# taz.de -- Politische Botschaften im US-Sport: Dem Protest ins Gesicht sehen
> Der NFL-Profi Azeez Al-Shaair macht wiederholt auf das Leid in Gaza
> aufmerksam und wird sanktioniert. Im US-Sport wird dazu vorzugsweise
> geschwiegen.
(IMG) Bild: Azeez Al-Shaair Houston Texans hat den Namen eines getöteten palästinensischen Mädchens auf seinem Gesicht festgehalten
Azeez Al-Shaair ist keiner, der sich leicht kleinkriegen lässt, der
Linebacker der Houston Texans ist einer der gefürchtetsten Defensiv-Spieler
der [1][NFL]. Zu den berüchtigtsten Augenblicken seiner Karriere gehörte
2024 ein Knock-out des Quarterbacks Trevor Lawrence, das zu einer Sperre
von drei Spielen und einer Strafe von mehr als 300.000 US-Dollar führte.
Zum Start dieser Saison gab sich Al-Shaair jedoch nicht nur athletisch
unbeugsam. Um von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch zu
machen, schien er dazu bereit, sich mit den Liga-Bossen anzulegen und seine
Karriere aufs Spiel zu setzen.
Zum ersten Saisonspiel der National Football League hatte sich Al-Shaair
den Namen des in Gaza getöteten palästinensischen Mädchens Hind Rajab unter
die Augen gemalt. „Ich wollte, dass die Welt ihren Namen kennt.“ Die Strafe
der Liga für den unautorisierten Auftritt von 11.000 US-Dollar drückte er
gerne ab. „Wie viel ist ein Menschenleben wert?“, fragte er provokativ nach
der Buße. „Für mich ist das Geld nicht relevant.“
Als sich Al-Shaair am vergangenen Sonntag im Paycor-Stadion von Cincinnati
erneut den Namen eines toten palästinensischen Kindes, der acht Jahre alten
Wafaa Akila, ins Gesicht schrieb, fuhr die Liga jedoch größere Geschütze
auf. Man drohte, ihn aus dem Spiel zu nehmen, der 110 Kilo Mann gab nach
und wusch sich die Wangen.
Der Protest des praktizierenden Muslims Al-Shaair war die deutlichste der
bislang eher zaghaften Äußerungen von US-Profis zur Gewalt in Gaza. So
mutig der US-Sport sich während des Höhepunkts von [2][Black Lives Matter]
zur rassistisch motivierten Polizeigewalt im eigenen Land ausgesprochen
hat, so stumm ist man bislang, was das Vorgehen von Israel in Gaza angeht.
„Der Druck, der auf den SpielerInnen lastet, ist ungeheuer“, sagte eine
anonyme Basketballspielerin in England dem Guardian. „Sich für
Homosexuellenrechte auszusprechen, ist dagegen ein Kinderspiel.“
## „Gottgegebene Plattform“
Eine der wenigen Ausnahmen war die Basketballspielerin Natasha Cloud aus
der nordamerikanischen WNBA, die von Anfang an offen den Angriff von Israel
als „Genozid“ bezeichnete und es als ihre Verpflichtung ansah, ihre
„gottgegebene Plattform“ zu nutzen. Cloud meinte, Afroamerikaner sollten
eine natürliche Affinität zum palästinensischen Volk haben – ein Vergleich,
mit dem nicht jeder einverstanden ist.
Bei den männlichen Basketballkollegen tut sich bislang alleine Kyrie Irving
von den Dallas Mavericks hervor, der beim All-Star-Spiel ein T-Shirt mit
der Aufschrift „PRESS“ trug. Das Hemd sollte an die in Gaza getöteten
Journalisten erinnern. In der vergangenen Woche bot Irving dann an, die
Strafe für Al-Shaair zu bezahlen. „Wir stehen in engem Kontakt und
unterstützen und gegenseitig.“ LeBron James, einer der größten Namen im
Basketball und einer der lautstärksten Vorkämpfer für Black Lives Matter,
weicht klaren Aussagen zu Gaza aus und sagt stattdessen, er habe „nur
Großartiges über das israelische Volk“ gehört.
Al-Shaair hingegen verspürt eine persönliche Verpflichtung, sich mit der
palästinensischen Bevölkerung in Gaza solidarisch zu zeigen. Wie viele
Afroamerikaner konvertierten seine Eltern zum Islam – seit den Zeiten von
Malcolm X eine Geste der Abgrenzung von der weißen, christlichen Mehrheit
der USA. Er lebte die ersten Jahre seines Lebens in Saudi-Arabien, wo sein
Vater Englisch unterrichtete. Auch nach der Trennung seiner Eltern erzog
seine Mutter ihn und seine Geschwister im islamischen Glauben. Dennoch sagt
er, es gehe ihm nicht um Religion. „Es geht ganz einfach um unsere
Menschlichkeit.“
Nun wird interessant, ob er sich dem vorläufigen Maulkorb der NFL beugt
oder weiter versucht, auf die [3][Lage der Menschen in Gaza] aufmerksam zu
machen. Klar ist jedenfalls, dass die Liga nicht vorhat, dem Thema viel
Raum zu geben.
29 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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