätzlich
       abschaffen. Menschen über 80, unter zehn und andere mit Einschränkungen,
       inklusive ihrer jeweiligen Betreuungspersonen, erhalten schlicht zuerst
       Zugzugang. Alle anderen Erwachsenen verhalten sich wie Erwachsene:
       rücksichtsvoll, auch mal stehend und auf jeden Fall in Vorfreude auf eine
       Zugfahrt, bei der sie nur für das eigene Glück verantwortlich sind.
       
       22 Jun 2025
       
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