# taz.de -- Nithya Raman wird Bürgermeisterin: Eine Sozialistin für Los Angeles
> Ein weiterer Sieg für linke US-Demokraten: Nithya Raman wird
> Bürgermeisterin von Los Angeles. Ihr Verhältnis zu den Demokratischen
> Sozialisten ist jedoch kompliziert.
(IMG) Bild: Nithya Raman, die designierte Bürgermeisterin von L. A
Die Stadt der Engel komplettiert die Dreifaltigkeit. Nach dem Sieg von
Nithya Raman bei der Bürgermeisterwahl in Los Angeles ist – nach der
Bundeshauptstadt Washington, D. C. und der größten US-Stadt New York – auch
die zweitgrößte US-Metropole an der Westküste künftig [1][in der Hand
demokratischer Sozialisten].
Während der Midterm-Sieg von [2][Janeese Lewis George] in D. C. schon am
Dienstagabend Ortszeit feststand, ist die Auszählung in LA jetzt so weit
fortgeschritten, dass sich die amtierende demokratische Bürgermeisterin
Karen Bass bei Raman meldete, um der linken Herausforderin zu gratulieren.
Während des Wahlkampf zogen Beobachter immer wieder Parallelen zwischen
Raman und dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Die 45-Jährige
bedankte sich für die Vergleiche mit „einem der beliebtesten Politiker in
Amerika“, der wie sie Wurzeln in Indien hat und der linken
Vorfeldorganisation Democratic Socialists of America (DSA) angehört.
Zugleich beharrte sie, vielleicht etwas genervt, darauf, dass sie schon sie
selbst sei. Und es gibt durchaus Unterschiede, etwa im Auftreten: Während
Mamdani die direkte Ansprache der Wähler fast zur Perfektion beherrscht,
versprüht Raman eher ein technokratisches Flair.
## All about Wohnraum
Die frisch gewählte Bürgermeisterin wurde 1981 [3][im südindischen Staat
Kerala geboren]. In die USA zog ihre Familie, als sie sechs Jahre alt war.
Später studierte sie Sozialwissenschaften im Bachelor an der Harvard
University und machte dann einen Master in Stadtplanung an der MIT. Raman
ist mit dem Drehbuchautor Vali Chandrasekaran verheiratet, mit dem sie
einen Sohn und eine Tochter hat.
2019 trat sie den DSA bei, nicht aus „ideologischem Antrieb“, wie sie
sagte, sondern weil die DSA eine der einzigen Organisationen gewesen seien,
die sich ernsthaft mit der Wohnungskrise in L. A. auseinandergesetzt haben.
Ein Jahr später kandidierte Raman für den Stadtrat in L. A. und konnte
durch einen beeindruckenden Graswurzelwahlkampf ihren etablierten
Konkurrenten ausbooten.
Als Bürgermeisterin will sie sich für bezahlbares Wohnen für alle
Einkommensschichten einsetzen. Dafür will Raman auch den Neubau von
Wohnraum verdreifachen – auf dem offenen Markt, im preisgedeckelten Segment
wie auch Sozialwohnungen.
Zudem sollen neue Obdachlosenunterkünfte die Wohnungslosenkrise in L. A.
bekämpfen. Schon 2017 hatte Raman eine Freiwilligengruppe gegründet, die
auf wohnungslose Nachbarn zugeht und sich gemeinsam mit ihnen für ihre
Rechte einsetzt. Darüber hinaus will sie den öffentlichen Nahverkehr
ausbauen und die Filmindustrie in L. A. revitalisieren.
## Streit mit der eigenen Organisation
Ramans Kontakte in die Filmbranche gehen über ihren drehbuchschreibenden
Ehemann hinaus. Auf dem Höhepunkt der #MeToo-Bewegung leitete sie die
Unterhaltungssparte von Time’s Up, einer Organisation in Hollywood, die
über einen Rechtshilfefonds Frauen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern
unterstützte, wenn sie sich gegen sexualisierte Übergriffe wehren wollten.
Der Bürgermeisterwahlkampf beschäftigte auch die progressive Filmwelt in
Hollywood. So sprachen sich einige ältere Stars wie Jane Fonda und Samuel
L. Jackson für die Amtsinhaberin aus, während jüngere Celebreties wie Poppy
Liu und Adam Scott sich eher auf Ramans Seite schlugen. Unterstützung
erhielt Raman auch von der Gewerkschaft für Film- und Fernsehautoren.
Obwohl Raman selbst den DSA angehört, ist ihr Verhältnis zu der
Organisation alles andere als spannungsfrei. So stellten sich die DSA
während der Vorwahl der Demokraten noch nicht hinter Raman und sprachen
sich erst für sie aus, als sie in die Stichwahl gegen Bürgermeisterin Bass
ging.
Trotz ihrer Unterstützung wiesen die DSA auf Ramans „inkonsistente Position
zu Palästina“ hin, wobei sie „mit uns gearbeitet hat, um sich bei diesem
Thema zu verbessern“. Laut der Zeitung Los Angeles Times hätte ein
Bundeskomitee der DSA die Unterstützungsbekundung für Raman Anfang November
beinahe zurückgenommen, das Votum fiel mit 14 zu 13 Stimmen denkbar knapp
aus.
Das jüdische Establishment hingegen kritisierte Raman dafür, dass sie in
der Show des linken Streamers Hasan Piker aufgetreten war. In dem Gespräch
hatte Raman den Aussagen zugestimmt, dass Israel ein Apartheidstaat sei und
in Gaza einen Genozid begehe. Sie hatte jedoch auch darauf beharrt, dass
Israel ein „Existenzrecht“ habe. Anderswo bezeichnete Raman die
Israel-Boykottkampagne BDS als „legitime Form des friedlichen Protests“.
Im Wahlkampf hatte Raman immer wieder ihre politische Unabhängigkeit
betont. Im Gegensatz zu den DSA sagte sie etwa auch, dass die „Mansion Tax“
– eine Villensteuer, die Einnahmen zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit
generieren sollte – reformiert gehöre, da sie weniger Geld als erhofft
eingebracht habe und den Neubau behindere.
In der Tat dürften Ramans Wohnungs- und Sozialpolitik eher über ihr
politisches Geschick entscheiden als ihr Drahtseilakt zu Israel/Palästina.
Allen Spannungen im linken Lager zum Trotz postete der LA-Ableger der DSA
aber noch [4][während der Stimmauszählung] ein Foto. Darauf stand: „YUP,
das ist unsere Bürgermeisterin!!!“
6 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Demokratische-Sozialisten-in-den-USA/!6227953
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=E7Dsx30y3vA
(DIR) [3] /Midtermwahlen-in-den-USA/!6227314
(DIR) [4] /US-Midterms-Ein-Perfekter-Sieg-auf-fast-allen-Ebenen/!6227325
## AUTOREN
(DIR) Leon Holly
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