# taz.de -- Extinction Rebellion in Berlin: Mittwoch ist Brückentag
       
       > Am dritten Tag der Aktionswoche von Extinction Rebellion haben
       > Aktivist*innen Spree-Brücken blockiert. Von der Regierung fühlen sie sich
       > ungehört.
       
 (IMG) Bild: Blockade in Sichtweise des Parlaments: besetzte Marschallbrücke am Mittwoch in Berlin
       
       Berlin taz | „Ich habe gemerkt, dass das wohl der nächste Schritt ist, der
       nötig ist, um was zu bewegen“, sagt ein junger Aktivist. Er sitzt auf einem
       selbstgebastelten Floß auf einer Brücke in Berlin und erklärt, warum er
       Teil einer Brückenblockade ist. Um ihn herum sitzen und liegen Menschen und
       singen: „We are rising up, time has come to stir things up, join the
       rebellion.“ Die Marshall-Brücke hier, in Sichtweise des Reichstags in
       Berlin, ist besetzt. Auch die Mühlendamm- und die [1][Jannowitzbrücke] sind
       blockiert. Es ist der dritte Aktionstag von [2][Extinction Rebellion]:
       Brückentag.
       
       In den vergangenen Tagen hielten tausende Menschen [3][eine zentrale
       Kreuzung am Potsdamer Platz] sowie den Kreisverkehr Großer Stern an der
       Siegessäule besetzt. Heute sind Brücken über die Spree dran. Nur
       Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei werden durchgelassen: Privater Verkehr
       muss die Blockaden umfahren.
       
       Mit ihren Aktionen protestiert die Bewegung unter anderem für
       CO2-Neutralität von Deutschland bis 2025 und Basisdemokratie in Form von
       Bürger*innenversammlungen. An den Blockaden beteiligen sich junge Menschen,
       Familien mit Kindern, Großeltern, sogar Rentner*innen mit kleinen Hunden.
       
       „CO2-neutral heißt nicht, dass wir kein CO2 mehr ausstoßen“, sagt eine
       Aktivistin. Sie sitzt in einer Blockade auf einer Kreuzung zur
       Jannowitzbrücke, nicht weit entfernt vom Fernsehturm. „CO2-neutral
       bedeutet, dass wir das CO2, das wir ausstoßen, dann auch wieder einfangen.“
       
       Es gehe ihr nicht nur darum, dass im Amazonas der Wald verschwindet. „Hier
       in Deutschland verschwindet jeden Tag gesunder Wald. Wenn wir wirklich
       wollten, könnten wir diese Wälder wieder aufforsten. Wir könnten eine ganz
       andere Landwirtschaft machen, wenn wir dafür sorgen, dass die Böden wieder
       gesund werden. Wir müssen ändern, wie wir mit der Natur umgehen.“
       
       ## Aktivist*innen loben Polizei
       
       Die Polizei ist bei allen Blockaden vor Ort, räumt aber bis
       Redaktionsschluss nur eine der Brücken. Auf der Mühlendammbrücke kommt es
       dabei auch zu Schmerzgriffen: Wenn Polizist*innen keine Lust haben,
       friedlich protestierende Menschen wegzutragen, ist es ihnen in Deutschland
       gestattet, diesen Menschen so sehr und so lange weh zu tun, bis sie
       aufstehen. Aber auch am dritten Tag der Aktionswoche ist diese Art des
       Vorgehens der Polizei die Ausnahme, nicht die Regel. Tatsächlich loben
       viele Aktivist*innen von Extinction Rebellion die Berliner Polizei für
       besonnenes und deeskalatives Vorgehen.
       
       Von der Regierung hingegen fühlen sich viele nicht gehört. „Die Politik hat
       verstanden, dass sie über das Thema reden müssen“, sagt die Aktivistin auf
       der Jannowitzbrücke. „Aber sie versuchen, so über das Thema zu reden, das
       sie am Ende nichts tun müssen.“
       
       Das [4][Klimapaket] scheint dabei mehr und mehr zum Symbol zu werden – und
       zum Zentrum der Kritik. „Heute wird das sogenannte Klimapaket verhandelt.
       Das ist inzwischen nicht mal ein Paketchen. In der Post würde das nicht als
       Päckchen durchgehen. Das ist einfach nichts.“ Was fehle, seien konkrete
       Maßnahmen, sagt die Aktivistin. „Wir haben noch nicht mal angefangen.“
       
       Laut Extinction Rebellion sollen die Blockaden noch die ganze Woche
       weitergehen. Und: Viele bei Extinction Rebellion gehen davon aus, dass es
       bei dieser einen Aktionswoche nicht bleiben wird. „Wir werden wohl noch
       zwei oder drei solche Wochen machen“, sagt auch die Aktivistin auf der
       Jannowitzbrücke. „Wenn die Politik nicht reagiert, sitzen wir hier
       demnächst wieder auf der Straße.“
       
       9 Oct 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/anettselle/status/1181909338136424449
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