# taz.de -- Nachwehen des Kommunalwahlkampfs: Loser takes it all
       
       > Fast hätte es in Hannover ganz langweilige Koalitionsverhandlungen
       > gegeben. Zum Glück sind noch nicht alle persönlichen Beleidigungen
       > ausgeheilt.
       
 (IMG) Bild: Hatte schon als OB-Kandidat die ganze Region im Blick: Axel von der Ohe (SPD)
       
       Das ist ja gerade noch mal gut gegangen. Ich hatte schon Angst, die raufen
       sich jetzt einfach so wieder zusammen da im Rathaus, die Grünen und die
       Roten. Das wäre ja fatal für den Unterhaltungswert dieser Kolumne. Aber
       nein, das „House of Cards“-Drama in der Hannover-Variante ist noch nicht zu
       Ende.
       
       In der Rolle des Problembären erster Güte findet sich nun Kämmerer Axel von
       der Ohe wieder – [1][gestern noch SPD-Spitzenkandidat und heißer Anwärter
       auf das Oberbürgermeisteramt]. Aber so ist das wohl mit den Helden von
       gestern.
       
       Der findet offensichtlich, so eine Niederlage muss man halt sportlich
       nehmen. Die gehört im demokratischen Wettbewerb halt dazu. Und nur weil er
       seinem Chef, Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), im Wahlkampf ein paar
       Mal ans Bein gepinkelt hat, heißt das doch nicht, dass man jetzt nicht
       wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Immerhin läuft sein Vertrag ja
       noch bis 2029.
       
       Das sehen die Grünen natürlich ein bisschen anders. Von der Ohe habe den
       Bogen überspannt, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Er habe seine
       Position im Rathaus gnadenlos ausgenutzt, Interna durchgestochen, den OB
       sabotiert, ihn bei einer Wahlkampfdebatte gar der Lüge bezichtigt. Da könne
       man sich jetzt nicht hinstellen und so tun; als wäre nix gewesen.
       
       ## Geschenkt haben sich beide nichts
       
       Wobei zur Wahrheit natürlich auch gehört: Die Zerwürfnisse und Kränkungen
       sind schon ein bisschen älter als der Wahlkampf. Viele Grüne glauben, dass
       auch das Zerbrechen der grün-roten Koalition im Herbst 2023 zumindest
       teilweise auf von der Ohes Mist gewachsen ist. Dabei sei es – so lautet
       zumindest die gängige Erzählung – gar nicht wirklich um die Verkehrswende
       und Onays Pläne für eine autoarme Innenstadt gegangen, sondern bloß um
       parteipolitisches Kalkül.
       
       Die SPD habe damals geglaubt, „ihr“ Rathaus nur dann zurückerobern zu
       können, wenn sie sich von den Grünen abgrenzt und auf Onays Kosten
       profiliert. Diese Strategie sei nun endgültig und eindeutig gescheitert –
       und damit sollten bitteschön auch ihre Befürworter nach Hause gehen, und
       zwar alle.
       
       Allerdings waren auch die Grünen oft nicht zimperlich, wenn es darum ging,
       die diversen Skandale und Affären der SPD in den letzten Monaten und Jahren
       medial am Köcheln zu halten. Mancher Sozi findet deshalb, man sei doch
       einigermaßen quitt und könnte es jetzt auch mal gut sein lassen. Immerhin
       hat sich die SPD auch große Mühe gegeben, frisches, unbelastetes Personal
       in den Fraktionsvorstand zu hieven und damit Signale für einen Neuanfang zu
       senden.
       
       Manchen Beobachter wundert es nun allerdings, dass man sich dabei über die
       „Anschlussverwendung“ des Kämmerers nicht auch gleich Gedanken gemacht.
       Aber auch das ist ja kein ganz neues Phänomen, man denke nur an den
       Bundestagswahlkampf mit dem erst schwer gehypten und dann tief gefallenen
       Martin Schulz. Irgendwie steht man diesen Wahlkampfquatsch wohl nicht
       durch, wenn man von vorneherein einen Plan B in der Tasche hat.
       
       Angeblich – so kolportieren es verschiedene Medien – wollte
       [2][Ministerpräsident Olaf Lies] (SPD) hier nun helfend eingreifen. Sein
       Jobangebot als Geschäftsführer der
       [3][Metropolregion-Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg GmbH] soll von
       der Ohe aber ausgeschlagen haben.
       
       Was natürlich verständlich ist, weil ja schon der Name wie ein Witz klingt.
       Was kommt denn da als nächstes, die Megacity Lüneburg? Das [4][schreit ja
       geradezu „Versorgungsposten“]. Auch mit der Aussicht, nach der nächsten
       Landtagswahl vielleicht Staatssekretär werden zu können, soll sich von der
       Ohe nicht trösten lassen wollen. Wobei die große Frage natürlich bleibt,
       welcher Sauhund das jetzt eigentlich wieder durchgestochen hat.
       
       Aber vielleicht sollte sich von der Ohe einfach mit der schönen
       80er-Jahre-Weisheit „Man trifft sich immer zweimal“ trösten. Die hat er
       vielleicht nicht immer beherzigt. Die anderen aber auch nicht. Und karma is
       a bitch.
       
       5 Nov 2026
       
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