# taz.de -- Aufregung in Irland vor Duell mit Israel: Unerwünschter Gegner
       
       > Irlands Fußballer treffen in der Nations League auf Israel. Ihr Heimspiel
       > wird wegen erwarteter Proteste nach Ungarn verlegt. Es gibt
       > Boykottaufrufe.
       
 (IMG) Bild: Demonstranten in Dublin fordern die Absage aller Fußballspiele Irlands gegen Israel
       
       Die nächste [1][Belastungsprobe der irisch-israelischen Beziehungen] lässt
       nicht lange auf sich warten. Nach der Kontroverse um den irischstämmigen
       Musiker Ed Sheeran, dem sämtliche Begleitbands bei seiner US-Tournee
       abgesprungen sind, [2][weil der Rapper Macklemore wegen angeblich
       antisemitischer Äußerungen ausgebootet worden war], geht es diesmal um
       Fußball: Irland ist bei der Nations League ausgerechnet gegen Israel
       ausgelost worden.
       
       [3][Seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023] hat Israel keine
       internationalen Fußballspiele mehr ausgerichtet. So findet das Spiel am
       Sonntag im Nagyerdei-Stadion im ungarischen Debrecen statt. Da der irische
       Verband FAI wegen der zu erwartenden Proteste kalte Füße bekommen hat, wird
       das irische „Heimspiel“ eine Woche später sicherheitshalber hinter
       verschlossenen Türen in der abgelegenen serbischen Stadt Bačka Topola
       ausgetragen.
       
       Das wird die Situation kaum beruhigen. Laut einer Umfrage lehnen 75 Prozent
       der irischen Fans die bevorstehenden Spiele gegen Israel ab. Heimir
       Hallgrímsson, der isländische Trainer der irischen
       Fußballnationalmannschaft, sagte: „Ich halte es für gefährlich, nicht zu
       spielen. Wir richten 2028 die Europameisterschaften aus. Was ist, wenn
       Israel bei der EM in unserer Gruppe ist?“
       
       Das könnte passieren, denn der europäische Fußballverband hält zwar Spanien
       und Gibraltar, Armenien und Aserbaidschan sowie die Ukraine und Russland
       getrennt, aber der irische Antrag, von Israel ferngehalten zu werden, wurde
       abgelehnt, weil es keine Vorgeschichte eines „direkten Konflikts“ gebe.
       
       ## Reduzierte TV-Berichterstattung
       
       Einige der Spieler „fühlen sich wirklich unwohl“ dabei, die Spiele
       bestreiten zu müssen, sagte Hallgrímsson und betonte, dass Israel aus
       demselben Grund ausgeschlossen werden sollte, aus dem Russland von der Fifa
       und der Uefa gesperrt wurde. Er fügte hinzu: „Wir spielen nicht mit
       Völkermord, wir spielen gegen Völkermord.“ Wegen dieses Satzes will der
       israelische Fußballverband eine formelle Beschwerde bei der Uefa
       einreichen.
       
       Der öffentlich-rechtliche Sender Raidió Teilifís Éireann (RTÉ) wird seine
       Berichterstattung auf das Nötigste beschränken. Es wird keine
       Studioberichterstattung rund um das Spiel geben, und die Übertragung wird
       von den von der Uefa benannten Kommentatoren übernommen.
       
       Mittlerweile haben 170 irische Sportler einen Brief an die irische
       Nationalmannschaft gerichtet und die Fußballer aufgerufen, [4][die Spiele
       gegen Israel zu boykottieren.] Der irische Nationalspieler Séamus Coleman
       sagte, er kenne „den Unterschied zwischen Recht und Unrecht“, aber die
       Israel-Debatte „hätte nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden dürfen“.
       
       Der ehemalige irische Nationalspieler Kevin Kilbane wurde deutlicher:
       „Irland sollte nicht gegen Israel spielen. Nicht, solange israelische
       Streitkräfte Völkermord begehen. Doch die FAI hat es vermasselt.“
       
       Ein anderer Ex-Nationalspieler, der 55-jährige Kenny Cunningham, meint
       dagegen, dass das Heimspiel in Dublin hätte stattfinden sollen: „Ich hätte
       es für eine gute Sache gehalten, wenn die israelische Mannschaft im
       Dubliner Aviva-Stadion auf den Platz gekommen und die israelische
       Nationalhymne respektiert worden wäre, denn das wäre für mich ein Signal –
       von den Iren an das israelische Volk, das in diesem Konflikt ebenfalls
       gelitten hat.“
       
       Im vergangenen November hatte die FAI die Uefa vergeblich aufgefordert,
       Israel auszuschließen. Gavin Cooney schrieb dazu in der Irish Times: „Der
       israelische Fußballverband verstößt eindeutig gegen die Statuten der Fifa
       und der Uefa, indem er Spiele in den besetzten Gebieten im Westjordanland
       organisiert. Die Untätigkeit der Verbände hat die FAI in eine äußerst
       heikle Lage gebracht.“
       
       Der irische Verband erklärte, es werde die üblichen gemeinsamen Abendessen
       der Funktionäre nicht geben. Ob die irischen Spieler ihren Gegnern die
       Hände schütteln, bleibe ihnen überlassen.
       
       24 Sep 2026
       
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