# taz.de -- Deutscher WM-Kader: Armer Trainer
> Manuel Neuer wird tatsächlich deutsche Nummer eins, und alle Spieler
> waren mal süße Buben. Die wichtigsten Erkenntnisse der Kaderbekanntgabe.
(IMG) Bild: Kader-Erklärer: Julian Nagelsmann spricht über den schweren Job als Bundestrainer
Süße Buben waren sie. Das zumindest weiß Fußballdeutschland nach diesem Tag
der Nominierung des WM-Kaders. Nach und nach veröffentlichte der DFB auf
seinen Social-Media-Kanälen schmalzige Videos mit den Kickern, die
mitfahren dürfen zur Fußball-WM im Sommer in Mexiko, Kanada und den USA.
Sie alle begannen mit Fotos und Videos aus Kindertagen. Zu kitschiger
Dramamusik durften dann Freunde, Eltern, die Frauen oder die Kinder der
Spieler sagen, wie toll sie finden, dass Leon, Max oder Schlotti nun um den
WM-Pokal spielen dürfen.
Jede Menge Schmalz wurde da gepostet. Und manchmal ist es ja auch wirklich
rührend, was es da zu sehen gibt. Wenn die Mutter des Mainzer Kreativen
Nadiem Amiri zu hören ist, wie sie sagt: „Du bist ein Stück Herz von mir“,
dann dürfen die Augen schon mal feucht werden. Aber will wirklich jemand
hören, wie toll Joshua Kimmich als Vater ist, dass er der beste Freund
seiner Frau ist, oder dass Kai Havertz Hunde mag, [1][genauso wie
Bundestrainer Julian Nagelsmann].
Was auch nach dessen Pressekonferenz zur Nominierung am DFB-Campus in
Frankfurt nicht so recht klar geworden ist, warum nun tatsächlich
[2][Manuel Neuer als Nummer eins] zum Turnier ins deutsche WM-Quartier in
die USA reisen wird. Er habe einfach „diese Aura“. Titel habe der
Bayern-Keeper auch jede Menge gewonnen, ganz im Gegensatz zum Hoffenheimer
Oliver Baumann, dem Nagelsmann lange im Glauben ließ, er werde Deutschlands
WM-Keeper Nummer eins.
## Eine Sache des Gefühls
Matthias Ginter, wie Neuer 2014 Weltmeister, der am Mittwoch [3][mit
Freiburg im Europa-League-Finale] gespielt hat, scheint dagegen keine Aura
zu haben. Nach einer herausragenden Saison beim SC Freiburg habe einzig
gegen ihn gesprochen, dass er in den drei Nagelsmann-Jahren beim DFB nie
dabei war. Dass Neuer nach der EM 2024 zurückgetreten ist und eigentlich
gar nicht mehr dabei sein wollte, war dagegen kein Hinderungsgrund für die
Nominierung.
Sosehr Nagelsmann auch bemüht war, seine Nominierungen sachlich zu
begründen, es ist eben immer auch eine Sache des Gefühls, wen ein Trainer
am Ende für geeignet hält. Ein schlechtes Gefühl etwa haben viele Fans der
Nationalmannschaft bei Leroy Sané, den sie jüngst beim Länderspiel in
Stuttgart gnadenlos ausgepfiffen haben.
Julian Nagelsmann dagegen glaubt an ihn, auch weil der Offensive von
Galatasaray Istanbul so wichtig für die Team-Chemie sei. Es war dies eine
der vielen schwierigen Entscheidungen, die er zu treffen hatte.
So richtig leicht hat man es als Bundestrainer eben nicht. Auch das war
eine Botschaft von Nagelsmann. Nicht nur die Auswahl galt es zu treffen.
Der Bundestrainer hat dann auch noch nicht nur mit allen telefoniert, auf
die das Los gefallen ist, sondern auch mit denen, die nun doch nicht
mitfahren dürfen, obwohl sie lange im Fokus des Bundestrainers waren. Als
hochanständig darf man das ruhig bezeichnen und als Ausweis einer modernen
Führungskultur, in der Entscheidungen von Angesicht zu Angesicht begründet
werden.
## Mangelhafte Kommunikation
Doch ebendas führte dazu, dass weit vor dem Termin der Kaderbekanntgabe
immer wieder einzelne Entscheidungen bekannt wurden. Wenn die Spieler ihren
Beratern, Freunden, Familien von den Telefonaten berichten, landet schnell
mal etwas davon in der Öffentlichkeit.
Und am Ende muss sich [4][der Bundestrainer] dann mangelhafte Kommunikation
vorwerfen lassen. Wie eine größere Staatsaffäre ist das in den vergangenen
Tagen in der Öffentlichkeit verhandelt worden. Dabei ging es doch
eigentlich nur um die Verkündung von 26 Fußballernamen.
21 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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