# taz.de -- Gasleitung nach China: Putins Rohrkrepierer
> Russland möchte eine weitere Gaspipeline nach China bauen. Doch
> Fortschritte gab es dazu beim Gipfel in Peking nicht. Putin rennt die
> Zeit davon.
(IMG) Bild: Chinesisch-russische Freundschaft: Konstruktion einer Erdgas-Pipeline im Norden Chinas im Jahr 2020
Reinfall für den russischen Machthaber Wladimir Putin: Sein seit 20 Jahren
währender Versuch, China künftig über eine weitere Pipeline mit russischem
Erdgas zu versorgen, ist am Mittwoch in Peking erneut gescheitert. Ein
Vertrag über den Bau der seit einem Jahrzehnt geplanten Erdgasleitung
[1][„Sila Sibirii 2“] („Kraft Sibiriens“) kam nicht zustande.
„Es sind noch einige Nuancen zu klären“, sagte Putins Sprecher nach dem
Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Wie schon in den
Jahren zuvor fügte er hinzu, die „wesentlichen Eckpunkte“ und der Verlauf
der künftigen Pipeline seien zwar vereinbart. Konkrete Vereinbarungen über
den Zeitplan für die Umsetzung des Projekts gebe es aber weiter nicht.
Durch den Krieg in der Ukraine und die westlichen Sanktionen hat Putin sich
in eine so große Abhängigkeit begeben, dass China das flächenmäßig größte
Land der Erde wie eine eigene Provinz behandelt: Es wolle für das aus
Russland importierte Gas nur den innerrussischen Preis zahlen. Das habe Xi
seinem Gesprächspartner aus Moskau wissen lassen, heißt es in russischen
Medien.
In Russland ist der Gaspreis mit umgerechnet etwa 50 Dollar pro 1.000
Kubikmeter stark subventioniert. Am Vorabend seines Besuchs bei Xi Jinping
senkte Putin den Gaspreis für China bereits auf den niedrigsten Stand seit
sechs Jahren: um 14 Prozent auf 223,9 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter.
Europäische Abnehmerfirmen sollen um die 350 Dollar zahlen, verlautet aus
Unternehmenskreisen, die unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse keine
genauen Zahlen nennen wollen.
## Russland braucht dringend Gas-Abnehmer
China bezieht seit Dezember 2019 über die Pipeline „Sila Sibirii“
russisches Erdgas. So könnte der staatlich kontrollierte russische
Gaskonzern Gazprom jährlich maximal 61 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach
China liefern. Zum Vergleich: Die gesprengte Ostseepipeline Nordstream 1
hatte eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern. Die zweite
Ostseeleitung hätte diese Menge verdoppelt.
„Der Bruch mit dem Westen hat Russland zu Chinas Vasallen gemacht“, sagt
Elina Ribakova, Russland-Expertin am Peterson Institute for International
Economics in Washington. Dabei rennt [2][Gazprom] die Zeit davon: Der
Konzern braucht dringend Ersatzeinnahmen für die im Westen wegbrechenden
Exporterlöse, mit denen im Inland der Gaspreis massiv subventioniert wird.
In der EU beziehen inzwischen nur noch Ungarn und die Slowakei russisches
Pipelinegas. Doch diese Einfuhr ist seit Verabschiedung des 20.
Sanktionspakets der EU gegen Russland bis spätestens 30. September 2027
verboten. Bis Ende 2027 will die EU komplett unabhängig von russischem Gas
sein. Dann sollen auch die [3][Importe von verflüssigtem Erdgas (LNG)] aus
Russland enden.
Schon jetzt hat das russische Wirtschaftsministerium seine Prognose für das
Gasexportvolumen weiter nach unten korrigiert: In diesem Jahr werden die
Lieferungen in Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion von 78,2
Milliarden Kubikmetern auf 75 Milliarden sinken. Das ist weniger als die
Hälfte von dem, was es vor der russischen Vollinvasion in die Ukraine 2022
war. Und schon das Ergebnis von 2024 war für Gazprom das schlechteste seit
1985.
## Sicherheit im Krieg
Deshalb will Putin unbedingt „Sila Sibirii 2“, auch wenn führende
Bank-Analysten in Moskau berechnet haben, dass der Bau für Russland ein
Milliardenverlust wäre – aber die einzige stabile Einnahmequelle für
ausländische Devisen beim Gasverkauf.
Die Absichtserklärung für „Sila Sibirii 2“ unterzeichneten Gazprom-Chef
Alexei Miller und CNPC-Chef Chen Geng im März 2006 während des
China-Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seither wird
weiter über den Bau der Rohrleitung verhandelt, die zehnmal so viel kosten
würde wie die elf Milliarden Dollar für Nordstream. Ein Spatenstich bleibt
weiter unabsehbar.
20 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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