# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Russland lehnt Selenskyj-Vorschlag für Waffenruhe ab
> Auch nach Trumps Verkündung gehen die Angriffe laut der Ukraine weiter.
> EU-Außenbeauftragte Kallas warnt vor einer Ölkatastrophe.
(IMG) Bild: Donald Trump (r) sprach im September während der UN-Generalversammlung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
## Russland lehnt Selenskyj-Vorschlag für 60-tägige Waffenruhe ab
Der Kreml lehnt den Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
Selenskyj für eine 60-tägige Waffenruhe zur Organisation von
Präsidentschaftswahlen ab. Russland strebt stattdessen ein langfristiges
Friedensabkommen an und keine vorübergehende Feuerpause, sagt
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Selenskyj hatte dem US-Sender ABC
vorgeschlagen, eine zweimonatige Waffenruhe für die Wahlen zu nutzen.
Russland dringt seit langem auf Wahlen in der Ukraine und stellt Selenskyjs
Legitimität infrage, während das ukrainische Gesetz Wahlen im Kriegszustand
verbietet. (rtr)
## Russische Angriffe auf Gasförderanlagen von Naftogaz
Russland greift in der Nacht Gasförderanlagen des staatlichen ukrainischen
Energiekonzerns Naftogaz in der Region Charkiw an und löst einen Brand aus.
Dabei wird wichtige Infrastruktur beschädigt, wie der kommissarische
Naftogaz-Chef Serhij Fedorenko über den Kurznachrichtendienst Telegram
mitteilt. Die Mitarbeiter setzten alles daran, die Schäden so schnell wie
möglich zu beheben und Risiken für den stabilen Betrieb des Energiesystems
abzuwenden, erklärt er. (rtr)
## Kreml fordert Aufklärung im Nord-Stream-Prozess
Der Kreml erwartet von dem bevorstehenden Prozess in Deutschland zu den
Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 eine objektive
Aufklärung. Das Verfahren müsse die Auftraggeber und Ausführenden der
Sabotage identifizieren, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Ab Mittwoch
muss sich ein ukrainischer Staatsbürger vor dem Oberlandesgericht Hamburg
wegen des Sabotage-Akts verantworten. (rtr)
## Selenskyj wirft Russland Bruch von Energiewaffenruhe vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland vor, eine von
US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe im Energiesektor gebrochen
zu haben. Er dränge Washington zum Eingreifen und dazu, die Einhaltung der
Vereinbarung durch Moskau zu gewährleisten, sagt Selenskyj in einer
Videoschalte bei einer Sicherheitskonferenz in Warschau. Selenskyj fügt
hinzu, er habe von dem Abkommen selbst erst aus den Medien erfahren. Die
Waffenruhe könne jedoch Bestand haben und ein wichtiger Schritt zur
Beendigung des Krieges sein, wenn die USA nun handelten. (rtr)
## EU verabschiedet hunderte neue Sanktionen
Die EU hat Sanktionen gegen zusätzlich fast 1.600 neue Verantwortliche und
Organisationen im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der
Ukraine verabschiedet. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach am Montag
von der „bislang größten Erweiterung unserer Sanktionsliste“ seit Beginn
des Kriegs im Februar 2022. Mehr als die Hälfte der Sanktionen stehe „mit
der Produktionskette für ballistische Raketen in Verbindung“, schrieb sie
im Onlinedienst X.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte, die EU setze einen
„beispiellosen Sanktionsschlag gegen Putins Kriegswirtschaft“. Dem
russischen Präsidenten werde es dadurch erschwert, „seinen
völkerrechtswidrigen Invasionskrieg fortzusetzen“. Mit der Listung von
Drohnenherstellern reagiere die EU zugleich auf Russlands zunehmende
hybride Angriffe auf EU-Mitgliedstaaten. „Der versuchte Drohnenanschlag am
Flughafen Leipzig/Halle hat gezeigt, wie unmittelbar diese Bedrohung auch
Deutschland trifft“, betonte Wadephul. „Wir erhöhen den Druck, bis Putin
bereit ist, ernsthaft über Frieden in der Ukraine zu verhandeln. Die
Botschaft ist klar: Russland kann und wird diesen Krieg nicht gewinnen.“
Die EU-Länder hatten sich vergangene Woche auf die Sanktionen geeinigt. Am
Montag verabschiedeten die Außenministerinnen und -minister der EU bei
ihrem Treffen in Luxemburg die neuen Strafmaßnahmen. Mit dieser neuesten
Sanktionsrunde steigt die Zahl der Menschen und Einrichtungen, die mit
Einreiseverboten und Kontensperren belegt sind, auf insgesamt rund 4.500.
Die EU hat bisher 21 umfangreiche Sanktionspakete gegen Russland
beschlossen. Neben den Paketen wird die Sanktionsliste regelmäßig um neue
Verantwortliche und Organisationen erweitert. Ob es ein 22. Sanktionspaket
geben wird, wird derzeit in Brüssel diskutiert. (afp)
## Mindestens zwölf Verletzte bei Angriffen auf Charkiw
Bei mehreren russischen Angriffen auf die ukrainische Großstadt Charkiw
werden am Morgen mindestens zwölf Menschen verletzt, wie Bürgermeister Ihor
Terechow mitteilt. (rtr)
## Angriffe trotz verkündeter Waffenruhe
Trotz einer [1][von US-Präsident Donald Trump verkündeten
„Energie-Waffenruhe“] zwischen Kyjiw und Moskau hat Russland nach Angaben
des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Energieanlagen in der
Ukraine angegriffen. Betroffen seien ein Kraftwerk in Kyjiw und
Energieanlagen im Nordosten der Ukraine, erklärte Selenskyj am
Sonntagabend. Trump hatte zuvor einen [2][Diesel-Deal mit Russland]
verkündet, der sowohl in den USA als auch bei Ukraine-Verbündeten auf
scharfe Kritik stieß.
Selenskyj erklärte in Onlinenetzwerken, die russischen Angriffe auf
Energieanlagen seien erfolgt, „nachdem der Präsident der Vereinigten
Staaten seine Erklärung zu einer Energie-Waffenruhe abgegeben hatte“.
Nach seinem Diesel-Deal mit Russland und einem heftigen Schlagabtausch mit
Selenskyj hatte Trump am Sonntag eine angebliche „Energie-Waffenruhe“
zwischen Kyjiw und Moskau verkündet. Beide Länder hätten zugestimmt, ihre
Angriffe auf die Energie-Infrastruktur des jeweils anderen Staates
einzustellen, erklärte Trump. Die „Energie-Waffenruhe“ trete mit
„sofortiger Wirkung“ in Kraft. Weitere Details nannte er zunächst nicht.
Selenskyj hatte überrascht auf die Ankündigung reagiert: Die Waffenruhe sei
„eine Neuigkeit“ für ihn, sagte er in einer ersten Reaktion dem
US-Nachrichtenportal Axios. Kyjiw sei aber bereit, eine solche Waffenruhe
zu befolgen, wenn auch Moskau sich daran halte. Vom Kreml gab es zunächst
keine Stellungnahme. (afp)
## Neuwahlen in der Ukraine?
Die Beziehungen zwischen Trump und Selenskyj hatten sich zuletzt dramatisch
verschlechtert. Trump forderte die Ukrainer am Samstag auf, ihren
Staatschef bei Neuwahlen auszutauschen. Zudem warf er Selenskyj vor,
Gelegenheiten für eine Einigung mit Russland verpasst zu haben.
Wahlen sind in der Ukraine unter dem geltenden Kriegsrecht aus
Sicherheitsgründen verboten. Selenskyj zeigte sich jedoch bereit, Wahlen
einzuleiten, wenn der russische Präsident Wladimir Putin einer 60-tägigen
vollständigen Waffenruhe zustimme. „Bitte sagen Sie Putin, er soll uns zwei
Monate, 60 Tage völlige Feuerpause geben, 60 Tage, und wir werden Wahlen
organisieren“, sagte der ukrainische Präsident. Letztlich liege die
Entscheidung über ihre Führung allein bei den Ukrainern. (rtr)
## Ein Toter nach ukrainischem Drohnenangriff
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Grenzregion
Belgorod ist laut den örtlichen Behörden ein Mensch ums Leben gekommen. Die
Drohne habe ein Auto auf einer Straße nahe der Grenze getroffen, teilt
die regionale Einsatzzentrale mit. Zudem wurde im von Russland
kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk nach Angaben der
dortigen pro-russischen Verwaltung eine weitere Person bei einem
ukrainischen Angriff getötet. (rtr)
## EU-Außenbeauftragte Kallas warnt vor Ölkatastrophe
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat vor einer drohenden Ölkatastrophe
an den europäischen Küsten durch die sogenannte russische Schattenflotte
gewarnt. Die Schiffe seien „ökologische Zeitbomben“, da sie oft alt,
schlecht gewartet und unzureichend versichert seien, sagte Kallas einem
Vorabbericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Montag zufolge.
„Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die nächste große Ölkatastrophe an
unseren Küsten von der Schattenflotte ausgehen wird“, so Kallas. Die Flotte
diene zudem der Finanzierung des russischen Krieges gegen die Ukraine und
sei in der Vergangenheit als Ausgangspunkt für hybride Angriffe genutzt
worden.
Die Europäische Union (EU) hat im Kampf gegen die sogenannte russische
Schattenflotte Kallas zufolge in den vergangenen Monaten sechs Inspektionen
vorgenommen. Jeder dieser Einsätze an Bord koste Russland Zeit und Geld,
erklärte die Chefdiplomatin. Der größte Druck auf Moskau entstehe jedoch
durch diplomatische Maßnahmen, erklärte sie weiter. So hätten afrikanische
Länder auf Bitte der EU Hunderte Schiffe aus ihren Registern gestrichen.
„Der Verlust der Flagge macht einen Tanker anfälliger für Inspektionen und
Festsetzungen und führt dazu, dass Behörden, Versicherer, Banken und
Händler zögern, mit ihm Geschäfte zu tätigen“, so Kallas. Bislang habe die
EU rund 670 Schiffe mit Sanktionen belegt. Die EU hatte ihre
Marine-Mission Irini vor drei Monaten auf die Bekämpfung der russischen
Schattenflotte ausgeweitet. (rtr)
## EU plant Riesenpaket mit Russland-Sanktionen
Den jetzigen Druck der Trump-Regierung auf die Ukraine, einschließlich der
Forderung des US-Präsidenten nach einer Ablösung Selenskyjs, wertete der
ukrainische Staatschef als Ausdruck der Hilflosigkeit. „Diese Leute können
einfach keinen Weg finden, Putin zu stoppen“, sagte er. Offenbar sei es
einfacher, andere unter Druck zu setzen, als den Kremlchef aufzuhalten.
Allein in dieser Woche habe Russland 200 Energieanlagen in der Ukraine
angegriffen, 153 Zivilisten getötet und rund 700 Menschen verletzt.
„Russland verspürt keinen Druck, möchte einfach weitermachen.“
Um das zu verhindern, [3][wollen die Außenminister der EU-Staaten heute so
viele Personen und Organisationen wegen ihrer Unterstützung für Russlands
Kriegsmaschinerie sanktionieren wie nie zuvor.] Nach Angaben von EU-Beamten
werden knapp 1.600 weitere Akteure mit Verbindungen zum
militärisch-industriellen Komplex des Landes betroffen sein. Zudem sind
Strafmaßnahmen gegen 77 Akteure geplant, die jüngst an der Ausrichtung der
unrechtmäßigen Parlamentswahlen in besetzten ukrainischen Gebieten
beteiligt waren.
Die Sanktionen umfassen in der Regel Reisebeschränkungen, das Einfrieren
von Vermögenswerten sowie das Verbot, Gelder oder andere wirtschaftliche
Ressourcen bereitzustellen. (dpa)
## Republikaner kritisieren Trumps Diesel-Deal mit Putin
Während Trump den russischen Präsidenten nur äußerst selten persönlich
attackiert, beschuldigt er Selenskyj, mit Angriffen auf den russischen
Energiesektor zur weltweiten Diesel-Knappheit beigetragen zu haben – und
rief ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen. Die Preise für
Rohöl und Diesel sind vor allem infolge des Irankrieges in die Höhe
geschossen, den die USA und Israel im Februar einseitig begonnen hatten.
Ein ukrainischer Regierungsbeamter sagte dem US-Nachrichtenportal Axios,
der von Trump verlangte Verzicht auf Attacken auf Ölraffinerien würde
Russland bevorteilen, da es in der Ukraine nur eine – nicht einmal voll
funktionsfähige – Raffinerie gebe. In Russland gebe es dagegen ein riesiges
Netz solcher Anlagen. (dpa)
Dass Trump jetzt plant, Diesel aus Russland zu importieren, stößt nicht nur
bei demokratischen, sondern auch bei republikanischen US-Senatoren auf
Kritik, die das für rechtswidrig halten. Der Kongress habe im Jahr 2022 die
Einfuhr russischer Energieträger untersagt, damit die USA nicht Russlands
Krieg gegen die Ukraine finanzieren, heißt es in einem Protestschreiben von
sieben Senatorinnen und Senatoren beider Parteien. „Präsident Trumps
Entscheidung, russische Importe zu erlauben, steht im direkten Widerspruch
zu diesem Gesetz.“
12 Oct 2026
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