# taz.de -- Neue Runde in Hannovers Rathausclinch: Bürokratie und Meteoriten
       
       > Eigentlich war Bürokratieabbau das Thema. Die SPD schafft es aber schnell
       > zurück zu ihrem liebsten Hassobjekt: Die Verkehrswende von OB Belit Onay.
       
 (IMG) Bild: Kann auch tanken: Oberbürgermeister Belit Onay am Elektroauto. Die SPD arbeitet sich weiter an seiner Verkehrspolitik ab
       
       Es ist doch schön, dass es noch Feinde gibt, auf die sich alle einigen
       können, oder? Bürokratie, zum Beispiel, findet keiner gut. Da haben die
       Kollegen von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung neulich [1][eine
       interessante Analyse veröffentlicht], in der sie mal aufdröseln, wie sich
       der Stellenzuwachs in Stadt und Region so darstellt.
       
       Das ist schon beeindruckend: Plus 25 Prozent in den vergangenen neun Jahren
       in der Stadtverwaltung, in der Regionsverwaltung haben sich die Stellen
       innerhalb von 19 Jahren sogar verdoppelt.
       
       Wirklich lachen musste ich über das Zitat eines
       Wirtschaftswissenschaftlers, der prompt behauptet, in der sogenannten
       freien Wirtschaft würde so was ja nicht passieren. Wer mal einen Konzern
       von innen gesehen hat, weiß, dass das ein modernes Märchen ist.
       
       Spannender ist, was jene Lokalpolitiker dazu zu sagen haben, die diese
       Stellenpläne in den vergangenen Jahren durchgewinkt haben. Dabei sind CDU
       und FDP natürlich fein raus, die ziehen sich einfach auf ihre bewährte
       Taktik zurück: Rhetorisch alles kurz und klein sparen, am Ende wird schon
       irgendwer anders draufzahlen. Aber die regieren hier ja nicht und müssen
       deshalb nichts beweisen.
       
       ## Pech, wenn man die Finger selbst in der Keksdose hat
       
       Schwieriger ist die Situation für die SPD: Die würde das natürlich am
       liebsten [2][dem ungeliebten grünen Oberbürgermeister] aufs Brot schmieren,
       hat aber selber die Finger zu tief in der Keksdose.
       
       Den größten Stellenzuwachs verzeichnet ja die SPD-dominierte Region und
       auch in der Stadt ist der Personalplan vor allem unter dem vorläufig
       [3][letzten SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostok] explodiert.
       
       Aber zum Glück hat die hannoversche SPD ja ein Thema, das sie viel mehr
       hasst als Bürokratie: Onays Verkehrswende. Es ist wirklich atemberaubend,
       wie sie es derzeit schafft, jedes andere Thema dahin abzubiegen. Ich wette,
       wenn morgen ein Meteorit in Hannover einschlägt, wird der
       Fraktionsvorsitzende Lars Kelich es noch irgendwie schaffen, Onays
       Verkehrspolitik dafür verantwortlich zu machen.
       
       Alle anderen machen liebend gern mit: Die Stabsstelle Mobilität, die Onay
       im Rathaus eingerichtet hat, sei ein Paradebeispiel für überflüssige
       Doppelstrukturen und könne sofort weg, sagen sie. Solche Stabsstellen
       dienen eigentlich dazu, strategisch wichtige Projekte anzugehen –
       fachbereichsübergreifend, unbeeinträchtigt vom Alltagsgeschäft, direkt dem
       Oberbürgermeister unterstellt.
       
       ## Onay geht trotzdem allen weiter auf die Nerven
       
       Aber klar: Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Wenn die Stadtsprecherin
       zur Verteidigung anführt, die Stelle habe immerhin die bundesweit
       bedeutsame „Fahrradkommunalkonferenz“ nach Hannover geholt, erscheint der
       Output nicht spektakulär. Andrerseits macht die Stabsstelle auch nur
       ungefähr 0,15 Prozent des Stellenzuwachses aus.
       
       Der Oberbürgermeister will jedenfalls offensichtlich nicht aufhören, allen
       anderen mit seinen Verkehrsthemen auf die Nerven zu gehen: Am Wochenende
       ließ er sich zitieren, er sei offen für [4][eine Zusatz-Parkgebühr für
       SUVs, wie Paris sie gerade beschlossen hat.] Hoffentlich muss er dafür
       niemanden einstellen.
       
       12 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.haz.de/lokales/hannover/mehr-stellen-mehr-buerokratie-hannovers-verwaltung-waechst-kraeftig-YLO3MRHU2NEOBNK4ZZNWBNIFE4.html
 (DIR) [2] /Hannovers-SPD-gegen-Verkehrswende/!5976456
 (DIR) [3] /Neuer-Job-fuer-Hannovers-Ex-OB/!5977856
 (DIR) [4] /Paris-verteuert-Parken-fuer-SUVs/!5990023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Provinzhauptstadt
 (DIR) Hannover
 (DIR) Bürokratie
 (DIR) Verkehrswende
 (DIR) Belit Onay
 (DIR) Hannover
 (DIR) Kolumne Provinzhauptstadt
 (DIR) Kolumne Provinzhauptstadt
 (DIR) Kolumne Provinzhauptstadt
 (DIR) Hannover
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Von der SPD zu den Grünen in Hannover: Claudia Bax geht mit einem Knall
       
       Die bildungspolitische Sprecherin der Rats-SPD wechselt zum
       Ex-Koalitionspartner – auch weil der Koalitionsbruch nicht vorab diskutiert
       worden sei.
       
 (DIR) Arbeitspflicht für Geflüchtete: Arbeit oder Pflicht, schon wieder
       
       Die Debatte um Arbeitspflichten gab es schon einmal: Bei den Ein-Euro-Jobs.
       Das ging nicht so gut aus. Das wird bei Geflüchteten nicht anders sein.
       
 (DIR) Hannovers SPD kämpft für das Auto: Gallischer Kreisverkehr
       
       In Hannover widmet sich die SPD immer stärker dem Kulturkampf ums Auto. Ist
       das eine kluge Strategie?
       
 (DIR) Nadine Conti Provinzhauptstadt: Die Aura des Gummistiefels
       
       Weil Hochwasser zu den dramaturgisch öden Katastrophen gehört, konzentriert
       man sich auf Zweierlei: 1. „Tiere gehen immer“ und 2. „Idioten machen
       Sachen“.
       
 (DIR) Ende von rot-grün in Hannover: Aufbruch abgesagt
       
       Hannovers rot-grüne Koalition zerlegt sich vordergründig wegen des Streits
       um die autoarme Innenstadt. Dahinter steckt eine Profilneurose der SPD.